Bürgermeister Dr. Martin Michalzik (CDU) von der Gemeinde Wickede (Ruhr) nahm Stellung

Freibad-Saison in Zeiten der Corona-Pandemie

20.05.2020

WICKEDE (RUHR). Die geplante Eröffnung der diesjährigen Freibad-Saison am 1. Mai in Wickede ist auf Grund der Coronavirus-Pandemie sprichwörtlich ins Wasser gefallen. Die landesweit verordneten Infektionsschutzmaßnahmen erlaubten den Betrieb des Bades bislang nicht. Die Türen der beliebten kommunalen Freizeit-Einrichtung blieben deshalb aus verständlichen Gründen bis jetzt geschlossen. Das könnte sich nun ändern. Denn ab dem heutigen 20. Mai dürfen die Freibäder in ganz Nordrhein-Westfalen in Folge der Lockerungsmaßnahmen der Landesregierung wieder öffnen. Und so überlegt auch die zuständige Verwaltung im Wickeder Rathaus das kommunale Schwimmbad an der Ruhr im Sommer doch noch für Interessierte zugänglich zu machen - allerdings nur unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen. Einen möglichen Termin für den Saison-Start nannte Bürgermeister Dr. Martin Michalzik (CDU) auf Anfrage unseres lokalen Nachrichten-Portals "wickede.ruhr HEIMAT ONLINE" auch bereits am gestrigen Dienstag (19. Mai 2020).

Dabei hatte Michalzik dem politischen Rat der Gemeinde Wickede (Ruhr) bei dessen Sitzung am 5. Mai im Bürgerhaus noch anschaulich erklärt, dass sich die Wahrung der notwendigen Sicherheitsabstände von mindestens 1,5 Metern und die Hygiene-Maßnahmen in den Sanitäranlagen des Bades kaum beziehungsweise nur mit enormem logistischen und personellen Aufwand umsetzen ließen.

Zwischen den Zeilen wurde dabei und auch im persönlichen Gespräch mit unserer Redaktion deutlich, dass der Wickeder Bürgermeister die Verantwortung für die Öffnung des Bades in diesem Jahr lieber nicht tragen würde. 

Zumal eine Öffnung des kommunalen Freibades unter den geänderten regulatorischen Rahmenbedingungen den ohnehin schon großen finanziellen Zuschuss-Bedarf aus Steuermitteln aller Voraussicht nach noch erhöhen würde. Denn weniger zahlende Nutzer und ein höherer Personalaufwand auf Grund der Infektionsschutzmaßnahmen bedeuteten Mehrkosten, prophezeite Michalzik.

Und die Mehrheit aus allen Fraktionen des Gemeinderates schien die Bedenken des Bürgermeisters augenscheinlich zu teilen. Jedenfalls waren in der Sitzung am Anfang dieses Monats nur betretene Mienen in den Reihen der Kommunalpolitiker zu sehen und kein lauter Widerspruch zu hören.

Landesregierung preschte mit Lockerungsmaßnahmen vor

Kurz darauf preschte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) jedoch mit seinen Lockerungsmaßnahmen und der Erlaubnis für die Öffnung der Freibäder ab dem 20. Mai vor.

"Löhnbad" in Fröndenberg ab heute geöffnet

Und die Stadtwerke der Nachbarstadt Fröndenberg verkündeten kurz danach, dass sie ihr "Löhnbad" am heutigen Mittwoch wieder für bis zu 700 Besuchern öffnen würden. Jedem Gast stünden dabei 15 Quadratmeter an Liegefläche zum Entspannen und Sonnen zur Verfügung. Allerdings dürften nur 130 Badegäste zeitgleich zum Planschen und Schwimmen in das Mehrzweckbecken. Die Eintrittspreise blieben wie im Vorjahr, verkündeten die Stadtwerke Fröndenberg parallel in einer Mitteilung an die Medien. Zur Sicherheit richte man sich nach dem Pandemie-Plan der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen.

Durch diese Verlautbarungen geriet Wickedes Bürgermeister in Zugzwang, da ihm der hohe Stellenwert des Badevergnügens und Schwimmsports bei vielen Bürgern natürlich bewusst ist.

Viele Fragen für kommunale Bad-Betreiber offen

Michalzik beriet sich deshalb mit den anderen Bürgermeistern und Verantwortlichen für die Bäder im Kreis Soest. Dabei blieben viele Fragen für die kommunalen Bad-Betreiber aus Bad  Sassendorf, Anröchte, Erwitte, Geseke, Lippstadt, Rüthen, Werl, Warstein, Welver und Wickede offen, so zum Beispiel bezüglich des rechtlichen Rest-Risikos im Bereich des Arbeitsschutzes und der Gesundheitsfürsorge für das Personal sowie zur Garantie des Infektionsschutzes für die Besucher.

Wie lässt sich die maximale Besucherzahl zuverlässig für das  Aufsichtspersonal begrenzen, aber zugleich sicherstellen, dass möglichst viele Bürger überhaupt einmal Schwimmen gehen können? Wieviel zusätzliches Personal ist nötig, um Duschen, Toiletten und Handläufe zu reinigen? Müssen Rutschen oder Sprungtürme geschlossen bleiben, um Schlangen zu vermeiden? Dürfen zahlreiche Kinder in ein Freibad, während Kindertagesstätten und Schulen noch geschlossen sind? Und was ist mit Coronavirus-Risikogruppen wie beispielsweise den Senioren im Alter über 60 Jahren?

Für Wickedes Bürgermeister Dr. Martin Michalzik (CDU) alles ungeklärte Fragen mit denen die NRW-Landesregierung und allen voran CDU-Ministerpräsident Armin Laschet die Kommunen und Bad-Betreiber im sprichwörtlichen Regen stehen lässt.

Termin für die Saisoneröffnung ist schon angedacht

Trotzdem ist Michalzik natürlich auch bewusst, dass er sich den Problemen stellen und das Wickeder Freibad in dieser Saison trotz Coronavirus-Pandemie mit entsprechenden Infektionsschutzmaßnahmen vermutlich doch noch wird öffnen müssen. Auf eine diesbezügliche Anfrage von "wickede.ruhr HEIMAT ONLINE" erklärte der Wickeder Bürgermeister denn am gestrigen Dienstag (19. Mai 2020) denn auch wörtlich: "Ein konkreter Termin für die Freibad-Eröffnung in Wickede steht noch nicht abschließend fest. Derzeit erscheint es möglich, Ende Mai oder Anfang Juni mit einem sehr deutlich eingeschränkten Bade-Betrieb beginnen zu können. Dazu werden derzeit hygienische, personelle und technische Vorbereitungen getroffen. Grundsätzlich ist vorgesehen, mit einem vorsichtigen und versuchsweisen Einstieg in den neu regulierten Badebetrieb zu beginnen. Dieser soll schrittweise zu den Ferien hin nachgesteuert werden, beispielsweise wenn gute Erfahrungen es erlauben, auch mehr Besucher zuzulassen."

Amtliche Vorgaben für den Bad-Betrieb erst am Samstag verbindlich festgelegt

Und weiter: "Die amtlichen Vorgaben für den Corona-Schutz, die erst am vergangenen Samstag verbindlich festlegten, dass eine Erfassung der Personalien aller Badegäste und ihrer Aufenthaltsdauer nötig ist, bereitet erhebliche Sorgen. Außerdem muss die Badegästezahl verbindlich begrenzt werden. Wir überlegen dazu Modelle mit mehreren Badezeitblöcken über den Tag. Das kommt unterschiedlichen Interessen entgegen, zum Beispiel für das Gesundheitsschwimmen morgens und abends und Familienbadezeiten über Mittag und am Nachmittag. Damit kann auch erreicht werden, dass trotz Obergrenze für die jeweils absolute Besucherzahl, über den Tag verteilt in mehreren Zeitabschnitten insgesamt viele Gäste das Freibad  Wickede besuchen können."

Online-Buchungssystem zur Vermeidung von Warteschlangen

Geplant sei ein Online-Buchungssystem, um diesen Anforderungen zu entsprechen. Damit könne dann kontaktlos gebucht und bezahlt werden. Zudem würden durch dieses digitale Verfahren nur so viele Karten angeboten, wie für den jeweiligen Zeitabschnitt zulässig seien. Michalzik: "Unnötige Warteschlangen vor dem Eingang werden dadurch vermieden."

Keine sonst üblichen Jahreskarten für die Freibad-Saison 2020 im Angebot

Familien- und Einzeljahreskarten solle es in der Saison 2020 nicht geben, da damit unkalkulierbar sei, wie viele Gäste zu welcher Zeit ins Bad kämen. Schließlich hätten an manch heißen Sommertagen in der Vergangenheit weit mehr als 2.000 Gäste das kommunale Freibad in Wickede besucht.

Wenn aber aus Gründen des Infektionsschutzes beispielsweise nur wenige hundert Personen gleichzeitig auf dem Gelände der Freizeiteinrichtung sein dürften, könne das stundenlange Warteschlangen für eine große Gästezahl und Staus in den Zubringerstraßen bedeuten. Dies wolle die Gemeinde Wickede (Ruhr) als Betreiber des Bades aber möglichst vermeiden.

Dauerkarten für Gesundheitsschwimmen des morgens und abends denkbar

"Nur für das Gesundheitsschwimmen am Morgen und Abend können begrenzte Mengen an Wochen-Dauerkarten für Erwachsene angeboten werden", betonte der Rathaus-Chef.

Da es weder Baby-Becken noch Spielgeräte im Wasser geben werde, sei der Besuch des Bades als Freizeitstätte sicherlich auch nicht so attraktiv wie in der Vergangenheit. Denn auch Sprungtürme und Wasserrutschen würden voraussichtlich nur in begrenztem Umfang freigegeben werden.

Verwaltung und Kommunalpolitik wollen noch über höhere Eintrittspreise beraten

Fest steht für Bürgermeister Dr. Martin Michalzik (CDU) allerdings jetzt schon: "Die Eintrittskarten für das kommunale Freibad werden teurer werden, da der Aufwand – unter anderem für zusätzliches Reinigungspersonal – deutlich steigt und aufgrund der Obergrenzen deutlich weniger Menschen das Freibad besuchen können."

Über die konkreten Tarife müssten Kommunalverwaltung und -politik in den nächsten Tagen noch genauer beraten, so Michalzik.

Insgesamt werde – auch bei erhöhten Eintrittspreisen – der bereits für diese Saison kalkulierte hohe finanzielle Zuschussbedarf von mehr als  350.000 Euro aus Steuermitteln noch einmal kräftig steigen, betonte Wickedes Bürgermeister.

ANDREAS DUNKER für "wickede.ruhr HEIMAT ONLINE"

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Schwimmmeister Michael Scheffler ist aktuell nur mit Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten beschäftigt. Zudem hilft er in anderen Arbeitsbereichen der Gemeinde Wickede (Ruhr) aus. - Unserem lokalen Nachrichten-Portal "wickede.ruhr HEIMAT ONLINE" gewährte er Einblick in das derzeit noch geschlossene Freibad, dessen geplanter Saison-Start am 1. Mai auf Grund der Corona-Pandemie gestoppt wurde. FOTO: ANDREAS DUNKER
Schwimmmeister Michael Scheffler ist aktuell nur mit Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten beschäftigt. Zudem hilft er in anderen Arbeitsbereichen der Gemeinde Wickede (Ruhr) aus. - Unserem lokalen Nachrichten-Portal "wickede.ruhr HEIMAT ONLINE" gewährte er Einblick in das derzeit noch geschlossene Freibad, dessen geplanter Saison-Start am 1. Mai auf Grund der Corona-Pandemie gestoppt wurde. FOTO: ANDREAS DUNKER
So leer sieht es aktuell im Freibad aus. FOTO: ANDREAS DUNKER
So leer sieht es aktuell im Freibad aus. FOTO: ANDREAS DUNKER
So leer sieht es aktuell im Freibad aus. FOTO: ANDREAS DUNKER
Das Baby-und-Kinder-Planschbecken bleibt in der Bade-Saison 2020 voraussichtlich leer. FOTO: ANDREAS DUNKER
Das Baby-und-Kinder-Planschbecken bleibt in der Bade-Saison 2020 voraussichtlich leer. FOTO: ANDREAS DUNKER

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