Sparkassen: Smartphone-App ist die meistgenutzte Geschäftsstelle

28.06.2017

WERL / KREIS SOEST. Die Sparkassen im Kreis Soest haben ihre Bilanzsumme 2016 auf 4,6 Milliarden Euro gesteigert. Dies ist ein Plus von 124 Millionen Euro oder 2,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr 2015. In einer gemeinsamen Pressekonferenz gaben dies die Vorstandsvorsitzenden der fünf eigenständigen kommunalen Kreditinstitute am heutigen Mittwochvormittag (28. Juni 2017) in der Sparkasse Werl bekannt.

Deutlich ausgeweitet wurde von den heimischen Sparkassen das Kreditgeschäft. Mit 3,15 Milliarden Euro hat man dabei einen Zuwachs von 115 Millionen Euro oder 3,8 Prozent erzielt. Insbesondere im gewerblichen Bereich (1,54 Milliarden Euro) erreichte man ein Plus von 5,7 Prozent beziehungsweise 83,6 Millionen Euro. – Bei den Privatkunden (1,53 Milliarden Euro) lag das Plus bei 3,2 Prozent oder 46,9 Millionen Euro.

Zuwächse bei Kundeneinlagen trotz niedrigem Zinsniveau

Zuwächse verzeichnen die Sparkassen auch bei den Einlagen ihrer Kunden. 2016 waren es 138 Millionen (4,1 Prozent) mehr als im Vorjahr 2015. Und dies trotz eines anhaltend niedrigen Zinsniveaus, bei dem es zum Teil Negativzinsen für Guthaben gibt.

„Die Leute sparen weiterhin fleißig“, so Vorstandsvorsitzender Herbert Köhler von der Sparkasse Soest – mit der am 1. Januar 2018 auch die Sparkasse Werl, Wickede (Ruhr) und Ense fusionieren wird. – Das Ansparen von Eigenkapital diene noch immer als sinnvolle Absicherung der wechselnden Lebensrisiken so Köhler.

Immer mehr Bürger nutzen Wertpapiere zur Geldanlage

Aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsphase nutzten immer mehr Anleger aber auch das Wertpapiergeschäft und investierten in Aktien, Rentenfonds und so weiter.

Wenngleich diese Geldanlage bei den Deutschen eigentlich nicht so beliebt und natürlich etwas risikoreicher als das klassische Sparguthaben sei, könne man damit der Realzinsfalle entgehen. Denn eine Niedrig-, Null- oder Negativzinsphase führe ja de facto zu einer Geldentwertung bei Sparguthaben.

Durch das anhaltende niedrige Zinsniveau, welches voraussichtlich auch in den nächsten Jahren anhalte, müssten Sparkassen und Banken ihre herkömmlichen Geschäftsmodelle teilweise umstrukturieren, hieß es. Denn nur durch Zinseinnahmen könne man heute nicht mehr genügend Erträge erwirtschaften.

Insbesondere aufgrund der niedrigen Zinsen bei den klassischen Sparanlagen konnten die heimischen Sparkassen ihren Wertpapierumsatz um stattliche 12,2 Prozent (54,4 Millionen Euro) auf 500,9 Millionen Euro steigern. Der Bestand lag bei 695,5 Millionen Euro (plus 11,4 Millionen Euro bzw. 1,7 Prozent).

Ihr Kundengeschäftsvolumen steigerten die kommunalen Kreditinstitute im Kreis Soest auf 7,32 Milliarden Euro. Dies entspricht einem Plus von 260 Millionen Euro oder 3,4 Prozent.

Persönliche Beratung vor Ort und immer mehr Online-Service

Geändert hat sich das Kundenverhalten in den vergangenen Jahren: Viele Bürger kommen nur noch zur persönlichen Beratung in die stationären Sparkassen-Filialen. Transaktionen hingegen werden inzwischen von den Kunden immer häufiger auf digitalen Wegen erledigt.

„Die Smartphone-App ist unsere meistgenutzte Geschäftsstelle“, so der Soester Sparkassen-Chef Herbert Köhler. Der „Servicekontakt“ erfolge immer mehr online.

Es gibt „eine irrsinnige Geschwindigkeit der Digitalisierung“

 Ob durch das geänderte Kundenverhalten eine weitere Filial-Schließung oder Einschränkung der Öffnungszeiten der Geschäftsstellen betriebswirtschaftlich notwendig sei, könne man derzeit kaum prognostizieren, erklärte der Werler Sparkassen-Direktor Joachim Gerenkamp. Denn es gäbe „eine irrsinnige Geschwindigkeit der Digitalisierung“.

„Die Sparkassen im Kreis Soest nehmen die Herausforderungen einer schwierigen Zeit offensiv und mit großer Veränderungsbereitschaft an“, betonte der Werler Sparkassendirektor Joachim Gerenkamp.

Digitaler und demografischer Wandel wirken sich auf herkömmliche Geschäftsmodelle aus

Kundenverhalten und Kosten für stationäre Kontaktpunkte bestimmten, ob alle örtlichen Geschäftsstellen dauerhaft notwendig und sinnvoll seien. Vorstellen könne man sich für die Zukunft auch Personal-Sharing-Modelle, bei denen die kompetent geschulten Berater und Servicekräfte nur zu bestimmten Zeiten für die Kunden vor Ort seien.

Letztendlich stimmten die Kunden aber mit ihren Füßen über den Erhalt einzelner Filialen ab, indem sie diese gut und viel nutzten oder eben schlecht frequentierten, so Gerenkamp.

 „Digitale Angebote und der demografische Wandel haben ein verändertes Kundenverhalten zur Folge. Ausufernde staatliche Regulierungen zwingen die Sparkasse heute und auch in Zukunft zum Tritt auf die Kostenbremse. Auf der Einnahmeseite sorgen die anhaltenden Niedrigzinsen dafür, dass die Logik des Geschäftsmodells zuweilen auf dem Kopf steht“, waren sich die Vorstandsvorsitzenden der Sparkassen im Kreis Soest einig.

ANDREAS DUNKER für "wickede.ruhr HEIMAT ONLINE"

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Die Vorstandsvorsitzenden der Sparkassen im Kreis Soest zogen Bilanz für 2016 (von links): Jürgen Riepe (Lippstadt), Meinolf Schniedermeier (Geseke), Joachim Gerenkamp (Werl), Helmut Franzke (Erwitte-Anröchte) und Herbert Köhler (Soest) FOTO: ANDREAS DUNKER
Die Vorstandsvorsitzenden der Sparkassen im Kreis Soest zogen Bilanz für 2016 (von links): Jürgen Riepe (Lippstadt), Meinolf Schniedermeier (Geseke), Joachim Gerenkamp (Werl), Helmut Franzke (Erwitte-Anröchte) und Herbert Köhler (Soest) FOTO: ANDREAS DUNKER

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