Die Historie der Eisengiesserei Rödinghausen

Neues Buch zur Industriegeschichte

23.07.2019

WICKEDE / MENDEN-LENDRINGSEN. „Eisenwerk Rödinghausen Lendringsen – eine Industriegeschichte“ lautet der Titel eines rund 200-seitigen Werkes von Alfons Paul (78) aus Menden-Hüingsen. Der frühere „betriebswirtschaftliche Leiter“ des Unternehmens, welches zwischen 1913 und 1989 auch ein großes Zweigwerk in Wickede an der Ruhr betrieb, hat die Historie der ehemaligen Eisengießerei neu aufgearbeitet und mit vielen Bildern illustriert.

Herausgegeben wurde das Buch in einer Auflage von 500 Stück bereits Ende Juni diesen Jahres anlässlich der Eröffnung des Industriemuseums der Stadt Menden im Gebäudekomplex des Gutes Rödinghausen.

In Wickede ist der farbig gedruckte Band im DIN-A-4-Format beim Zeitschriftenhandel Neuhaus am Marktplatz zum Preis von 9,50 Euro erhältlich.


Die Eisengiesserei Rödinghausen in Menden-Lendringsen wurde bereits im Jahre 1890 von Daniel Luyken und weiteren Kommanditisten gegründet. Ein Wappen mit der Inschrift „GLÜCK AUF, 1. August 1890, E. R. [Eisengiesserei Rödinghausen]“ war das erste Werkstück des neuen Betriebs.

Zusammen mit seinem Schwiegersohn Karl Becker baute Luyken das Unternehmen dann weiter aus.

1913 übernahm die Fabrikantenfamilie aus Lendringsen als Zweigwerk auch eine alte Gießerei im Ostenfeld der Gemeinde Wickede. Am 6. Juni 1914 wurde die erste Schmelzung aus dem Kupolofen in der Ruhrgemeinde gewonnen.

Nach Jahrzehnten erfolgreicher wirtschaftlicher Tätigkeit erfolgte am 31. März 1989 mit dem letzten Produktionstag dann aber das Ende des Betriebes in Wickede.

Grund dafür waren staatliche Umweltauflagen, die die Produktionsstätte in Wickede nicht erfüllte. Unter anderem ging es dabei um Staubemission aus dem nur 18 Meter hohen Fabrikschornstein. Neue Investitionen in den Standort wollte das Unternehmen nicht tätigen. Deshalb wurde das Wickeder Zweigwerk geschlossen.

Zuletzt waren im Wickeder Werk noch mehr als 100 Mitarbeiter tätig. Mitte der 1980er Jahre sollen es – laut Auskunft der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Arnsberg –  sogar noch zirka 200 Beschäftigte gewesen sein.

Im Jahre 1995 meldete das Traditionsunternehmen „Eisenwerk Rödinghausen GmbH & Co. KG“ mit der persönlich haftenden Gesellschafterin „ERL Verwaltungs GmbH“ an der Neuwerkstraße 30 in Menden-Lendringsen dann Insolvenz an. Das Konkursverfahren zog sich bis zur Löschung des Unternehmens aus dem Handelsregister bis ins Jahr 2003 hin.

Nach einer Altlastenuntersuchung hatte der Grundstücksfonds des Landes Nordrhein-Westfalen das Wickeder Betriebsgelände erworben, um hier Platz für das Gewerbegebiet „Im Ostenfeld“ zu schaffen, wo heute neue Betriebe produzieren.

In manchem Wickeder Haushalt dürfte es allerdings noch ein Relikt aus der Zeit der alten Eisengießerei Rödinghausen geben. Denn diese stellte unter anderem gusseiserne Christbaum-Ständer her. Zu erkennen an dem Markenzeichen „ERL“.

Einen interessanten Beitrag dazu hat auch der Wickeder Journalist Torsten Haarmann mit Hilfe von Unterlagen aus dem Recherchearchiv seines verstorbenen Vaters (Gemeindedirektor Franz Haarmann) im Jahre 2009 verfasst. Der Beitrag ist frei als PDF im Internet verfügbar (Link: siehe unten).


Neben dem aktuellen Buch gibt es übrigens zwei weitere zuvor herausgegebene Veröffentlichungen über die Firmengeschichte der Eisengießerei Rödinghausen:

Hubert Strauf / Alfred Weiss: Die 50jährige Geschichte der Eisengiesserei Rödinghausen bei Menden in Westfalen. Eine alte Industrie erblüht neu auf historischem Boden. [Deckeltitel abweichend: „An einem Fluß - aus einem Guß“]. [Hagen: Druck/Verlag: Ruhfus, 1940.] Illustrierte und blindgeprägte Original-Broschur. 58 Seiten im Groß-Oktav-Format. (Nur noch in Antiquariaten oder in Bibliotheken erhältlich.)

Franz Haarmann (†) und Torsten Haarmann: Kleine Geschichte der Eisengießerei in Wickede (Ruhr). in: Volksbank Wickede (Ruhr): Jahresbericht 2009, S. 5 ff. (Hier als PDF zum Download im Internet kostenlos erhältlich: https://www.yumpu.com/de/document/read/5395221/jahresbericht-2009-volksbank-wickede-ruhr-eg/7)


ANDREAS DUNKER für „wickede.ruhr HEIMAT ONLINE“

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Historischer Briefbogen der Eisengiesserei Rödinghausen in Menden QUELLE: ARCHIV DES VEREINS FÜR GESCHICHTE UND HEIMATPFLEGE DER GEMEINDE WICKEDE (RUHR)
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