Die Ver(w)irrungen der Verwaltung: Besucher(des)orientierung im Bürgerhaus

02.12.2014

WICKEDE (RUHR). Der Haupt- und Finanzausschuss des politischen Rates der Gemeinde Wickede (Ruhr) soll ab 2015 „Am Lanferbach“ tagen. Und das Übungsspiel der Nachwuchstalente des Feuerwehr-Musikzuges – welches man zeitweise während der Ausschusssitzung aus einem der Nachbarräume hören konnte – soll künftig in „Scheda“ stattfinden. Außerdem sollen die Teilnehmer des VHS-Kursus’ „Malen mit Öl- und Acrylfarben“ im nächsten Semester ihre Pinsel nicht mehr im Nord-Ost-Trakt des Bürgerhauses sondern in „Echthausen“ schwingen. Dies jedenfalls kann so aus einer Mitteilung der Gemeindeverwaltung an die Mandatsträger des Haupt- und Finanzausschusses während ihrer Sitzung am heutigen Dienstagabend (2. Dezember 2014) abgeleitet werden.

Keine Lage- und Funktionsbezeichnungen mehr

Denn, wenn es nach dem Willen der kommunalen Verwaltung geht, sollen die verschiedenen Räume im Wickeder Bürgerhaus nicht mehr nur schnöde nach ihrer Lage und Funktion bezeichnet werden. Also nur „Nord-West-Trakt“ oder Seminarraum „S1“ heißen.

Hallen-Trakte sollen nach Ortsteilen benannt werden

Die einzeln abzutrennenden Säle in der großen Halle im Hauptgeschoss sollen vielmehr nach den Ortsteilen der Kommune benannt werden.

Der zum Restaurant „Bürgerstuben“ gehörige Saal soll dann beispielsweise den Namen „Wickede“ bekommen.

Der mittlere Trakt im Westen wird in „Wiehagen“ und der Thekenraum mit dem eigenen Ein- und Ausgang im Nord-Westen in „Schlückingen“ umbenannt.

Umgetauft werden soll natürlich auch der Nord-Ost-Trakt, der in Zukunft „Echthausen“ heißen soll, wenngleich der Ortsteil ja eigentlich im Süden der Gemeinde liegt.

Und „Wimbern“ findet der geneigte Gast dann in „Süd-Ost“, wenngleich das Dorf doch eigentlich die Süd-West-Spitze der Kommune bildet.

Überdachtes „Ruhrtal“

Da man eine vergleichbare Bezeichnung für den großen Hauptsaal des Bürgerhauses offenbar bislang im Rathaus noch nicht bedacht hat, schlug Bürgermeister Dr. Martin Michalzik (CDU) spontan „Ruhrtal“ vor.

Dann hätten die Gäste bei scheinbaren Open-Air-Veranstaltungen im „Ruhrtal“ zumindest auch ein trockenes Dach über dem Kopf. (Anmerkung der Redaktion)

Geografische und geschichtliche Bezeichnungen für Seminarräume

Zur „Besucherfreundlichen Orientierung im Gebäude und Verknüpfung des Hauses mit der Gemeinde“ schlagen die Verwaltungsmitarbeiter geografische und geschichtliche Raumbezeichnungen vor.

Neben den Ortsteilnamen für die Seitentrakte im Bürgerhaus soll es außerdem bessere Bezeichnungen für die Seminarräume „S1“ bis „S3“ im Kellergeschoss des Bürgerhauses geben.

S1 wäre demnach „Scheda“ (ehemaliges Prämonstratenserkloster), S2 „Glashütte“ (ein untergegangenes Unternehmen aus der Wirtschaftsgeschichte Wickedes) und S3 „Am Lanferbach“, da man von dem dortigen Raum irgendwann in Zukunft auch eine Terrassenanbindung an den Bachlauf schaffen möchte.

Keller-Foyer künftig „Schützenhof“

Da inzwischen auch das Foyer unten im Bürgerhaus für Veranstaltungen wie die Preisverleihung bei der Kegelgemeindemeisterschaft genutzt wird, soll dies’ ebenfalls eine „ordentliche“ Bezeichnung bekommen: „Schützenhof“ – schlägt das Rathaus dafür vor.

Adäquate Namensgebung für Toilettentrakt

Während diese Umbenennung der einzelnen Trakte und Räume des Bürgerhauses wohl wirklich ernst gemeint ist – auch wenn man dies kaum glauben mag –, merkte Bürgermeister Dr. Martin Michalzik (CDU) in der heutigen Sitzung etwas schmunzelnd an, dass man für den Toilettentrakt im Keller des Bürgerhauses noch keine adäquate Namensgebung vorliegen habe.

Spontan fiel Michalzik dann doch noch dafür die Ortsbezeichnung „Am Strullbach“ ein, die aber eigentlich zum Wiehagener Fisch-Park der Familie Baumüller gehört, wo es diesen Bachlauf mit der Bezeichnung ja wirklich gibt.

Neue Bezeichnungen für bessere Besucherorientierung

Wenn der geneigte Leser ob dieses Namenswirrwarrs nun völlig desorientiert ist, sei ihm nochmals gesagt:

Die neuen Bezeichnungen für die einzelnen Trakte und Tagungsräume sollen nur der besseren Orientierung des Besuchers im Bürgerhaus dienen – so jedenfalls die Vorstellung der Verwaltung.

Navigationshilfe durchs Bürgerhaus

Alternativ schlug Michalzik – der den Vorschlag aus seinem eigenen Haus wohl auch nicht für so ganz ernst nimmt – noch eine Handy-App mit Navigationshilfe durchs Bürgerhaus vor.

Mandatsträger nahmen Mitteilung ohne Murren auf

Die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses nahmen die Mitteilung der Verwaltung jedenfalls – bis auf einen Mandatsträger – ohne Murren und Widerspruch zur Kenntnis.

Teutenberg äußert als einziger seine Zweifel

Nur Andreas Teutenberg (FDP) merkte leise an, ob die Aufteilung des Bürgerhauses in „Ortsteile“ nicht eher zur Desorientierung von Fremden führen könne.

Denn, wenn künftig zu einer Veranstaltung in „Echthausen“ eingeladen würde, dann könne dies missverstanden werden.

Man frage sich schnell: Ist der Veranstaltungsort nun das echte Echthausen – das kleine Dorf jenseits der Ruhr – oder der bisherige Nord-Ost-Trakt des Bürgerhauses?

Ein Thema für Glossen in den Medien …

Ein Thema für Glossen in den Medien, meinte Teutenberg. – Und „wickede.ruhr HEIMAT ONLINE“ meint: Der Liberale hat recht! 

Wiehernder Amtsschimmel oder Schildbürger-Streich?

Vielleicht könnte man den heutigen Tagungsraum des Haupt- und Finanzausschusses „S3“ ja einfach in „Schildbürger-Streich-Stube hoch drei“ umbenennen oder das ganze Bürgerhaus gleich in Schildbürgerhaus und das Wickeder Rathaus in „Phantasialand“ oder „Reiterstübchen“, weil dort manchmal der Amtsschimmel so schön wiehert.

Entschuldigung: das „Reiterstübchen“ gibt es ja schon in Wiehagen …

Aber macht ja nix – demnächst gibt es ja mehrere Ortsbezeichnungen in der Gemeinde doppelt – natürlich nur zur besseren Orientierung.

Rat entscheidet am Donnerstag über Verwaltungsvorschlag

Wenn der politische Rat in seiner Sitzung am kommenden Donnerstag, 4. Dezember 2014, über die Namensgebung für die Trakte und Tagungsräume im Bürgerhaus entscheidet, sollte er die Mitteilung der Verwaltung jedenfalls nicht einfach nur nickend zur Kenntnis nehmen – sondern noch einmal kritisch hinterfragen und die Angelegenheit vielleicht auf später vertagen.

Wichtiges Thema auf Ratssitzung am Donnerstag vertagt

Interessante Episode am Rande: Zur Diskussion der Flüchtlingsproblematik am Ort nahm sich der Haupt- und Finanzausschuss am heutigen Donnerstag keine Zeit, vertagte das wichtige Thema auf die Ratssitzung am Donnerstag. – Lediglich SPD-Ratsherr Helmut Bäcker erhob dagegen seinen Einspruch. Stand damit aber auf einsamem Posten.

ANDREAS DUNKER für „wickede.ruhr HEIMAT ONLINE“

(Schild-)Bürgerhaus? FOTO: ANDREAS DUNKER
(Schild-)Bürgerhaus? FOTO: ANDREAS DUNKER

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