Nach dem „Kaltstart“ im Jahre 2014 kündigt Sommer einen „heißen Herbst“ 2015 an

14.04.2015

WICKEDE (RUHR). Eine solch entspannte Bürgerversammlung wie am heutigen Dienstagabend (14. April 2015) in Wickede habe er selten erlebt, so Thomas Sommer als Vertreter der Bezirksregierung Arnsberg. Bei dem öffentlichen „Bürgergespräch“ stand er zusammen mit Bürgermeister Dr. Martin Michalzik (CDU) und Fachbereichsleiter Jürgen Schlautmann sowie jeweils zwei Vertretern der Malteser-Werke als Betreuungsverband und der Polizei auf dem Podium im Bürgerhaus. Dort wurde binnen zirka zwei Stunden viel sachlich informiert und wenig kritisch diskutiert.

Vor allem die Vertreter von karitativ-wohltätigen Organisationen sowie politischen Parteien dominierten das Publikum. Kritische Fragen traute sich angesichts der Masse von Befürwortern der Einrichtung im Saal kaum jemand zu stellen. Und die in sozialen Netzwerken und auf dem Marktplatz vertretenen Kritiker waren auch nicht präsent. 

Lediglich Bürgermeister Michalzik legte den sprichwörtlichen Finger immer wieder in die offenen Wunden. Ansonsten hätte man das Gefühl haben können: „In Wickede ist die Welt noch in Ordnung!“ – Auch ein Jahr nach der Eröffnung der Flüchtlingsmassenunterkunft in Wimbern und diverser unangenehmer Vorfälle. 

Nach dem „Kaltstart“ vor einem Jahr im April 2014 prophezeite Thomas Sommer als Vertreter der Bezirksregierung Arnsberg allerdings noch einen „heißen Herbst“ 2015. Denn dann würde der Flüchtlingsstrom nach Deutschland vermutlich wieder enorm ansteigen.

Nachstehend finden Sie einige Statements der Vertreter auf dem Podium:

Bürgermeister Dr. Martin Michalzik (CDU), Gemeinde Wickede (Ruhr)  FOTO: ANDREAS DUNKER
Bürgermeister Dr. Martin Michalzik (CDU), Gemeinde Wickede (Ruhr)
FOTO: ANDREAS DUNKER

Michalzik fordert: „Nichts unter den Tisch kehren!"

Manches habe ihn in den letzten zwölf Monaten „berührt“, manches habe ihn „bedrückt“ und manches habe man „gemeinsam bewegt“ erklärte Bürgermeister Dr. Martin Michalzik (CDU) zum Einstieg in das öffentliche „Bürgergespräch“.  In der Gemeinde habe es „spürbare Veränderungen“ durch die Eröffnung der Massenunterkunft für Flüchtlinge in Wimbern gegeben. Gerade am Anfang sei die Situation sehr angespannt gewesen und er habe sich zeitweise ernsthafte Sorgen gemacht, wo das hinführen werde.  Auch das gedeihliche Miteinander in der Gemeinde habe er dabei durch sich polarisierende Lager in Gefahr gesehen.

Auch auf die Gemeindeverwaltung sei eine erhebliche Belastung durch die Einrichtung zugekommen. Nicht nur er selbst als Bürgermeister habe viel Arbeit und Energie rund um die Probleme mit den Flüchtlingen investiert. Das Einwohnermeldeamt im Rathaus sei beispielsweise mit rund 8.500 An- und Abmeldungen für die „Mendener Straße 52“ beschäftigt gewesen. Denn die Flüchtlinge würden während ihres Aufenthaltes in Wimbern als Bürger der Gemeinde gezählt. Zudem habe sich die Kommune um die Betreuung der älteren Kinder von alleinerziehenden schwangeren Müttern sowie um die Einweisung psychisch kranker Flüchtlinge kümmern müssen. Außerdem habe die Verwaltung einen Evakuierungsplan erarbeitet, damit die Bewohner der Unterbringungseinrichtung in Wimbern beispielsweise bei einem Brandalarm „an einem kalten regnerischen Winterabend“ nicht plötzlich ohne Schutz im Freien stünden. 

Deutlich machte Michalzik, dass die Gemeinde Wickede (Ruhr) finanziell durch die Landeseinrichtung profitiere, da sie so mehr Schlüsselzuweisungen in Höhe von rund einer halben Million Euro erhalte. Zudem spare man auch die Kosten für die kommunale Beherbergung von Asylsuchenden, die die Nachbargemeinde Ense mit rund 300.000 Euro pro Jahr belaste.

Michalzik lobte die große Hilfsbereitschaft in Wickede – beispielsweise durch kirchlich-karitative Organisationen, die Arbeiterwohlfahrt und den Freundeskreis „Menschen helfen Menschen“.

Wichtig sei ihm als Bürgermeister aber auch, dass man durchaus vorhandene Probleme „nicht unter den Tisch kehren“ dürfe. Missstände müssten deutlich angesprochen werden.

Jürgen Schlautmann, Fachbereichsleiter für Bürgerservice und Soziales der Gemeindeverwaltung Wickede (Ruhr) FOTO: ANDREAS DUNKER
Jürgen Schlautmann, Fachbereichsleiter für Bürgerservice und Soziales der Gemeindeverwaltung Wickede (Ruhr) FOTO: ANDREAS DUNKER

Schlautmann sieht öffentliche Toilette als dringendes Bedürfnis

Jürgen Schlautmann, Fachbereichsleiter für Bürgerservice und Soziales der Gemeindeverwaltung Wickede (Ruhr), sieht die Lage in Wickede ganz entspannt. Auch an der Shell-Tankstelle gäbe es aus seiner Sicht keine wirklichen Probleme. Ein von der Kommune bestellter privater Sicherheitsdienst bestreife die Gemeinde und melde kaum gravierende Vorkommnisse.

Für wichtig hält Schlautmann den Bau einer öffentlichen Toilettenanlage in der Ortsmitte, die kostenlos zugänglich sein soll.

ANZEIGE
Peter Andres, Kriminaldirektor und Verbindungsstelle der Polizei zur Bezirksregierung Arnsberg in Flüchtlingsangelegenheiten  FOTO: ANDREAS DUNKER
Peter Andres, Kriminaldirektor und Verbindungsstelle der Polizei zur Bezirksregierung Arnsberg in Flüchtlingsangelegenheiten
FOTO: ANDREAS DUNKER

Andres sieht Kriminalität in Wickede im unteren Bereich

Peter Andres, Kriminaldirektor und Verbindungsstelle der Polizei zur Bezirksregierung Arnsberg in Flüchtlingsangelegenheiten, sieht Wickede (Ruhr) im unteren Bereich, wenn es um die Kriminalität in der Gemeinde Wickede (Ruhr) geht.

Interessant: Andres zählte einige Strafdelikte innerhalb der letzten drei Monate in der Wimberner Unterbringungseinrichtung auf, die bislang noch nicht bekannt waren.

Zu seinen Aufgaben in Arnsberg zählt die Beobachtung von Polizei-Einsätzen und Straftaten in Zusammenhang mit Flüchtlingen sowie rechtsextreme und ausländerfeindliche Äußerungen und Anschläge gegen Asylsuchende und ihre Unterkünfte.

Hans Schäfers, Erster Polizeihauptkommissar und Leiter der Polizeiwache Werl FOTO: ANDREAS DUNKER
Hans Schäfers, Erster Polizeihauptkommissar und Leiter der Polizeiwache Werl FOTO: ANDREAS DUNKER

Schäfers: Schlimme Befürchtungen haben sich nicht bewahrheitet

Hans Schäfers, Erster Polizeihauptkommissar und Leiter der Polizeiwache Werl, erklärte, dass die schlimmen Befürchtungen seiner Behörde vor Eröffnung der Flüchtlingsmassenunterkunft in Wimbern sehr groß gewesen seien. Im Vergleich zur Zentralen Unterbringungseinrichtung (ZUE) in Hemer im Märkischen Kreis sei die Lage hier in Wickede (Ruhr) aber im vergangenen Jahr sehr ruhig geblieben.

Im März 2015 seien erstmals Wickeder Bürger die Opfer von Körperverletzungsdelikten geworden. 

Davor habe es nur Fälle von Streitigkeiten und Gewalt unter den Asylsuchenden gegeben. 

Thomas Sommer, Leitender Regierungsdirektor und Hauptdezernent der Bezirksregierung Arnsberg für die Unterbringung, Betreuung und Zuweisung von Flüchtlingen FOTO: ANDREAS DUNKER
Thomas Sommer, Leitender Regierungsdirektor und Hauptdezernent der Bezirksregierung Arnsberg für die Unterbringung, Betreuung und Zuweisung von Flüchtlingen FOTO: ANDREAS DUNKER

Sommer: Wimbern soll auf lange Zeit eine Massenunterkunft bleiben

Wieder ein neues Gesicht aus der Bezirksregierung Arnsberg. Dieses Mal vertrat Thomas Sommer, Leitender Regierungsdirektor und Hauptdezernent für die Unterbringung, Betreuung und Zuweisung von Flüchtlingen, die Landesbehörde als Betreiber der Unterbringungseinrichtung in Wimbern.

Er machte deutlich, dass es keine realistischen Prognosen für die Einschätzung des Flüchtlingsstromes nach Deutschland gäbe. Innerhalb von fünf Jahren habe sich die Zahl der Asylsuchenden aber etwa vervierfacht. Es sei „ein nie da gewesener Anstieg“!

Er machte deutlich, dass man in Wimbern keinen einfachen Start gehabt hätte. Ausdrücklich bedankte er sich im Namen der Regierung aber für die ausgesprochene Willkommenskultur in Wickede sowie das große ehrenamtliche Engagement und die Spendenbereitschaft.

Deutlich machte er, dass es sich bei der Einrichtung in Wimbern nicht mehr um eine „Notunterkunft“ sondern um eine dauerhafte „Zentrale Unterbringungseinrichtung“ handele. Denn nur bei Mietverträgen zwischen fünf und zehn Jahren könne man die teuren Investitionen in den Gebäudekomplex rechtfertigen.

Bei den auch künftig erwarteten Flüchtlingsströmen könne das Land auf Wimbern als große Unterbringungseinrichtung für Asylbegehrende nicht verzichten.

Kai Jatzenko, Betreuungsleiter der Malteser-Werke für die Flüchtlingsunterkunft in Wimbern FOTO: ANDREAS DUNKER
Kai Jatzenko, Betreuungsleiter der Malteser-Werke für die Flüchtlingsunterkunft in Wimbern FOTO: ANDREAS DUNKER

Jatzenko hofft auf gutes Wetter statt auf Infektionskrankheiten

Zum „Tag der offenen Tür“ der „Zentralen Unterbringungseinrichtung“ (ZUE) in Wimbern lud Kai Jatzenko, Betreuungsleiter der Malteser-Werke, die Wickeder Bürger für den kommenden Samstag, 18. April 2015, von 11.00 bis 15.00 Uhr ein. Unter anderem gäbe es internationale Speisen sowie eine chinesische Mitarbeiterin, die asiatische Schriftzeichen male, und eine afrikanische Mitarbeiterin, die Haarzöpfe flechte. Zudem gäbe es einige Führungen durch ausgewählte Bereiche der Einrichtung. Ansonsten spiele sich die Veranstaltung hauptsächlich im Außenbereich ab. Dabei hoffe man auf gutes Wetter.

Den im vergangenen Jahr geplanten „Tag der offenen Tür“ habe man leider auf Grund von ansteckenden Krankheiten im Hause nicht durchführen können.     

Jana Förster, stellvertretende Betreuungsleiterin der Malteser-Werke für die Flüchtlingsunterkunft in Wimbern FOTO: ANDREAS DUNKER
Jana Förster, stellvertretende Betreuungsleiterin der Malteser-Werke für die Flüchtlingsunterkunft in Wimbern FOTO: ANDREAS DUNKER

Förster rät: Auch auf aggressive Flüchtlinge freundlich zugehen

Was soll man tun, wenn man von Asylbegehrenden aggressiv angepöbelt wird? Beispielsweise auf dem sonntäglichen Rückweg beim Brötchenholen. Eine Frage aus dem Publikum, die Jana Förster als stellvertretende Betreuungsleiterin der Malteser-Werke für die Flüchtlingsunterkunft in Wimbern, damit beantwortete, dass man den Flüchtlingen dann einfach mal Brötchen anbieten solle.

Denn so wie man auf die Menschen zuginge, würden diese auch reagieren.

Der offenbar ernst gemeinte Ratschlag wurde nicht von allen „beklatscht“. 

Jana Förster ist als Nachfolgerin von Kai Jatzenko in der Hausleitung im Gespräch, da Jatzenko künftig im landesweiten Management der Malteser arbeiten soll.


ANDREAS DUNKER für „wickede.ruhr HEIMAT ONLINE“



WEITERE AKTUELLE BEITRÄGE ZUM THEMA


14.04.2015: 8.500 Flüchtlinge in Wimbern: Teil der befürchteten Probleme im Zusammenleben eingetreten (Bilanz des Bürgermeisters – exklusiv in „wickede.ruhr HEIMAT ONLINE“)

/heimat-online/Aktuelle_Meldungen/2015-04-14_Vorab-Bilanz_Michalzik.php


14.04.2015: Fragen und Antworten zur „ZUE“ in Wimbern (Zahlen, Daten, Fakten)

/heimat-online/Aktuelle_Meldungen/2015-04-14_Bezirksregierung_Arnsberg.php



VON DER VERANSTALTUNG AM HEUTIGEN ABEND PRÄSENTIEREN WIR IHNEN ZUDEM EINE BILDER-STRECKE:

Anmeldung zum Newsletter

Lassen Sie sich aktuell per E-Mail über die wichtigsten Schlagzeilen informieren!

ANZEIGEN

ANZEIGE Zahnarztpraxis Dr. Clemens Frigge und Marta Dinstak
ANZEIGE
ANZEIGE Stadtwerke-Froendenberg
ANZEIGE
Anzeige
 
 
ANZEIGE
ANEIGEN
 
 
 
 

Gefördert mit finanziellen Mitteln der LfM-Stiftung "Vor Ort NRW."

LOGO Vor Ort NRW
 
 

TERMINE

Keine Einträge vorhanden

BUTTON