Vogt: „In satanischer Bosheit und bodenloser Dummheit“

10.04.2015

WICKEDE. Über die Schrecken des Zweiten Weltkrieges im April 1945 in Wickede berichtet Pastor Josef Vogt in einem Jahresrückblick in der Pfarrchronik der Kirchengemeinde St. Antonius. Der katholische Seelsorger schreibt: „Schaurig ist es, ringsum des Nachts die brennenden Städte zu sehen. Alles treibt der Katastrophe zu. Anfang April rücken die Amerikaner immer näher. SS-Truppen ziehen durch Wickede, ziehen über die Ruhr und verschanzen sich im Echthaus(en)er Wald.“

Weiter heißt es in den Aufzeichnungen des örtlichen Pfarrers: „In satanischer Bosheit und bodenloser Dummheit schießen sie von dort auf unseren (…) Kirchturm, der eventuell von den anrückenden Feinden als Beobachtungspunkt benutzt werden könnte!?“ – Verschiedene Granateinschläge hätten die Kanten des Turmes getroffen. Ein Volltreffer sei über dem Zifferblatt der Uhr mitten in den Turm hinein gegangen. Dieser habe aber – „Gott sei Dank“ – keinen größeren Schaden angerichtet. Lediglich ein großes Loch im Turm und ein verbogenes Gestänge der Turmuhr seien zu beklagen gewesen.

Dorf sturmreif geschossen

„Am 9. und 10. April wurde unser Dorf von den feindlichen Panzern sturmreif geschossen und von einigen Fliegern mit Bomben belegt“, berichtet Vogt wörtlich über das Kriegsende in Wickede.

Von Osten her seien Granaten auf den katholischen Friedhof und in den Pfarrgarten sowie zwischen Kirche und Pfarrhaus gezischt, wo sie große Löcher gerissen hätten. Und auch das Eingangstor zum Pfarrhof sei „weggefegt“ worden, berichtet Vogt. Weitere Einschläge habe es in der Schule und in den Nachbarhäusern gegeben.

Deutsche Granaten auf katholische Kirche

Danach habe auch die katholische Pfarrkirche einen verheerenden Treffer erhalten. Vogt: „… eine Granate durchschlug das Mittelschiff, ging durch die Orgelbühne und explodierte unten im Turm vor der Eingangstür zur Orgel. Sie drückte dann die Haupttüre nach außen und zersplitterte vollständig die Windfangtür. An dem Zünder konnte man feststellen, dass es eine deutsche Granate war!“

Orgel teilweise zerstört

Eine andere Granate habe ebenfalls das Dachgeschoss der Pfarrkirche durchschlagen und sei über der Orgel explodiert. Der dort befindliche Mauerbogen sei daraufhin eingestürzt und die Trümmer seien in die Orgel hinein gefallen. Dies habe zu einem großen Schaden an dem Instrument geführt. – Vogt: „Vorläufig mussten wir uns mit einem Harmonium begnügen.“


Gedenkstätte für Kriegstote in der katholischen Kirche

So hat es durchaus einen tieferen Sinn, dass in der Nachkriegszeit gerade unter der Orgelbühne der katholischen Kirche in Wickede eine Gedenkstätte für die Opfer der beiden Weltkriege geschaffen wurde. Die vier in Sgraffito-Technik gefassten Tafeln wurden von dem Wickeder Künstler Friedel Brambring gestaltet.

Für jeden Kriegstoten der Gemeinde Wickede (ohne Ortsteile) hängt ein kleines Kreuz an der Wand, das den Namen sowie Geburts- und Sterbetag des Verstorbenen zeigt.

Neben 80 Kreuzen für die Toten des Ersten Weltkrieges (1914 – 1918) hängen 143 Kreuze für die des Zweiten Weltkrieges (1939 – 1945). An die Wassertoten der Möhnekatastrophe in der Nacht vom 16. auf den 17. Mai 1943 erinnern 117 Kreuze.

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Der verstorbene Pfarrer Josef Vogt
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