Fusion als Instrument im unternehmerischen Werkzeugkasten …

Wohin steuert die Volksbank?

03.01.2020

WICKEDE (RUHR). Wie lange kann die Volksbank Wickede (Ruhr) eG als kleine Genossenschaftsbank vor Ort noch eigenständig und erfolgreich überleben? – Diese Frage ist mehr als berechtigt. Denn alleine in den vergangenen zwei Jahren haben sich rund 80 Genossenschaftsbanken in Deutschland für einen Zusammenschluss entschieden, wie Cornelia Schulz als Pressesprecherin des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) aus Berlin am vergangenen Montag (30. Dezember 2019) im Gespräch mit unserem lokalen Nachrichten-Portal „wickede.ruhr HEIMAT ONLINE“ bestätigte. Dabei sei die Zahl der selbstständigen Genossenschaftsbanken bereits zwischen 1970 und 2018 von ursprünglich 7.096 auf 875 Institute gesunken, so Schulz.

Bislang hat sich die kleine Volksbank Wickede (Ruhr) eG der Fusionswelle zwar noch immer entzogen, während sich viele andere Genossenschaftsbanken im Kreis Soest bereits seit 1999 zur Volksbank Hellweg eG zusammengeschlossen haben, doch die Gefahr einer Fusion auf Grund des wachsenden wirtschaftlichen Drucks im Finanzsektor wächst für kleinere Geldinstitute wie die Volksbank Wickede (Ruhr). Das ist Fakt.

Laut Bericht der örtlichen Tageszeitung „Soester Anzeiger“ vom vergangenen Montag (30. Dezember 2019) soll Vorstandsmitglied Holger Georg Schwarz sich kürzlich zudem so geäußert haben, dass das Instrument der Fusion durchaus zum unternehmerischen Werkzeugkasten gehöre und die Bank auf Grund der allgemeinen Rahmenbedingungen zu kämpfen hätte.

Angeblich noch ganz weit weg von einer Fusion

Irritierend ist in diesem Zusammenhang die scheinbar parallele Äußerung von Schwarz, dass die Volksbank Wickede (Ruhr) eG angeblich noch ganz weit weg von einer Fusion sei.

Bilanzgewinn zum Ende des Geschäftsjahres 2018 nur etwas über 200.000 Euro

Fakt ist aber auch: Immer mehr Bürokratie durch überregionale staatliche Regulierungen und ein verändertes Kundenverhalten durch die zunehmende Digitalisierung von Finanzdienstleistungen machen es der kleinen Bank vor Ort immer schwieriger. Hinzu kommen verminderte Erlöse durch anhaltende Niedrig- und Minus-Zins-Phasen. – Dies hatten die Wickeder Volksbank-Vorstände Joachim Bauerdick und Holger Georg Schwarz bereits in den letzten Generalversammlungen der Genossenschaftsbank sehr deutlich gesagt. – So lag der Bilanzgewinn zum Ende des Geschäftsjahres 2018 bei nur etwas über 200.000 Euro. – Sicherlich kein wirklich gutes Ergebnis.

Vergangenes Jahr 2019 nur „zufriedenstellend“?

Und aus der Formulierung, dass das vergangene Jahr 2019 nur „zufriedenstellend“ war, ist zwischen den Zeilen des jüngsten Zeitungsartikels im „Soester Anzeiger“ abzulesen, dass die Erträge vermutlich nicht wesentlich besser geworden sind.

Entgegen dem Bundes-Trend: Sinkende Mitgliederzahlen

Auch die sinkenden Mitglieder-Zahlen der Volksbank Wickede (Ruhr) eG zeigen keine gute Entwicklung des Geldinstitutes vor Ort. So schrumpfte die Zahl der Genossen, die die Eigentümer-Gemeinschaft der kleinen Volksbank bilden, vom Jahresende 2015 bis 2018 von 3.760 auf 3.655 Mitglieder. Ein Schwund von immerhin 105 Genossenschaftsmitgliedern binnen kürzester Zeit.

Und dies, obwohl die ausgeschütteten Dividenden der Volksbank angesichts des desolaten Zinsniveaus eigentlich für Geld-Anleger äußerst interessant sein müssten und der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) deshalb von einer landesweit kontinuierlich steigenden Mitgliederzahl spricht. – Den gegenläufigen Negativ-Trend bei der Volksbank Wickede (Ruhr) eG kann der Dachverband sich deshalb nicht erklären.

Auf Dauer immer weniger selbstständige lokale Geldinstitute

Fakt ist: Nach Prognosen von Fachleuten wird die Fusionswelle weiter rollen und es wird dauerhaft immer weniger selbstständige lokale Banken und Filialen mit Kundenservice-Mitarbeitern am Tresen geben.

Ob sich kleinere Volks- oder Raiffeisenbanken zu größeren Unternehmen mit ausgedehntem Geschäftsgebiet zusammenschließen, ist und bleibt die eigenständige Entscheidung der Gremien – sprich: Aufsichtsräte und Mitgliederversammlungen – der jeweiligen genossenschaftlichen Geldinstitute vor Ort.

Doch diese dürfte maßgeblich vom wirtschaftlichen Druck beeinflusst werden, der viele private Banken und öffentlich-rechtliche Sparkassen in kommunaler Trägerschaft aktuell quasi zu solch unpopulären Maßnahmen zwingt.

Investitionen in Infrastruktur der Geschäftsstelle vor Ort

Die jüngsten Investitionen in die Infrastruktur des Kundenbereiches der Volksbank Wickede (Ruhr) eG sind da kein Garant für den Bestand der Bank als einziges eigenständiges Geldinstitut vor Ort. Denn es könnte sich dabei auch nur um das hübsch machen der Braut für eine „Zwangsheirat“ handeln.

Kooperation der Volksbank Wickede (Ruhr) mit der Mendener Bank

So kooperiert die Volksbank Wickede (Ruhr) eG bereits seit einigen Jahren mit der Mendener Bank eG, die mit ihrer Bilanzsumme von 343,9 Millionen Euro auf Platz 535 von insgesamt 873 Volks- und Raiffeisenbanken zum Ende des Jahres 2018 stand.

Die Volksbank Wickede (Ruhr) eG mit einer Bilanzsumme von 140,37 Millionen Euro lag zum Vergleichszeitraum hingegen auf Platz 745 dieser Liste aller Genossenschaftsbanken in Deutschland.

Die offenbar intensive Zusammenarbeit in einigen Bereichen wird nach außen allerdings kaum kommuniziert.

Allerdings kam es in jüngster Vergangenheit bei mehreren Anrufen bei der Volksbank Wickede (Ruhr) eG zu dem äußerst peinlichen Faux pas, dass sich die Telefonzentrale mit „Mendener Bank“ meldete. Hintergrund scheint zu sein, dass die beiden noch eigenständigen Genossenschaftsbanken eine gemeinsame Telefonzentrale betreiben, die offenbar in Menden angesiedelt ist.

Beobachter der Banken-Szene in Menden berichten, dass die „Mendener Bank eG“ teilweise auch auf „Schmusekurs“ mit ihrem lokalen Mitbewerber in Menden ist. Denn auch die ebenfalls zum Genossenschaftsverbund gehörende Märkische Bank eG (Bilanzsumme: rund 1,4 Milliarden Euro; Platz 185 von 873) ist in der Hönnestadt mit mehreren Filialen vertreten. – Fusionspläne wurden bislang allerdings auch dort immer dementiert.

Distanzierteres Verhältnis zur großen Volksbank Hellweg in Soest

Wesentlich distanzierter scheint da das Verhältnis der Volksbank Wickede (Ruhr) eG zur großen Volksbank Hellweg eG aus Soest zu sein. Denn aus der Ruhrgemeinde orientieren sich die Verantwortlichen mehr zur Mendener Bank im angrenzenden Märkischen Kreis, die nur über eine knapp zweieinhalb mal so große Bilanzsumme verfügt wie Wickede.

Die Volksbank Hellweg eG im Kreis Soest hat hingegen eine Bilanzsumme von rund 1,6 Milliarden Euro und ist auf Platz 154 der bundesweiten Banken-Liste des Genossenschaftsverbundes. Das Geschäftsvolumen der Soester umfasst also etwa das 11,5-fache der Wickeder Bilanzsumme.

Bei einer Fusion Wickedes mit der Soester Volksbank könnten Geschäftsführer und Genossen aus der Ruhrgemeinde also wohl nicht von einer vorherigen Verhandlung auf Augenhöhe ausgehen.

Von daher scheuten die Wickeder diese Möglichkeit bislang und kooperierten für verschiedene Arbeiten lieber mit der nur etwas größeren Mendener Bank eG.

Anders als die öffentlich-rechtlichen Sparkassen in kommunaler Trägerschaft konzentrierten sich die privaten Volks- und Raiffeisenbanken bei Zusammenschlüssen auch nicht an kommunalen Territorien, sprich: Kreisgrenzen, sondern an ihren jeweiligen Markteinzugsgebieten, erläuterte Cornelia Schulz vom Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) dazu gegenüber „wickede.ruhr HEIMAT ONLINE“.

Desto kleiner die Bank desto höher sind die „Systemkosten pro Kunde“

Fakt ist: Desto kleiner die Bank desto höher sind die sogenannten „Systemkosten pro Kunde“. Deshalb wird es angesichts zunehmender Regulatorik und den daraus folgenden teuren Verwaltungsaufgaben und Sicherungsmaßnahmen immer schwieriger für kleinere Kreditinstitute, die für einige Verfahren einen gleich großen Aufwand wie ihre großen Mitbewerber betreiben müssen.

Kaufpreis von rund 600.000 Euro für drei Mehrfamilienhäuser der Kommune

Da die klassischen Geschäftsfelder der Banken teilweise nicht mehr die gewünschten Erträge bringen, engagiert sich die Volksbank Wickede (Ruhr) eG übrigens mit einer Tochtergesellschaft zunehmend im Immobilien-Bereich.

So kaufte sie 2018 für angeblich knapp 600.000 Euro die drei bis dato kommunalen Mehrfamilienhäuser am Lindenweg 12, 14 und 16 von der Gemeinde Wickede (Ruhr) und kümmert sich seitdem um Vermietung, Instandhaltung und Renovierung des Gebäudekomplexes aus den 1950-er Jahren. Unter anderem wurde bereits der Spielplatz an der Ecke Lindenweg/Friedhofstraße zurückgebaut und durch einen Stellplatz für Autos ersetzt.

Vorstände Bauerdick und Schwarz leiten Genossenschaftsbank

Die operative Leitung der Volksbank Wickede (Ruhr) eG obliegt aktuell den Bankdirektoren Joachim Bauerdick (60) aus Echthausen und Holger Georg Schwarz (45) aus Arnsberg. Bauerdick war zuvor Prokurist der Bank und ist seit 2009 im Vorstand. Und Schwarz ist seit 2014 in der Geschäftsführung der kleinen Genossenschaftsbank.

Wickeder Volksbank-Vorstände gaben keine Antworten auf wichtige Fragen

Der professionellen journalistischen Sorgfaltspflicht entsprechend hat die Redaktion unseres lokalen Nachrichten-Portals „wickede.ruhr HEIMAT ONLINE“ natürlich auch direkt beim geschäftsführenden Vorstand der Volksbank Wickede (Ruhr) eG bezüglich möglicher Gedanken zur Fusion mit einer anderen Genossenschaftsbank in der Umgebung nachgefragt. Leider blieb eine Antwort auf unsere mehrfachen Anfragen bislang aus.

Unser Fazit: „Schweigen zum Sachverhalt kann als Zustimmung gelten“, sagt der Volksmund. – Was das Schweigen bei der Volksbank Wickede (Ruhr) eG bedeutet, bleibt dem Betrachter überlassen.

Volksbank Hellweg für Fusionsgespräche offen

Nachgefragt bezüglich laufender Fusionsgespräche haben wir zusätzlich auch mal bei Bernd Wesselbaum als Vorstandsvorsitzendem der Volksbank Hellweg eG. Er zeigte sich sofort zum Gespräch mit unserer Redaktion bereit und erklärte, dass der wirtschaftliche Druck auf kleinere Banken und Sparkassen durch die schwierigeren Rahmenbedingungen noch steigen werde. Er rechne weiterhin mit einer deutlichen Reduzierung bei der Zahl der eigenständigen Geldinstitute in Deutschland innerhalb der nächsten Jahre.

Neben der Volksbank Hellweg gäbe es im Kreis Soest aktuell noch die selbstständigen Genossenschaftsbanken Anröchte, Beckum-Lippstadt, Störmede-Hörste und Wickede (Ruhr).

Mit der Volksbank in der Ruhrgemeinde führe man momentan keine Gespräche über eine Fusion, so Wesselbaum. Seitens der Volksbank Hellweg sei man dafür aber offen.

Zusammenschluss zwischen Volksbanken Hellweg und Sauerland scheiterte

Es sei ja auch kein Geheimnis, dass es in der Vergangenheit bereits einen gescheiterten Versuch einer Zusammenführung der Volksbanken Hellweg und Sauerland gegeben habe, so Wesselbaum. Denn durch Digitalisierung, Regulatorik und niedrige Zinssätze seien Fusionen teilweise sinnvoll und teilweise unabwendbar.

ANDREAS DUNKER für „wickede.ruhr HEIMAT ONLINE“      

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Wo steuert die Volksbank Wickede (Ruhr) hin? Die verantwortlichen Vorstände gaben auf mehrfache Nachfrage unserer Redaktion leider keine Auskunft dazu. Ob die Bänker selbst wissen, wo die Reise in den nächsten Jahren hingeht, bleibt somit offen. ARCHIVFOTO: ANDREAS DUNKER
Wo steuert die Volksbank Wickede (Ruhr) hin? Die verantwortlichen Vorstände gaben auf mehrfache Nachfrage unserer Redaktion leider keine Auskunft dazu. Ob die Bänker selbst wissen, wo die Reise in den nächsten Jahren hingeht, bleibt somit offen. ARCHIVFOTO: ANDREAS DUNKER

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