Kommunalpolitiker: Kontroverse Diskussion um „Paintball“

30.11.2016

WICKEDE (RUHR). Sind „Paintball“ und „Lasertag“ weder Sport noch Spiel sondern Simulationen des Tötens und des Krieges? Sinkt durch das Schießen mit den Luftdruckwaffen beziehungsweise „Farbmakierern“ bei jungen Menschen vielleicht sogar dauerhaft eine Hemmschwelle hin zur Gewalt? Oder sind „Paintball“ und „Lasertag“ nur Funsportarten für junge Leute, die sich in ihrer Freizeit bei Geschicklichkeits- und Strategiespielen austoben wollen? – Im „Ausschuss für Generationen, Sport, Kultur und Integration“ des politischen Rates der Gemeinde Wickede (Ruhr) am heutigen Mittwochabend (30. November 2016) im Bürgerhaus waren die Meinungen dazu geteilt.

Dabei ging es um die grundsätzlich Frage, ob die Kommune die Brachfläche gegenüber des Freibades, wo früher der Turnverein seine Tennisplätze hatte, eventuell an einen potentiellen Betreiber für eine Freizeit- und Sport-Anlage für Paintball- und Lasertag-Fans verpachten solle. Oder ob dies überhaupt nicht in Frage käme. – Anlass war eine konkrete Anfrage eines Investors aus dem Raum Lippstadt an die Gemeinde.

Sowohl die CDU- als auch die SPD-Sprecher machten im Zuge der teils hitzig geführten Diskussion deutlich, dass die Meinungen innerhalb ihrer beiden Fraktionen zu dem Thema sehr unterschiedlich seien.

Große ethische und moralische Bedenken einiger Ratsmitglieder

Einige Ratsmitglieder hätten bereits im Vorfeld große ethische und moralische Bedenken gegen „Paintball“ und „Lasertag“ geäußert. – Andere würden in einer solchen Freizeitsport-Anlage eine durchaus mögliche Nutzung des aktuell brach liegenden Geländes sehen, wenn die Rahmenbedingungen passen würden. Dazu gehörten für die Christdemokraten auf jeden Fall ein Lärmschutz-Gutachten und ein vernünftiges Konzept des Betreibers sowie ein späterer Lärm- und Sichtschutz.

Kommune sollte „kostbaren Grund und Boden“ besser für Kleingewerbe nutzen

Sozialdemokrat Helmut Bäcker hingegen lehnte persönlich eine Paintball- und Lasertag-Anlage auf dem kommunalen Grundstück gegenüber dem Freibad kategorisch ab. Den „kostbaren Grund und Boden“ solle die Kommune lieber zur Ansiedlung von Kleingewerbe zur Verfügung halte, so die Ansicht des SPD-Mannes.

Grüner Fraktionsvorsitzender will mit Jugend zum „Paintball“ fahren

Unentschlossen zeigte sich Lothar Kemmerzell von „Bündnis 90 / Die Grünen“. Er schlug den anwesenden Politikern vor, doch kurzerhand am kommenden Samstag, 3. Dezember 2016, an einer Fahrt zum „Paintballpark Westfalen“ in Ahlen teilzunehmen, die der örtliche Streetworker Frank Hake zusammen mit Wickeder Jugendlichen durchführen wolle.

Als direkter Befürworter eines solchen Ballerspiels wollte sich der links-alternative Kommunalpolitiker allerdings  auch nicht verstanden wissen.

Ausschuss-Vorsitzender hält Angebot des Wickeder Streetworkers für sehr bedenklich

Klare Kante zeigte Ausschuss-Vorsitzender Hans Regenhardt (CDU). Er hielt „Paintball“ für „kein Sport und kein Spiel“ sondern die „Simulation des Tötens und des Krieges“. Durch solche Aktivitäten lerne man das Töten und Krieg zu führen.

Das „Schießen mit Gewehren auf Menschen“ führe nur zum Sinken der Hemmschwelle gegenüber Gewalt, meinte Regenhardt. Der CDU-Politiker machte auch keinen Hehl daraus, dass er den Ausflug des kommunalen Streetworkers zum „Paintballpark“ für mehr als bedenklich halte.

Gegenüber „wickede.ruhr HEIMAT ONLINE“ erklärte Hans Regenhardt noch: „Selbst bei der Bundeswehr schießt man bei Übungen und Manövern nicht auf Menschen.“

Mehrheit der CDU-Fraktion will Vorhaben weiterhin von Verwaltung prüfen lassen

In der überwiegenden Mehrheit sei die CDU-Fraktion aber der Meinung, dass man das Vorhaben durch die Verwaltung genauer prüfen lassen und noch keinen Schlussstrich unter die Angelegenheit ziehen solle, so Helen Kramer als Sprecherin der Christdemokraten.

Wichtig sei der CDU insgesamt aber ein akzeptables Konzept des potentiellen Betreibers. Dazu gehörten viele Faktoren.

„Bürgergemeinschaft“ gegen Paintball-Anlage

Vorsitzender Thomas Schäfer und Pressesprecher Andreas Pietsch von der „Bürgergemeinschaft“ (BG) hatten sich bereits am gestrigen Dienstag (29. November 2019) gegenüber „wickede.ruhr HEIMAT ONLINE“ so geäußert, dass sie gegen die Ansiedlung einer Paintball-Schießanlage in der Ruhrgemeinde seien. – Der ehemalige Zeitsoldat und der frühere Wehrdienstverweigerer waren sich in ihrer Ablehnung des „Ballerspiels“ einig.

Zwischenrufe aus Zuhörerreihen

„Unmöglich“ hagelte es während der heutigen Sitzung übrigens immer wieder laute Zwischenrufe von Anlieger Richard Meier vom „Obergraben“, der alleine im Zuhörerraum saß und seinen Ärger nicht zurückhalten konnte oder wollte.

ANDREAS DUNKER für "wickede.ruhr HEIMAT ONLINE"


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LESEN SIE AUCH UNSEREN BEITRAG:

25. November 2016: Freizeit- und Sport-Anlage für Paintball- und Lasertag-Fans am Freibad? | wickede.ruhr HEIMAT ONLINE


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Das Brachgelände am Freibad ARCHIVFOTO: ANDREAS DUNKER
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Marode Immobilie: die alte "Freibad-Schänke" ARCHIVFOTO: ANDREAS DUNKER
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