Meinung

Das leise Sirenen-Heulen ist zum Heulen …

07.03.2019

WICKEDE (RUHR). Wer in unserem Haus an der Blumenstraße in Wickede ganz leise war und lauschte, konnte ihn am heutigen Donnerstag (6. März 2019) um 10 Uhr eventuell zufällig ganz sanft im Hintergrund hören: den Sirenen-Probealarm in der Gemeinde Wickede (Ruhr). Erahnen dass es sich bei dem kaum vernehmbaren Summen um einen Sirenen-Alarm handelte, konnte hier aber wohl nur derjenige, der durch die Medien informiert war und mit gespitzten Ohren auf die landesweiten Test-Töne wartete. – Aus anderen Bereichen der Kommune berichteten Bürger auf Nachfrage unseres lokalen Nachrichten-Portals „wickede.ruhr HEIMAT ONLINE“ andererseits, dass sie die Sirenen laut und deutlich gehört hätten. – Festzuhalten bleibt aber: Das gesamte Gemeindegebiet beschallt das neue Warnsystem nicht genügend.

Ein Alarm – wie ihn ältere Mitbürger beispielsweise noch von den alten Pilzkopf-Sirenen früherer Zeiten oder jüngere Leute von „Buzzern“ aus Fernseh-Sendungen kennen – war das nicht. Ein richtiger Warnton klingt anders – und ist vor allem unüberhörbar.

Das leise Summen der heutigen elektronischen Sirenen in Wickede – so wie wir es am Standort unserer Redaktion in der Blumenstraße wahrgenommen haben – wiegt die Bürger eher in den Schlaf, als dass es sie im Gefahrenfall des Nachts aus selbigem reißen würde.

Funktionierendes Warnsystem ist wichtig

Da möchte man auch nach dem Ende der Karnevalssession noch einmal spontan anstimmen: „Mama Laudaaa!“ oder „Steh auf, mach laut, mach richtig Lärm …“ – Denn in der Realität ist es ausnahmsweise genau so wie im Text des Karnevalsliedes: „Wir lieben das Leben und grade deswegen …“ sollten Sirenen die Bürger im Notfall unüberhörbar aufschrecken und auf eine Gefahrenlage aufmerksam machen.

Wie wichtig ein solches Warnsystem ist, zeigt gerade für Wickede ein Blick in die Ortsgeschichte: Hätte es bei der Möhnekatastrophe in der Nacht vom 16. auf den 17. Mai 1943 eine rechtzeitige Warnung der Bevölkerung im Ruhrtal gegeben, wären vermutlich nicht 117 Bürger in der todbringenden Wasserflut ertrunken. Deshalb sollte es gerade in der Ruhrgemeinde eine besondere Sensibilität dafür geben, wie wichtig ein funktionierendes örtliches Warnsystem im Notfall sein kann.

Bereits seit drei Jahren: Notstand bei der Notfall-Warnung

Doch seit drei Jahren schafft es die von der Gemeinde Wickede (Ruhr) beauftragte vermeintliche „Fachfirma“ nicht die zigtausend Euro teuren Sirenen-Installationen so zu konfigurieren, dass sie wirklich den sogenannten „Weckeffekt“ erfüllen. Denn der laute Heulton der Sirenen soll die Bürger im Gefahrenfall ja sowohl tagsüber als auch nachts immer erreichen und gegebenenfalls im Schlaf aufwecken, damit sie sich bei einer Gefahrenlage über aktuelle Medien zu richtigen Verhaltensweisen informieren können.

Sechs vorhandene Sirenen genügen nicht

In den Jahren 2016 und 2017 hat die Kommune insgesamt sechs Lautsprecher-Sirenen errichten lassen: auf einem Gebäude der Firma „WHW Hillebrand“ im Industriegebiet Westerhaar, auf der Sekundarschule im Hövel, auf der Sportanlage „Im Ohl“, auf dem Max-und-Moritz-Kindergarten in Echthausen, auf dem Regenbogen-Kindergarten in Wiehagen und auf dem Feuerwehr-Gerätehaus in Wimbern.

Da die Gemeindeverwaltung aber offenbar  selbst die Defizite bei der Bevölkerungswarnung erkannt hat, sollen noch zwei zusätzliche elektronische Sirenen mit Lautsprechern auf den Dächern der Engelhard-Grundschule und des Feuerwehr-Gerätehauses in Wickede errichtet werden, wie Gemeindebrandinspektor Georg Ptacek im Gespräch mit unserem lokalen Nachrichten-Portal „wickede.ruhr HEIMAT ONLINE“ am heutigen Donnerstag erklärte.

Bürgermeister beurteile Probe-Alarm als „positiv“

Merkwürdig mutet es da schon an, dass Bürgermeister Dr. Martin Michalzik (CDU) mit dem Ergebnis des Probealarms „zufrieden“ war und diesen gegenüber Medienvertretern als „positiv“ bewertete.

Unser Fazit ist da ganz anders: Der Heulton der teuren Sirenen war „viiiel“ zu leise und im sprichwörtlichen Sinne eher „zum Heulen“. Aber dieser Eindruck mag subjektiv sein, da wir nur die schlechte Wahrnehmung des Warntons an unserem eigenen Standort beurteilen können.

Geforderter „Weckeffekt“ wird längst nicht überall in der Gemeinde erreicht

Fakt ist allerdings: Der von einem Sirenen-Warnsystem geforderte „Weckeffekt“ würde im Notfall in etlichen Haushalten in Wickede mit den vorhandenen Sirenen wohl nicht erreicht. Und das ist schlecht! – Da nutzt auch keine Schönrederei des Bürgermeisters vor einer Fernsehkamera. Denn der Rathaus-Chef gab heute im Interview mit dem Westdeutschen Rundfunk (WDR) ein kurzes Statement zu dem Thema.

Nach mehr als dreijähriger Planungs- und Testzeit sollte die Kommune doch endlich mal ein funktionierendes Warnsystem hinbekommen. Dies hat sie bislang leider nicht.

ANDREAS DUNKER für „wickede.ruhr HEIMAT ONLINE“

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Sirene auf dem Feuerwehr-Gerätehaus in Wimbern ARCHIVFOTO: ANDREAS DUNKER
Sirene auf dem Feuerwehr-Gerätehaus in Wimbern ARCHIVFOTO: ANDREAS DUNKER

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