Dortmunder Unternehmer kauft denkmalgeschütztes Ensemble in Schlückingen

Gut Schafhausen: Neuer Eigentümer

11.01.2019

SCHLÜCKINGEN. Das „Gut Schafhausen“ hat einen neuen Eigentümer. Das unter Denkmalschutz stehende historische Anwesen im Ortsteil Schlückingen wurde bereits am 17. Juli 2018 von der Unternehmerfamilie Jaeger aus Dortmund privat erworben. Der offizielle Grundbucheintrag auf Johann Jaeger (42) erfolgte am 30. Oktober 2018. Damit scheint der Erhalt des ortsgeschichtlich bedeutsamen Objektes für die nächsten Jahre gesichert zu sein.

Nachdem sich die Familie Jaeger bereits vor einiger Zeit ihren Nachbarn und Schlückingens Ortsvorsteher Willi Eickhoff bei einem kleinen Empfang vorgestellt hatte, hat Bürgermeister Dr. Martin Michalzik die künftigen Neubürger zum Neujahrsempfang der Gemeinde am heutigen Freitagabend (11. Januar 2019) ins Bürgerhaus nach Wickede eingeladen. Und Daniela Jaeger – als künftige Hausherrin auf Gut Schafhausen – hat ihre Teilnahme auch zugesagt.

Glocke der Gutskapelle hängt im Bürgerhaus

Interessant dabei: Im Foyer des kommunalen Veranstaltungszentrums hängt die alte Glocke aus dem Dachreiter der Hauskapelle des alten Rittergutes auf der Haar, die allerdings nach dem Bau der St.-Josef-Kapelle im Dorf Schlückingen nicht mehr zu liturgischen Zwecken genutzt und schließlich zu Wohnraum umgewidmet wurde.

Die beiden Schwestern Jutta Margarita McKenna und Christiane Trotter (beide geb. Aurich), denen das Gut Schafhausen als Erbengemeinschaft bis Mitte des vergangenen Jahres gehörte, hatten sich zum Verkauf des Familienbesitzes entschieden, nachdem feststand, dass ihre Kinder ihren Lebensmittelpunkt außerhalb der Gemeinde Wickede (Ruhr) gefunden hatten.

Von 1933 bis 2018 im Besitz der Familie Senge und Nachkommen

Der historische Gebäudekomplex und die dazugehörigen Ländereien waren im Jahre 1933 von ihrem Großvater Dr. Josef Senge von der Siedlungsgesellschaft „Rote Erde“ erworben worden, die den vormals riesigen Gesamtbesitz in landwirtschaftliche Siedlungsstellen aufteilte. Danach hatte ihre Mutter Rita Aurich (geb. Senge) den Besitz geerbt. Nach dem Tode der Mutter traten die Schwestern Jutta McKenna und Christiane Trotter (beide geb. Aurich) die gemeinsame Erbfolge an und kümmerten sich um den Erhalt und die Pflege des Besitzes.

Wichtig ist ihnen bis heute, dass die Dächer dicht sind und keine Feuchtigkeit in das historische Gemäuer eindringt. – Denn beide Damen sind hier als Kinder aufgewachsen und haben den größten Teil ihres Lebens „auf Schafhausen“ verbracht. Sie lieben den Charme des alten Anwesens fernab der dichten Besiedlung.

Gutshof wird nicht mehr landwirtschaftlich genutzt

Im Gespräch mit „wickede.ruhr HEIMAT ONLINE“ berichteten sie, dass der Gutshof bereits seit 1972 nicht mehr landwirtschaftlich genutzt würde und einige Teilflächen des dazugehörigen Land- und Waldbesitzes bereits damals verkauft worden seien.

Heute gebe es am Schafhausener Weg 22, 24, 26, 28 und 28a insgesamt acht Wohneinheiten. In zwei davon würden sie selbst derzeit noch leben. Die übrigen Wohnungen seien vermietet.

Wohnungsbrand im Jahre 2000

Am 25. Oktober 2000 hätten die Bewohner bei einem Brand großes Glück gehabt, dass niemand an Leib und Leben zu Schaden gekommen sei, nachdem in der Nacht durch einen technischen Defekt in einem Sicherungskasten gegen 0.30 Uhr ein Feuer in einem bewohnten Wirtschaftsflügel ausgebrochen sei. Peter McKenna habe den Brand sofort bemerkt, die schlafenden Bewohner rechtzeitig aus dem Gebäude evakuiert und die Feuerwehr alarmiert. Durch deren schnellen Einsatz sei schließlich nur eine Wohnung inklusive des darin befindlichen Hab und Guts total ausgebrannt. Ein Übergreifen der Flammen auf weitere Gebäudeteile hätte dadurch verhindert werden können. Allerdings habe es in den angrenzenden Räumlichkeiten auch erhebliche Schäden durch das Löschwasser gegeben.

Ganzes historisches Ensemble steht unter Denkmalschutz

Das ehemalige „Rittergut Schaphusen“ wurde übrigens erstmals 1225 urkundlich erwähnt. Seit dem 6. August 1986 steht das ganze Ensemble unter Denkmalschutz. Dazu zählen das Herrenhaus, ein zweigeschossiges und sechsachsiges verputztes Fachwerkgebäude aus dem Jahre 1743, welches auf noch älteren Fundamentteilen erbaut wurde, sowie die im rechten Winkel angebaute Kapelle, die heute als Wohnraum dient.

Zum Park hin gibt es zudem einen Veranderanbau, der um 1920 angebaut wurde, und darüber ein Dach mit kleinem spätklassizistischem verbrettertem Giebel mit Rundbogenöffnungen.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde die Anlage durch einen vorgelagerten dreiseitigen Wirtschaftshof geschlossen, der heute teilweise in Wohnnutzung überführt ist und als Garagenhof dient.

Am östlichen Hofende befindet sich außerdem ein ehemaliges Tagelöhnerhaus des späten 19. Jahrhunderts, ein zweigeschossiges Gebäude aus verputztem Bruchstein und Backstein mit Krüppelwalm und einem die Traufe durchstoßendem Mittelgiebel.

Seitlich und hinter dem Herrenhaus befindet sich des weiteren eine kleine landschaftsmäßig gestaltete Parkanlage mit eindrucksvollem alten Baumbestand, der ebenfalls unter Schutz steht.

Seitens der Denkmalschutz-Behörde heißt es: „Als ehemaliger Rittersitz ist die Gutsanlage ein bedeutendes historisches Zeugnis im Raum Wickede. Herrenhaus mit Kapelle und Park verdeutlichen den vormals feudalen Anspruch. Die jüngere Wirtschaftsbebauung bildet den architektonischen Rahmen und lässt klar den Gutscharakter des Anwesens in seiner Entwicklung des vorigen Jahrhunderts erkennen.“

Privatbesitz ist nicht öffentlich zugänglich

Da sich das Gut Schafhausen in Privatbesitz befindet, ist es normal öffentlich nicht zugänglich. Unter anderem beim sogenannten „Schnadegang“, der Grenzbegehung der Gemeinde Wickede (Ruhr), diente der Hof aber immer mal wieder als Raststation für die Wanderer. So zuletzt am 19. September 2012. Und auch eine Lesung des Krimi-Festivals „Mord am Hellweg“ fand in den alten Gemäuern des ehemaligen Rittersitzes statt.

Ansonsten legen die alten und neuen Besitzer des Gutes Schafhausen aber Wert auf ihre Privatsphäre und betonen, dass die Anlage nicht unangemeldet für Besichtigungen zur Verfügung steht.

Die Gemeinde Wickede (Ruhr) ist jedenfalls froh, dass sich für das architektonische Schmuckstück auf der Haar wieder Liebhaber gefunden haben, die in die historische Substanz investieren und sie für die Nachwelt erhalten wollen. Auch dabei geht es weiterhin vornehmlich um eine private Wohnnutzung.

ANDREAS DUNKER für „wickede.ruhr HEIMAT ONLINE“  

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Einfahrt zum Gut Schafhausen in Schlückingen FOTO: ANDREAS DUNKER
Einfahrt zum Gut Schafhausen in Schlückingen FOTO: ANDREAS DUNKER
Die beiden Schwestern (von links): Christiane Trotter und Jutta Margarita McKenna haben Gut Schafhausen verkauft. FOTO: ANDREAS DUNKER
Die beiden Schwestern (von links): Christiane Trotter und Jutta Margarita McKenna haben Gut Schafhausen verkauft. FOTO: ANDREAS DUNKER
Das Portal des Herrenhauses mit der internationalen Denkmalplakette FOTO: ANDREAS DUNKER
Das Portal des Herrenhauses mit der internationalen Denkmalplakette FOTO: ANDREAS DUNKER
Die markanten rot-weißen Fensterläden des Herrenhauses und die nordrhein-westfälische Denkmalplakette am Herrenhaus FOTO: ANDREAS DUNKER
Die markanten rot-weißen Fensterläden des Herrenhauses und die nordrhein-westfälische Denkmalplakette am Herrenhaus FOTO: ANDREAS DUNKER
Das Tagelöhnerhaus mit dem Walmdach FOTO: ANDREAS DUNKER
Das Tagelöhnerhaus mit dem Walmdach FOTO: ANDREAS DUNKER

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