Baden in der Ruhr: Erlaubt oder verboten?

25. Juni 2019

WICKEDE (RUHR). Gerade in heißen Sommern nutzen viele Bürger das Flusstal der Ruhr als Naherholungsgebiet. – Pressesprecherin Britta Balt vom zuständigen „Ruhrverband“ in Essen wies im Gespräch mit unserem lokalen Nachrichten-Portal „wickede.ruhr HEIMAT ONLINE“ am heutigen Montag (24. Juni 2019) jedoch darauf hin: „Die Ruhr ist kein zugelassenes Badegewässer!“ Mit Ausnahme des Strandbades „Seaside Beach“ am Baldeneysee in Essen sei das Baden in dem Fließgewässer daher aus ihrer Sicht nicht empfehlenswert.

Dafür gebe es mehrere Gründe, betonte Balt: So werde nur die Badestelle am Essener Baldeneysee regelmäßig vom  Gesundheitsamt überwacht. Über den hygienischen Zustand des übrigen Fließgewässers gebe es bezüglich der gefahrlosen Eignung zum Baden hingegen keine kontinuierlichen Erkenntnisse.

Je nach Gewässerabschnitt könne es ganz unterschiedliche Einflüsse auf die Wasserqualität geben. Angefangen von Kot und Urin von Wildtieren wie Wasservögeln über Verunreinigungen bei Starkregen unterhalb von Kläranlagen-Überläufen bis hin zu Ausschwemmungen von Dünger und Schädlingsbekämpfungsmitteln aus den landwirtschaftlich bewirtschafteten Flächen in Ufernähe gebe es wechselnde Faktoren, die sich nach ihrem temporären Eintrag ins Flusswasser eventuell negativ auf die menschliche Gesundheit auswirken könnten, so die Sprecherin des „Ruhrverbandes“ in Essen.

Statt des Badens in natürlichen Oberflächengewässern wie Bächen, Flüssen und Seen ohne offizielle Badestellen empfahl Balt daher den Besuch eines Freibades oder eines Strandbades mit ständig überwachter hygienischer Wasserqualität und geschultem Aufsichtspersonal.

In Fließgewässern wie der Ruhr würden zudem partiell gefährliche und für Laien nicht sichtbare Unterströmungen und Strudel im Wasser herrschen, sagte Balt. Für übermütige Schwimmer könnten diese schnell zu einer lebensbedrohlichen Gefahr werden.

Betreten von Stauwehr-Anlagen verboten

Dies gelte insbesondere auch für Flussbereiche ober- und unterhalb von Stauwehr-Anlagen in der Ruhr, erklärte Bernd Heitmann als Geschäftsführer der Stadtwerke Fröndenberg dazu ergänzend gegenüber „wickede.ruhr HEIMAT ONLINE“.

Die Wehranlage der Stadtwerke Fröndenberg in unmittelbarer Nachbarschaft zum Wickeder Freibad würde beispielsweise ferngesteuert. Beim Hochziehen der Wehrtafeln würden diese mit hohem Druck durch das Flusswasser unterströmt. Für Schwimmer ober- oder unterhalb des Wehres könne dies gegebenenfalls lebensgefährlich sein. Deshalb sei das Baden in der Ruhr hier ausdrücklich durch entsprechende Warnschilder verboten, so Heitmann. Und das widerrechtliche Betreten der umzäunten Stauwehranlagen der Stadtwerke Fröndenberg oder anderer Betreiber sei natürlich generell nicht gestattet, da es sich nicht um öffentliches Gelände handele.

Das Bauwerk mit den vier Türmen sei als Plattform zum Sprung ins kalte Wasser zudem viel zu riskant, betonte Heitmann. Er empfiehlt deshalb den Besuch des benachbarten Freibades der Gemeinde Wickede (Ruhr) oder des Löhnbades der Stadtwerke Fröndenberg nahe des Gesamtschulzentrums in Fröndenberg.

Baden in der Ruhr ist nicht generell verboten

An anderen Stellen in der Ruhr sei das Baden vielleicht auch riskant, allerdings keinesfalls verboten, erklärte Ulrich Detering als zuständiger Dezernent für Wasserwirtschaft bei der Bezirksregierung Arnsberg in Lippstadt im Gespräch mit unserem lokalen Nachrichten-Portal „wickede.ruhr HEIMAT ONLINE“.

Denn im „Wasserhaushaltsgesetz“ heißt es unter anderem: „Jede Person darf natürliche oberirdische Gewässer zum Baden, Viehtränken, Schwemmen, Schöpfen mit Handgefäßen, Eissport und Befahren mit kleinen Fahrzeugen ohne eigene Triebkraft benutzen …“

Dieser sogenannte „Gemeingebrauch“ werde allerdings teilweise durch andere Gesetze und Verordnungen sowie durch Eigentumsverhältnisse wieder eingeschränkt, so Detering. In Wickede seien beispielsweise weiträumig ausgewiesene Natur- und Landschaftsschutzgebiete sowie Vogelschutzgebiete zu beachten.

Wanderer müssen auf Wegen bleiben und Hunde angeleint werden

Dies betonte auch Marianne Rennebaum als verantwortliche Sachgebietsleiterin der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Soest auf Nachfrage von „wickede.ruhr HEIMAT ONLINE“. In gekennzeichneten Natur- und Landschaftsschutzgebieten sowie Vogelschutzgebieten müssten Wanderer auf den Wegen bleiben und Hunde angeleint werden, um beispielsweise keine am Boden nistenden und brütenden Vögel zu stören.

Dies gelte auch für die im Zuge der Renaturierung vor einigen Jahren neu gebildeten Inseln innerhalb der Ruhr in Wickede und stromaufwärts, so Rennebaum.

Durch das niedrige Wasser laufende oder schwimmende Hunde würden die seltenen Vogelarten bereits im Flug verschrecken. Deshalb habe die Kreisverwaltung kürzlich nochmals entsprechende Hinweisschilder zur Anleinpflicht in der Ruhrgemeinde aufstellen lassen.

Bad im Fluss ein besonderes Erlebnis

Ulrich Detering: „Zum speziellen Baden in der Ruhr ist noch anzumerken, dass dies, wie an allen natürlichen Gewässern, mit Risiken verbunden ist. Die Ruhr weißt teilweise sehr hohe Fließgeschwindigkeiten, Strudel und Verwirbelungen auf.“

Bei Sprüngen von Brücken und Wehren seien der Grund und Gegenstände unterhalb der Wasseroberfläche zudem häufig nicht richtig zu erkennen und der wechselnde Wasserstand zu berücksichtigen. Alleine schon deshalb sei von Sprüngen aus größerer Höhe in die Ruhr dringend abzuraten.

Wer trotz aller Risiken in der Ruhr baden möchte, sollte sich aber vorher auf jeden Fall nach den für den jeweiligen Abschnitt gültigen Einschränkungen erkundigen, riet Detering. Zudem solle er gut schwimmen können und äußerste Vorsicht walten lassen. Gerade jugendlicher Leichtsinn könne zu gefährlichen Situationen und Unfällen führen.

Außerdem sollten Begleiter vom Ufer aus notfalls Hilfe rufen können, wenn es im Fluss zu einem Badeunfall käme.

Detering: „Wenn diese Faktoren alle Berücksichtigung gefunden haben, dann kann so ein Bad in einem natürlichen Fluss ein besonderes Erlebnis sein.“

Badestellen im Fluss bleiben Theorie

In Wickede (Ruhr) bleibt das Baden im Fluss aber leider nur Theorie. Denn der zuständige Sachbearbeiter Marko Kneisz von der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Soest teilte am heutigen Dienstag (25. Juni 2019) auf nochmalige Nachfrage unseres lokalen Nachrichten-Portals „wickede.ruhr HEIMAT ONLINE“ mit: „In der Gemeinde Wickede (Ruhr) ist die komplette Ruhraue als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Einige Bereiche sind sogar FFH-Gebiete, das heißt Flora-, Fauna-, Habitat-Schutzgebiete von europäischem Rang!"

ANDREAS DUNKER für „wickede.ruhr HEIMAT ONLINE“

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Die renaturierte Ruhr in Wickede ARCHIVFOTO: ANDREAS DUNKER
Die renaturierte Ruhr in Wickede ARCHIVFOTO: ANDREAS DUNKER
Die mit Spundwänden kanalisierte Ruhr in Wickede ARCHIVFOTO: ANDREAS DUNKER
Die mit Spundwänden kanalisierte Ruhr in Wickede ARCHIVFOTO: ANDREAS DUNKER