Landschaftsbauwerk mit Aussichtsturm

Das Camp im Werler Stadtwald: Vom militärischen Sperrbezirk zum Naherholungsgebiet

08.10.2018

WERL. Die Natur erobert sich das ehemalige Militärgelände der alliierten Besatzungsmächte im Werler Stadtwald zurück. Wo während des „Kalten Krieges“ erst kanadische und später dann britische Streitkräfte östlich der Bundesstraße 63 stationiert waren, sollen zudem bereits im kommenden Monat die Bagger mit dem Abbruch des im Sommer 1994 aufgegebenen Kasernen-Komplexes beginnen, dessen Gebäude inzwischen verfallenen und teils akut einsturzgefährdet sind. Außerdem soll die dazugehörige Infrastruktur in weiten Bereichen zurückgebaut werden. Bis zum Jahre 2025 will man dort stattdessen ein großes Landschaftsbauwerk mit einem Aussichtsturm mit Blick auf Münsterland, Sauerland und Ruhrgebiet errichten. Außerdem sollen Brachflächen wieder aufgeforstet werden.

Rund 400 Bürger aus Werl und Wickede sowie der weiteren Umgebung nutzten am gestrigen Sonntag (7. Oktober 2018) bei sonnigem Herbstwetter deshalb die Gelegenheit zur Teilnahme an einer Informationsveranstaltung zu dem Großprojekt und einem geführten Gang durch das alte „Camp“.

Plünderer, Vandalen und Sprayer verschafften sich illegal Zutritt

Für viele der Besucher war es die erste Erkundung dieses Fleckens ihrer Heimat. Denn während der Zeit der Nutzung als Kaserne war das Gelände militärischer Sperrbezirk. Und auch danach blieben die Tore zu den zwei alten Kasernen aus Verkehrssicherungsgründen für die breite Bevölkerung geschlossen. – Allerdings zeigte sich bei den Rundgängen am heutigen Sonntag, dass sich Plünderer, Vandalen und Sprayer offensichtlich trotzdem in den letzten 24 Jahren immer wieder illegal Zugang ins „Camp“ verschafft haben. Denn ihre Spuren waren deutlich sichtbar.

Stadt will den Bürgern den Wald als Naherholungsgebiet „zurückgeben“

Der Werler Stadtplaner Ludger Pöpsel begrüßte die Besucher in einer der alten Hallen der ehemaligen Albuhera-Barracks und machte deutlich, dass die Stadt Werl den Bürgern den Wald als Naherholungsgebiet „zurückgeben“ wolle.

Zur Refinanzierung habe die Kommune die beiden großen Hammer Baufirmen „Bernhard Heckmann“ und „Hugo Schneider“ gewinnen können, die das Brachgelände als eine Art „Bodendeponie“ nutzen will.

Dafür müssten die Hammer Unternehmen im Gegenzug unendgeldlich den Abbruch der Immobilien, die Schredderung des unbelasteten mineralischen Materials und die Altlasten-Beseitigung übernehmen sowie das rund 30 Meter Landschaftsbauwerk aufschütten, welches auf der höchsten Plattform einen 35 Meter hohen Aussichtsturm erhalten solle, so Pöpsel.

Rodungsarbeiten für Baumaßnahme sollen noch in diesem Monat starten

Die Diplom-Ingenieure Björn Serowy (Heckmann) und Hans-Joachim Olschewski (Hugo Schneider) erläuterten anschließend den zeitlichen Ablaufplan und andere interessante Details.

So wolle die „ARGE Werler Wald“ möglichst noch mit den notwendigen Rodungsarbeiten für die Baumaßnahmen beginnen, wenn die Soester Kreisverwaltung die entsprechende Genehmigung erteilt habe. Danach wolle man im November 2018 mit dem Abbruch der Gebäude starten. Für das Frühjahr 2019 plane man dann den Beginn der Boden-Aufschüttung.

90.000 Lkw-Ladungen mit unbelastetem Boden zur Anschüttung des Hügels

Insgesamt rechne man mit zwei Millionen Tonnen Schüttgut, erklärte Björn Serowy dazu im Gespräch mit „wickede.ruhr HEIMAT ONLINE“. Dies entspräche etwa 90.000 Lkw-Ladungen, die zirka binnen fünf Jahren angeliefert und mittels Bagger und Planierraupe verteilt werden sollten.

Dabei wolle man darauf achten, dass die Bundesstraße möglichst wenig verdreckt werde.

Bei der Deckschicht aus angeliefertem Boden achte man zudem auf eine hohe Güte und verwende nur die Einbauklassen Z 0 und Z 1.1, betonte Björn Serowy.

Als Kern für das Landschaftsbauwerk solle das mineralische Material aus den Abbrucharbeiten der 65 vorhandenen Gebäude vor Ort dienen. Belastete Stoffe sollten allerdings nicht verbaut sondern fachgerecht entsorgt werden.

Die Hälfte der benötigten Erde könnten die beiden Hammer Firmen aus eigenen Bau-Projekten beisteuern. Der Rest käme von Dritten.

Durch ökologische Fachberater würden Tier- und Pflanzenwelt im Vorfeld analysiert, damit diese möglichst wenig Schaden nehmen würden. Die alten Baumbestände würden weitestgehend erhalten bleiben.

Veränderung in der Topografie der Stadt Werl: Neuer höchster Punkt

Insgesamt werde sich die Topografie der Stadt Werl durch das Landschaftsbauwerk verändern, da man im bisherigen „Camp“ einen neuen „höchsten Punkt“ schaffe, so Pöpsel. Die höchste Aussichtsplattform des Turms werde zirka 65 Meter über dem Niveau des alten Exerzierplatzes liegen.

Die Anschüttung solle sich auf eine Fläche von 510 mal 430 Metern erstrecken, so Serowy im Gespräch mit „wickede.ruhr HEIMAT ONLINE“.

Mit dem Turmbau rechne man in zirka fünf Jahren.

Neben Wald-Lehrpfad soll auch an Militär-Camp erinnert werden

Der 3,1 Kilometer lange Zaun um den ehemaligen militärischen Sperrbezirk werde auf Dauer verschwinden, die Brachflächen wieder aufgeforstet und der gesamte Wald wieder frei für jedermann zugänglich gemacht werden, betonte Hans-Joachim Olschewski. Neben einem Wald-Lehrpfad plane man auch einen Pfad zur historischen Erinnerung an die Jahrzehnte des Militär-Camps im Stadtwald.

Viel positive Resonanz für das Großprojekt

Insgesamt gab es zu dem vorgestellten Projekt viel positive Resonanz seitens der Besucher. Etliche Teilnehmer erklärten, dass der Gang durch das verlassene „Camp“ für sie interessant und spannend gewesen sei. Und mancher betonte, dass ihm das Militär-Gelände während der Fahrt über die Bundesstraße 63 „nie so groß vorgekommen“ sei. Denn das Gelände sei ja wirklich sehr weitläufig.

Bürger bedauerten teilweise den Abriss aller Gebäude

Mehrfach bedauert wurde von Bürgern, dass angeblich alle Gebäude – bis auf das „Waldlabor“ – zurückgebaut werden sollten. Es wäre doch wünschenswert, wenn beispielsweise eine der Kirchen oder das Kino und eine der Mannschaftsunterkünfte erhalten blieben und restauriert würde, um sie vielleicht als Gastronomie oder zu Dokumentationszwecken zu nutzen, hieß es.

ANDREAS DUNKER für „wickede.ruhr HEIMAT ONLINE“

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Rund 400 Gäste begrüßte der Werler Umweltbeauftragte Andreas Pradel am gestrigen Sonntag zu den Führungen durch den ansonsten gesperrten Bereich des Stadtwaldes. Darunter waren auch zahlreiche Wickeder Bürger. FOTO: ANDREAS DUNKER
Rund 400 Gäste begrüßte der Werler Umweltbeauftragte Andreas Pradel am gestrigen Sonntag zu den Führungen durch den ansonsten gesperrten Bereich des Stadtwaldes. Darunter waren auch zahlreiche Wickeder Bürger. FOTO: ANDREAS DUNKER
Die Teilnehmer wurden im Stundentakt in fünf Gruppen durch das ehemalige Militär-Camp im Werler Stadtwald geführt. FOTO: ANDREAS DUNKER
Die Teilnehmer wurden im Stundentakt in fünf Gruppen durch das ehemalige Militär-Camp im Werler Stadtwald geführt. FOTO: ANDREAS DUNKER
Werls Bürgermeister Michael Grossmann (CDU, 3. v. l.) zusammen mit seinem Stadtplaner Ludger Pöpsel sowie den Diplom-Ingenieuren Björn Serowy (Heckmann) und Hans-Joachim Olschewski (Hugo Schneider) von der Arbeitsgemeinschaft "Werler Wald" aus Hamm vor dem Modell des geplanten Aussichtsturmes FOTO: ANDREAS DUNKER
Werls Bürgermeister Michael Grossmann (CDU, 3. v. l.) zusammen mit seinem Stadtplaner Ludger Pöpsel sowie den Diplom-Ingenieuren Björn Serowy (Heckmann) und Hans-Joachim Olschewski (Hugo Schneider) von der Arbeitsgemeinschaft "Werler Wald" aus Hamm vor dem Modell des geplanten Aussichtsturmes FOTO: ANDREAS DUNKER
Die Aussichtsplattform des Turms auf dem geplanten Landschaftsbauwerk im Modell – die Konstruktion ähnelt der Form des bestehenden Lörmecke-Turms in Warstein FOTO: ANDREAS DUNKER
Die Aussichtsplattform des Turms auf dem geplanten Landschaftsbauwerk im Modell – die Konstruktion ähnelt der Form des bestehenden Lörmecke-Turms in Warstein FOTO: ANDREAS DUNKER
Unter fachkundiger Leitung des städtischen Umwelt-Beauftragten Andreas Pradel und des Stadtplaners Michael Scheibe ging es für fünf Gruppen mit jeweils 60 bis 80 Teilnehmern zwischen 11 und 16 Uhr im Stundentakt durch das frühere militärische Sperrgebiet. FOTO: ANDREAS DUNKER
Unter fachkundiger Leitung des städtischen Umwelt-Beauftragten Andreas Pradel und des Stadtplaners Michael Scheibe ging es für fünf Gruppen mit jeweils 60 bis 80 Teilnehmern zwischen 11 und 16 Uhr im Stundentakt durch das frühere militärische Sperrgebiet. FOTO: ANDREAS DUNKER
Nach den Windböen des Orkans „Friederike“ am 18. Januar 2018 türmen sich noch immer die Holzstapel am Wegesrand im Werler Stadtwald. Hinter diesem verbirgt sich eine der zwei Kirchen des ehemaligen Militär-Camps FOTO: BENEDIKT ERDMANN
Nach den Windböen des Orkans „Friederike“ am 18. Januar 2018 türmen sich noch immer die Holzstapel am Wegesrand im Werler Stadtwald. Hinter diesem verbirgt sich eine der zwei Kirchen des ehemaligen Militär-Camps FOTO: BENEDIKT ERDMANN
Der markante weiße Kirchturm der ehemaligen Kaserne im Werler Stadtwald vor blauem Herbst-Himmel FOTO: BENEDIKT ERDMANN
Der markante weiße Kirchturm der ehemaligen Kaserne im Werler Stadtwald vor blauem Herbst-Himmel FOTO: BENEDIKT ERDMANN
An fast allen Gebäuden im Camp wurden Graffiti-Sprayereien angebracht. Auch in der kleinen Kirche. FOTO: BENEDIKT ERDMANN
An fast allen Gebäuden im Camp wurden Graffiti-Sprayereien angebracht. Auch in der kleinen Kirche. FOTO: BENEDIKT ERDMANN
Historische Fotos aus besseren Zeiten der Garnisonskirche. Damals heirateten die Soldaten auch in dem Gotteshaus auf dem Kasernengelände, wie eine Schwarz-Weiß-Aufnahme zeigt. Das Brautpaar schreitet dabei zu den Klängen schottischer Dudelsack-Musik nach der Hochzeit unter einem Säbel-Spalier der Soldaten-Kameraden durch. FOTO: BENEDIKT ERDMANN
Historische Fotos aus besseren Zeiten der Garnisonskirche. Damals heirateten die Soldaten auch in dem Gotteshaus auf dem Kasernengelände, wie eine Schwarz-Weiß-Aufnahme zeigt. Das Brautpaar schreitet dabei zu den Klängen schottischer Dudelsack-Musik nach der Hochzeit unter einem Säbel-Spalier der Soldaten-Kameraden durch. FOTO: BENEDIKT ERDMANN
Blick ins Innere der verfallenen und einsturzgefährdeten Garnisonskirche im Camp FOTO: ANDREAS DUNKER
Blick ins Innere der verfallenen und einsturzgefährdeten Garnisonskirche im Camp FOTO: ANDREAS DUNKER
Werls Bürgermeister Michael Grossmann und Stadtplaner Michael Pöpsel FOTO: ANDREAS DUNKER
Werls Bürgermeister Michael Grossmann und Stadtplaner Michael Pöpsel FOTO: ANDREAS DUNKER
Das "GLOBE" hat seine ruhmreichen Zeiten hinter sich. Einst gab es dort Vorführungen für die Soldaten. FOTO: BENEDIKT ERDMANN
Das "GLOBE" hat seine ruhmreichen Zeiten hinter sich. Einst gab es dort Vorführungen für die Soldaten. FOTO: BENEDIKT ERDMANN
So gepflegt wie auf diesem historischen Luftbild sah die Kaserne im Werler Stadtwald früher mal aus.
So gepflegt wie auf diesem historischen Luftbild sah die Kaserne im Werler Stadtwald früher mal aus.
Fensterlos und vom Grün der jungen Bäume verdeckt: die alten Mannschaftsunterkünfte der Soldaten im Werler Stadtwald FOTO: BENEDIKT ERDMANN
Fensterlos und vom Grün der jungen Bäume verdeckt: die alten Mannschaftsunterkünfte der Soldaten im Werler Stadtwald FOTO: BENEDIKT ERDMANN
Die hölzernen Sprossenwände hängen noch in der ansonsten verfallenen Sporthalle FOTO: ANDREAS DUNKER
Die hölzernen Sprossenwände hängen noch in der ansonsten verfallenen Sporthalle FOTO: ANDREAS DUNKER
Was in diesem Raum früher wohl einmal war? Vielleicht die Zahlstelle? Oder wofür außer für die Aufbewahrung von Bargeld war der schwere Safe in diesem leeren Raum vielleicht gedacht? FOTO: BENEDIKT ERDMANN
Was in diesem Raum früher wohl einmal war? Vielleicht die Zahlstelle? Oder wofür außer für die Aufbewahrung von Bargeld war der schwere Safe in diesem leeren Raum vielleicht gedacht? FOTO: BENEDIKT ERDMANN
Und was war wohl in dieser Wellblech-Halle früher einmal? FOTO: BENEDIKT ERDMANN
Und was war wohl in dieser Wellblech-Halle früher einmal? FOTO: BENEDIKT ERDMANN
Und was war wohl in dieser Wellblech-Halle früher? FOTO: BENEDIKT ERDMANN
Der alte Paradeplatz soll von dem geplanten Landschaftsbauwerk überdeckt werden. – Nachdem das britische Militär die Kaserne 1994 aufgegeben hatte, fand auf diesem Platz im Jahre 1999 übrigens auch erstmals der "Jedermann-Slalom" des Wiehagener Motor-Sport-Clubs statt. FOTO: ANDREAS DUNKER
Der alte Paradeplatz soll von dem geplanten Landschaftsbauwerk überdeckt werden. – Nachdem das britische Militär die Kaserne 1994 aufgegeben hatte, fand auf diesem Platz im Jahre 1999 übrigens auch erstmals der "Jedermann-Slalom" des Wiehagener Motor-Sport-Clubs statt. FOTO: ANDREAS DUNKER

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