Kommentar: Katastrophale Kommunikation bei Katastrophenschutz-Übung

Ehrenamtliche Helfer wirkten selbst teils hilflos

09.09.2019

WICKEDE (RUHR) / ERZDIÖZESE PADERBORN. Zum Glück war es nur eine Übung. Denn im Ernsthall hätte die Kommunikationspanne vielleicht sogar Menschenleben kosten können. – Bei der großen Katastrophenschutz-Übung des Malteser-Hilfsdienst (MHD) der Erzdiözese Paderborn am Samstag (7. September 2019) in Wickede zeigten die Einsatzleiter des ehrenamtlichen Betreuungsverbandes leider eines nicht: kompetente Führung.

 

Und dabei waren die Fehler im System so offensichtlich: Eine MHD-Gruppe aus Werl sollte eine Anlaufstelle für in Not geratene Menschen am „Bürgerhaus, Hauptstraße 81“ einrichten. Nur diese Adresse war falsch. Denn das Bürgerhaus liegt an der Kirchstraße 4 und das Rathaus an der Hauptstraße 81.

Dass sich dieser Irrtum trotz regen Funkverkehrs zwischen dem Teamleiter vor Ort und der Einsatzleitstelle an der Sekundarschule im Hövel auch nach einer Stunde scheinbar immer noch nicht aufklären ließ, war hochnotpeinlich und in einer realen Katastrophen-Situation unverzeihlich.

Die Verantwortlichen entschuldigten diese Panne mit fehlenden Ortskenntnissen. Dabei hatte der Verband mit Dennis Kampmann sogar einen überaus ortskundigen Wickeder mit dabei. Nur war dieser offenbar angesichts der strikten Befehlshierarchie machtlos.

Chaos ohne richtige Führung

Generell erschien das Gebaren der Laientruppe chaotisch und eher dem Motto „Keine Eile! Wir sind hier im Katastrophen-Einsatz und nicht auf der Flucht!“ zu folgen.

Zwar gab es viele Uniformträger mit der Bezeichnung „…führer“ oder „…leiter“ auf dem Rücken. Eine klare Führung oder richtige Leitung vermisste der aufmerksame und kritische Beobachter jedoch allzu häufig.

Keine vernünftige Verkehrsführung

Dies zeigte sich nicht nur daran, dass die Kolonne – laut Beobachtung von Wickeder Bürgern – längere Zeit unnötig eine Straße blockierte, sondern auch an der fehlenden Absicherung und Verkehrslenkung an den Einsatzstellen in der Ortsmitte.

Dort profitierten die Malteser-Einsatzkräfte lediglich von der Schrittgeschwindigkeit, die in der verkehrsberuhigten Zone ohnehin nur erlaubt ist, und von der Rücksichtnahme der Autofahrer.

Gefährliche Fahrmanöver

Auch eine dunkel gekleidete Einweiserin für einen rückwärts vom Parkplatz der Sekundarschule auf die Hövelstraße fahrenden Lastkraftwagen erwies sich im Schatten des Erbke-Waldes als sehr unvernünftig. Denn ohne Warnweste war die Person nach der Kurve im Waldstück für schnell herannahende Pkw kaum beziehungsweise viel zu spät zu erkennen.

Zudem waren die Rettungswagen alle entgegen der Ausfahrtrichtung geparkt und mussten auf dem engen Platz bei Abruf erst einmal rangieren. Bei einem Unfall wäre die Ein- und Ausfahrt als Nadelöhr schnell versperrt gewesen. – Mit etwas Logik hätte man die Stellplätze wohl anders gewählt.

Respektloses Verhalten von Gästen einer muslimischen Hochzeitsfeier

Insgesamt wirkte das Vorgehen der Malteser sehr unkoordiniert und teilweise schienen die Helfer sogar hilflos. 

So kümmerten sich rücksichtslose Gäste einer großen muslimischen Hochzeitsfeier nicht um Absperrungen und rannten einfach quer durch die Einsatzstelle am Bürgerhaus.

Im Ernstfall hätte man sich da wohl eine entsprechende Ansprache der respektlosen Passanten durch die Rettungskräfte gewünscht. Auch dieses hätten die ehrenamtlichen Helfer in der Situation gut üben können, da ein solches Verhalten bekanntlich auch bei realen Einsätzen immer häufiger zum Problem wird.

Mehr Professionalität auch bei ehrenamtlichen Laien wünschenswert

Deshalb bleibt die traurige Bilanz: Der Übungseinsatz der engagierten Laien wirkte leider auch sehr laienhaft. Und im tatsächlichen Katastrophen-Fall würden sich Betroffene in Not sicherlich wesentlich professioneller agierende Rettungs- und Betreuungskräfte wünschen.

Freiwillige Feuerwehr wirkt bei Einsätzen und Übungen viel koordinierter

Von der Freiwilligen Feuerwehr der Gemeinde Wickede (Ruhr) kennt man vor Ort jedenfalls ein wesentlich koordinierteres Arbeiten auch von ehrenamtlichen Helfern und deren Führung bei Übungen und im Ernstfall.

Da könnte sich der Malteser-Hilfsdienst noch einiges abgucken.

ANDREAS DUNKER für „wickede.ruhr HEIMAT ONLINE“

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Einsatzfahrzeuge des Malteser-Hilfsdienstes an der Sekundarschule im Hövel: Die Fahrzeuge mussten erst rangieren, um den Parkplatz im Notfall schnell zu verlassen. FOTO: ANDREAS DUNKER
Einsatzfahrzeuge des Malteser-Hilfsdienstes an der Sekundarschule im Hövel: Die Fahrzeuge mussten erst rangieren, um den Parkplatz im Notfall schnell zu verlassen. FOTO: ANDREAS DUNKER

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