Wohnungseinbrüche in Wickede und Wimbern

Fragen an Kriminalhauptkommissar Holger Rehbock

18.12.2018

WICKEDE (RUHR). In den vergangen Wochen ist es in Wickede (Ruhr) wieder häufiger zu Wohnungseinbrüchen und damit verbundenen Diebstählen gekommen. Alleine von den vergangenen zwei Wochenenden meldete die Kreispolizeibehörde Soest insgesamt acht vollendete und versuchte Einbrüche aus dem Zentralort, die ihr angezeigt wurden.

Aus einer Versammlung des Vereins „Dorf Wimbern“ war jetzt zudem zu hören, dass die Mitglieder eine „WhatsApp-Gruppe gegen Einbrecher“ ins Leben gerufen haben, um schneller verdächtige Beobachtungen zwischen den Bürgern auszutauschen und sich gegenseitig vor möglichen kriminellen Aktivitäten im Dorf zu warnen.

Ortsvorsteher Edmund Schmidt (CDU) betonte im Gespräch mit dem lokalen Nachrichten-Portal „wickede.ruhr HEIMAT ONLINE“, dass es sich nicht um eine Art „Bürgerwehr“ sondern nur um eine Kommunikationsplattform handele. Denn ein Vereinsmitglied habe kürzlich unbefugte Fremde auf seinem Grundstück entdeckt, die bei seinem Erscheinen geflüchtet seien. Und andere Hausbesitzer aus Wimbern hätten verdächtige Fußspuren im Terrassenbereich entdeckt. Zudem sei wohl auch das Vorhängeschloss eines Gartenhäuschens aufgebrochen worden. Deshalb wollten einige Wimberner Bürger nunmehr gemeinsam verstärkt die Augen und Ohren offen halten, um sich selbst vor Einbrechern und Dieben zu schützen.

Unsere Redaktion führte ein Exklusiv-Interview mit Kriminalhauptkommissar Holger Rehbock, dem neuen Pressesprecher der Kreispolizeibehörde Soest, zu dem Thema:


wickede.ruhr HEIMAT ONLINE: Wie viele vollendete und versuchte Wohnungseinbrüche und entsprechende Diebstähle wurden der Polizei in diesem Jahr aus der Gemeinde Wickede (Ruhr) bislang schon angezeigt?

Holger Rehbock: Bis zum 4. Dezember 2018 wurden in Wickede insgesamt 15 Wohnungseinbrüche und entsprechende Versuche angezeigt. Für den Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es 26. Die Versuchsquote liegt kreisweit bei 43 Prozent.


wickede.ruhr HEIMAT ONLINE: Werden in der Statistik alle Fälle erfasst? Angeblich gab es über die Wimberner Vorfälle keine Verlautbarungen in den Meldungen der Kreispolizeibehörde Soest.

Holger Rehbock: In den Statistiken wird selbstverständlich jede Anzeige erfasst. Bei 17.000 Straftaten und knapp 9.000 Verkehrsunfällen kann aber nicht jeder Vorfall als Meldung veröffentlicht werden. – Aktuell verfasst die Pressestelle der Kreispolizeibehörde Soest durchschnittlich 2.000 Meldungen mit den relevantesten Geschehnissen.


wickede.ruhr HEIMAT ONLINE: Wie ist die Situation 2018 in der Ruhrgemeinde im Vergleich zu den Vorjahren?

Holger Rehbock: Bis zum Stichtag "4. Dezember" gab es in den Jahren 2018: 15, 2017: 26 und 2016: 17 angezeigte Wohnungseinbruchdiebstähle in Wickede (Ruhr). Kreisweit waren es für die jeweiligen Zeiträume 288, 355 und 500 Delikte, sprich: Es waren in diesem Jahr im Raum Soest mehr als 200 Fälle weniger!


wickede.ruhr HEIMAT ONLINE: Während früher zwei Bezirksbeamte regelmäßig Dienst in Wickede taten, ist seit einiger Zeit nur noch ein Polizist vor Ort. Wenn dieser urlaubs- oder krankheitsbedingt ausfällt, bleibt das Büro komplett verwaist. Nachts und an Wochenenden sowie an Feiertagen ist dies ebenso. Bis ein zu Hilfe gerufener Streifenwagen bei einem Notruf am Tatort ankommt, dauert es oft viel zu lange. Warum verstärkt die Kreispolizeibehörde ihre Präsenz in Wickede (Ruhr) nicht wieder? Würde dies nicht zu einem größeren Sicherheitsgefühl der Bevölkerung und zu weniger Kriminalität beitragen?

Holger Rehbock: Die personellen Stärken von Bezirksdiensten – wie dem in Wickede – sind landesweit einheitlich festgelegt. In Kommunen dieser Größe gibt es einen Bezirksdienstbeamten. Und ein Bezirksdienstbüro ist keine Wache. Nur diese sind dauernd besetzt.

In den Anfängen der Zentralen Unterbringungseinrichtung (ZUE) für Flüchtlinge in Wimbern gab es dort ein erhöhtes Einsatzaufkommen. Da es sich damals um eine der ersten großen Einrichtungen dieser Art im Lande handelte, wurde in Wickede vorübergehend ein zweiter Bezirksdienstbeamter eingesetzt.

Ansonsten wird Wickede – wie alle anderen Gemeinden im Kreis Soest auch – adäquat mit polizeilichem Personal ausgestattet.

Zurzeit gibt es keine Gründe mehr Personal in Wickede einzusetzen, da sich die Lage rund um die ZUE beruhigt hat.


wickede.ruhr HEIMAT ONLINE: Wie sollten sich Opfer beim Entdecken einer Straftat verhalten? Sollte nur ein vollendeter oder auch ein versuchter Einbruch angezeigt werden, wenn entsprechende Spuren entdeckt werden?

Holger Rehbock: Straftaten sollten immer angezeigt werden.


wickede.ruhr HEIMAT ONLINE: Wie hoch oder wie gering ist die Aufklärungsquote bei Wohnungseinbrüchen?

Holger Rehbock: Die Aufklärungsquote liegt im Kreis Soest zurzeit bei 28 Prozent.


wickede.ruhr HEIMAT ONLINE: Warum ist die Quote bei der Ergreifung dieser Straftäter so gering?

Holger Rehbock: Ermittlung von Tatverdächtigen und deren Ergreifung sind zwei vollkommen unterschiedliche paar Schuhe. Wenn ein Tatverdächtiger aufgrund von Spuren (zum Beispiel Finderabdrücken) ermittelt werden kann, so ist er noch lange nicht festgenommen.

Werden Tatverdächtige irgendwo in Deutschland oder Europa festgenommen, so müssen sie erst einmal rechtskräftig verurteilt werden. Erst dann sind es Straftäter. – Aussagen über diese können von hier aus kaum gemacht werden. Diese Frage kann nur die Justiz beantworten.

Im landesweiten Vergleich zählt die Aufklärungsquote beim Wohnungseinbruch im Kreis Soest zurzeit zu den Höchsten.


wickede.ruhr HEIMAT ONLINE: Nach dem massiven Anstieg der Wohnungseinbrüche in den Jahren 2015 und 2016 gründete die Kreispolizeibehörde Soest eigens eine kleine Ermittlungskommission mit dem Namen „Muräne“. Dafür wurden Beamte aus anderen Bereichen abgezogen. Von Aufklärungserfolgen dieser Gruppe hat die Öffentlichkeit in jüngster Zeit allerdings keine Kenntnis mehr bekommen, lediglich vor geraumer Zeit von einem Wechsel in der Leitung. Gibt es die Gruppe überhaupt noch? Und: Was macht sie?

Holger Rehbock: Die Ermittlungskommission besteht immer noch. Die Personalstärke wird immer von der Zahl der Wohnungseinbrüche abhängig gemacht. Zuzeit umfasst die Gruppe fünf Polizeibeamte.

Die Erfolge der Kollegen sind nicht von der Hand zu weisen – die zuvor genannten statistischen Zahlen zu den kreisweit zurück gegangenen Wohnungseinbruchsdiebstählen belegen dies!


wickede.ruhr HEIMAT ONLINE: Woher kommen die Täter? Handelt es sich bei Einbrüchen in Wohnhäuser eher um Jugendkriminalität, Beschaffungskriminalität von Drogenabhängigen, um einheimische Einzeltäter oder organisierte Banden von außerhalb? Wer sind die Verdächtigen, die die Polizei besonders im Fokus hat und bislang als Straftäter ermitteln konnte?

Holger Rehbock: Meist – nicht immer – stammen die Tatverdächtigen nicht aus dem Kreis Soest.

Bei Kontrollaktionen stehen Personen, die bei der Polizei bereits wegen Eigentumsdelikten bekannt sind, besonders im Fokus.


wickede.ruhr HEIMAT ONLINE: Wie können sich Wohnungseigentümer am Besten gegen Einbruchsdiebstähle schützen? Welche Präventionsmaßnahmen empfehlen Sie?

Holger Rehbock: Interessierte Bürger finden auf unserer Internetseite unter https://soest.polizei.nrw/riegel-vor nützliche Hinweise zur mechanischen Sicherung ihres Eigenheims und ihrer Wohnung sowie Tipps zum richtigen Verhalten, wenn man die eigenen vier Wände unbeaufsichtigt lasse.


wickede.ruhr HEIMAT ONLINE: Und was halten Sie von der in Wimbern neu gegründeten WhatsApp-Gruppe?

Holger Rehbock: Da mir die Inhalte dieser Gruppe nicht bekannt sind, kann ich vom „Hörensagen“ keine Einschätzung vornehmen.


wickede.ruhr HEIMAT ONLINE: Danke für das informative Gespräch, Herr Rehbock.


Die Fragen für "wickede.ruhr HEIMAT ONLINE" stellte ANDREAS DUNKER.

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Kriminalhauptkommissar Holger Rehbock, Pressesprecher der Kreispolizeibehörde Soest FOTO: POLIZEI
Kriminalhauptkommissar Holger Rehbock, Pressesprecher der Kreispolizeibehörde Soest FOTO: POLIZEI

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