Junger Mann liebt alte Postkarten: Motive aus Wickede, Wimbern und Echthausen

03.01.2015

WICKEDE (RUHR). Aus Wickede, Wimbern und Echthausen wurden sie früher zu abertausenden in die weite Welt verschickt: die typischen Postkarten-Ansichten mit den schönsten Motiven der Ruhrgemeinde. – Längst ist die große Zeit der kleinen Bildpostkarten schon Vergangenheit.

Wer heute beispielsweise als Gast einen Gruß aus Wickede in seine Heimat schicken will, macht in der Regel wohl lieber einen spontanen Schnappschuss mit der Digitalkamera seines Smartphones oder Tablets von seinem Aufenthaltsort und verschickt die Bilddatei gleich direkt per MMS oder E-Mail binnen weniger Sekunden an den gewünschten Adressaten.

Heute „Selfies“ als digitale Grüsse

Oder wer richtig „hip“ (angesagt) sein will, macht heutzutage gleich ein „Selfie“. Das heißt ein Selbstporträt – natürlich vor lokaler Kulisse. – Der bildliche Beweis dafür, dass man auch wirklich vor Ort war beziehungsweise ist.

Letzte Ansichtskarte vom Wickeder Weihnachtsmarkt

Zwar wurde kürzlich noch eine Ansichtskarte mit dem Motiv des Wickeder Weihnachtsmarktes aufgelegt, allerdings nur in einer sehr schlechten fotografischen Qualität.

Ansonsten sind die Verlage nämlich auf ihren zuletzt von Wickede (Ruhr) verlegten Ansichtskarten sitzen geblieben und können die Druckwerke noch nicht einmal mehr verramschen.

Lob auf die Vorzüge der Postkarte

Da hilft auch keine Werbung wie in früheren Zeiten mehr. Damals hieß es: „Sofern es sich nicht um vertrauliche Dinge handelt, ist die Postkarte das ideale Mittel, eine Sache ohne unnötigen Wortschwall und doch höflich mitzuteilen. Man bedenke: Kein Umschlag muss angeleckt und kein Briefbogen gefaltet werden. Und man kommt auch nicht in die Versuchung, unnötig viel zu schreiben.“ – „Und erst die Vorteile für den Empfänger: Er hat die Nachricht gleich unmittelbar vor Augen, wenn er die Post erhält.“

Bildpostkarten als Sammelobjekt

All dies bewegt heute kaum noch jemanden – und vor allem schon gar keine jüngeren Leute – noch Postkarten zu kaufen.

Anders ist dies bei Julian Rüsing. Der 30-jährige Wickeder kauft noch immer Postkarten mit Motiven aus der Gemeinde Wickede (Ruhr).

Allerdings nicht, um die Ansichtskarten zu verschicken – sondern um sie zu sammeln und für die Nachwelt als interessante Bildquellen zu bewahren.

Als Landschaftsgärtner beim kommunalen Bauhof

Rüsing, gelernter Landschaftsgärtner und Mitarbeiter beim Bauhof der Gemeinde Wickede (Ruhr), reist sogar zu Bildpostkarten-Börsen nach Köln und Düsseldorf.

Er holt die Karten wieder heim, die einst von Wickede und den Dörfern ringsum aus in alle Welt verschickt wurden.

Für Postkarten, die kurz nach ihrer Produktion im Laden nur ein paar Pfennige gekostet haben, zahlt der Sammler heute auch schon mal bis zu fünfzig Euro.

Rund dreihundert Karten zählt die interessante Sammlung von Julian Rüsing inzwischen. „Die fehlenden Motive werden immer weniger“, erklärt er im Gespräch mit „wickede.ruhr HEIMAT ONLINE“.

Aberdutzende Ansichten vom ehemaligen Krankenhaus und Kloster

Alle bislang erschienenen Bildpostkarten mit Bezug zur Wickede (Ruhr) wird er wohl trotzdem nie bekommen. Denn alleine vom ehemaligen Krankenhaus und Heilig-Geist-Kloster im Ortsteil Wimbern gab es in der Vergangenheit schon aberdutzende Ansichten auf Postkarten, weiß Julian Rüsing.

Internet als Auktionsplattform

Während andere in seinem Alter das Internet zum Versand von digitalen Grüssen mit Bildanhang verwenden, nutzt Rüsing das Web auch für Recherchen nach weiteren Wickeder Motiven. Beispielsweise bei Versteigerungen von eBay.– Denn die Motive sind zwar lokal – der Handel aber global.

Rund 300 Karten in Klarsichthüllen

Seinen angesammelten „Schatz“ mit aktuellen und vor allem historischen Bildpostkarten bewahrt Julian Rüsing, der heute an der Bodelschwinghstraße wohnt, in zwei kleinen unscheinbaren dicken Ringbüchern auf.

In den etwa sieben Jahren seiner Sammelleidenschaft hat der gebürtige Wickeder hier rund 300 Karten in Klarsichthüllen einstecken können.

Lithografien vom Ende des 19. Jahrhunderts

Neben den noch immer im Wickeder Handel erhältlichen Ansichtskarten hat er auch Lithografien vom Ende des 19. Jahrhunderts mit in seiner Sammlung, die für ihn als Wickeder Lokalpatriot vor allem einen ideellen Wert darstellt.

Apotheker- und Glashüttenstraße als Motive

Einen Favoriten unter den Karten hat Rüsing nicht direkt, sagt er im Gespräch mit „wickede.ruhr HEIMAT ONLINE“.

Aber für den im Hövel aufgewachsenen „Wickeder Jungen“ ist ein Motiv wie die „Glashüttenstraße“ schon besonders interessant.

Denn heute weiß kaum noch jemand, dass diese Straße im Bereich der heutigen Oststraße lag.

Den Namen „Glashüttenstraße“ gibt es im aktuellen Wickeder Straßenverzeichnis nicht mehr.

Betrieb bestand zwischen 1889 und 1913

Zum Hintergrund: Seit 1889 bestand in Wickede eine Glashütte (Eigentümer: Eibenstein, später Hibbeln), die aber am 1. Februar 1913 – nach mehreren vorhergehenden Unterbrechungen – ihren Betrieb endgültig einstellte.

Die Glasbläser-Skulptur auf dem Marktplatz vor dem Rathaus erinnert noch heute an diese Ära.

Aber auch eine Ansicht der „Apothekerstraße“ (heute: Ringstraße) gefällt Rüsing selbst besonders gut.

Grafiken statt Fotografien als Vorlagen

Hinzu kommen die ganz alten Ansichtskarten, die noch keine Reproduktionen von Fotografien sondern nur Grafiken kannten.

Wie sehr der Künstler dabei vielleicht hässliche Partien weggelassen oder phantasievoll etwas hinzugefügt hat, bleibt dahin gestellt.

Historische Wirklichkeit oder romantische Wunschvorstellung?

Unter anderem sind auf diesen Lithografien beispielsweise Segelboote zu sehen, die gemächlich über die Ruhr schippern. Im Hintergrund die Haargemeinde Wickede.

Historische Wirklichkeit oder romantische Wunschvorstellung des Zeichners? – Eben bildschöne Postkartenansichten …

Beworben wurde auf späteren Karten übrigens  Wickede an der Ruhr auch als  „Luftkurort".

ANDREAS DUNKER für „wickede.ruhr HEIMAT ONLINE“

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