Vom Bergmann zum VEW-Vorstandsvorsitzenden: Regierungspräsident a. D. Fritz Ziegler im Alter von 87 Jahren verstorben

„Einer der einflussreichsten Manager an Rhein und Ruhr“

27.07.2020

WICKEDE (RUHR). Fritz Ziegler ist tot. Der einst einflussreiche nordrhein-westfälische SPD-Politiker, ehemalige Arnsberger Regierungspräsident (1973 – 1977) und Vorstandsvorsitzende der "Vereinigten Elektrizitätswerke Westfalen AG" (VEW) (1993-1998) verstarb nach längerer Krankheit am gestrigen Sonntag, 26. Juli 2020, im Alter von 87 Jahren in einem Krankenhaus. Seinen Lebensabend verbrachte der Gewerkschafter, Sozialdemokrat und Manager von Montanindustrie und Versorgungsunternehmen im Ortsteil Wiehagen der Gemeinde Wickede (Ruhr) im Kreis Soest.

Fritz Ziegler wurde am 1. Januar 1933 als Sohn einer einfachen Bergmannsfamilie in Gelsenkirchen geboren. Als 17-jähriger Gymnasiast verließ er die Schule und wurde nach dem Vorbild des Vaters zunächst Bergmann. Parallel zu seiner Untertagearbeit absolvierte er ein betriebswirtschaftliches Studium an der Sozial-Akademie in Dortmund und wurde Gewerkschafts- und SPD-Mitglied.

Im Jahre 1967 verließ Ziegler die Zeche „Monopol“ in Bergkamen und begann seine hauptberufliche politische Karriere als persönlicher Referent von Werner Figgen (SPD), dem damaligen Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales in Nordrhein-Westfalen.

1973 berief NRW-Ministerpräsident Heinz Kühn (SPD) seinen Parteikollegen Fritz Ziegler dann zum Regierungspräsidenten von Arnsberg. Ein Amt, welches dieser nur bis 1977 ausübte. Denn dann kehrte der gebürtige Gelsenkirchener als Vorstandsmitglied der Dortmunder Bergbau AG Westfalen, die zur Ruhrkohle AG gehörte, in die Montanwirtschaft des Ruhrgebiets zurück. Zwischen 1981 und 1990 wurde Ziegler als Arbeitsdirektor schließlich Vorstandsmitglied der Ruhrkohle AG.

Im Jahre 1990 wechselte er dann in den Vorstand der Vereinigten Elektrizitätswerke Westfalen AG (VEW), dessen mächtiger Vorsitzender er 1993 wurde.

Damals galt Fritz Ziegler schon lange als „graue Eminenz“ der nordrhein-westfälischen Sozialdemokratie, dessen geschäftsführendem Landesvorstand er über Jahre als einflussreicher Schatzmeister angehörte.

Am 22. September 1998 wurde der Sozialdemokrat und VEW-Vorstandsvorsitzende schließlich wegen des Vorwurfs privater Steuerhinterziehung verhaftet. „Die Bochumer Staatsanwaltschaft und die Steuerfahndung werfen ihm vor, mit Hilfe der Dresdner Bank knapp eine Million Mark an der Steuer vorbei auf Konten in Luxemburg angelegt zu haben“, schreibt Udo Leuschner in seiner „Energie-Chronik“ dazu.

Außerdem soll Ziegler durch „die unrechtmäßige Deklarierung seiner Privatvilla (in Wiehagen, Anm. d. Red.) als Zweifamilienhaus in großem Umfang Steuern hinterzogen zu haben“, berichtete „DIE ZEIT“ (1998).

Erst nachdem er ein umfassendes Geständnis abgelegt und eine Kaution in sechsstelliger Höhe hinterlegt hätte, sei der sozialdemokratische Top-Manager am 29. September 1998 wieder aus der Untersuchungshaft freigekommen.

Das Nachrichten-Magazin „DER SPIEGEL“ schrieb im Jahre 1998 über Fritz Ziegler, dass er „einer der einflussreichsten Manager an Rhein und Ruhr“ und „ein Mann mit ausgeprägtem Machtinstinkt“ sei, der „zum inneren Zirkel“ der SPD in Nordrhein-Westfalen gehöre, wo er als Landesschatzmeister jahrelang zu den engen Vertrauten des ehemaligen NRW-Ministerpräsidenten Johannes Rau (SPD) gezählt habe. Unter anderem habe Ziegler als gewiefter Taktiker auch als Wahlkampfmanager der Partei fungiert, so der „SPIEGEL“.

2018 wurde Fritz Zieger mit der „Willy-Brandt-Gedenkmedaille“, dem höchsten Ehrenzeichen der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD), für sein politisches Lebenswerk ausgezeichnet.

ANDREAS DUNKER für „wickede.ruhr HEIMAT ONLINE“

ANZEIGE
Fritz Ziegler (†) ARCHIVFOTO: ANDREAS DUNKER
Fritz Ziegler (†) ARCHIVFOTO: ANDREAS DUNKER

Anmeldung zum Newsletter

Lassen Sie sich aktuell per E-Mail über die wichtigsten Schlagzeilen informieren!

ANZEIGEN

ANZEIGE Zahnarztpraxis Dr. Clemens Frigge und Marta Dinstak
ANZEIGE
ANZEIGE Stadtwerke-Froendenberg
ANZEIGE
Anzeige
 
 
ANZEIGE
ANEIGEN
 
 
 
 

Gefördert mit finanziellen Mitteln der LfM-Stiftung "Vor Ort NRW."

LOGO Vor Ort NRW
 
 

TERMINE

Keine Einträge vorhanden

BUTTON