Vor 70 Jahren: Das Kriegsende im April 1945 in Echthausen, Wickede, Wiehagen, Wimbern und Schlückingen

10. April 2015

WICKEDE (RUHR). Bombardierungen, Granatbeschuss und weitere Kampfhandlungen prägen im April 1945 das kriegerische Geschehen auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde Wickede (Ruhr). – In diesen Tagen vor genau 70 Jahren verläuft die Front mitten durch die Ruhrgemeinde. Die alliierte Armee und die deutschen Truppen bekämpfen sich über mehrere Tage zu beiden Seiten der Ruhr. Dabei schießen deutsche Soldaten sogar auf Gebiete mit deutscher Bevölkerung. Ein Rückblick.

In der „Chronik des 20. Jahrhunderts“ für die Gemeinde Wickede (Ruhr) heißt es: 

Am 1. April 1945 schließen die 1. und die 9. US-Armee in Lippstadt den Ruhrkessel, in dem die deutschen Truppen eingeschlossen sind. Der Raum Wickede wird kurz darauf zum Front- und Kampfgebiet.

Artilleriebeschuss der Schlückinger Kapelle

Bei einem Artilleriebeschuss am 8. April 1945 werden das Dach, der Turm sowie die letzte Glocke und die Fenster der Schlückinger St.-Josef-Kapelle stark beschädigt.

Tiefflieger-Bomben auf Wickede

Am 9. April 1945 fallen in einem Tieffliegerangriff Bomben auf Wickede. Zerstört oder stark beschädigt werden das Hohoff’sche Kornhaus und das Nachbarhaus Hockenbrink, die Gaststätte Arndt mit Nachbarschaft, das Haus Bathe (später: Blumengeschäft Gerbens) am Eingang der Eichkampstraße, das Feuerwehrgerätehaus, Häuser am Eichkamp und an der Bergstraße. Andere Gebäude erleiden geringere Schäden.

Deutsche Truppen beschießen Wickede und Wiehagen

Ein Teil des Geschützfeuers kommt von deutschen Truppen aus Echthausen und Wimbern. Die Gebäude am Vollenberg und einige Gehöfte in Wiehagen werden stark getroffen. Der Kirchturm der St.-Antonius-Kirche wird ebenfalls von der deutschen Artillerie beschossen und erhält einige Treffer. Die Orgel wird beschädigt und die Windfangtür zerstört. Sieben Bürger finden bei den Kämpfen den Tod.

Das letzte Volkssturmaufgebot

Ein kleines Wickeder Volkssturmaufgebot – aus „waffenfähigen“ Männern zwischen 16 und 60 Jahren bestehend – unerfahren und erbärmlich ausgerüstet, wird zwar aufgestellt, kommt aber nicht zum Einsatz.

Am 10. April 1945 rücken amerikanische Truppen kampflos in Wickede ein. An diesem Tag wird Barge noch von Bausenhagen aus beschossen, wobei die Barger Kirche beschädigt wird.

Kirche und Schule als Lazarett für alliierte Soldaten

Echthausen bekommt ebenfalls den Ernst des Krieges zu spüren, als am 9. April 1945 zahlreiche Granaten um und in das Dorf einschlagen. Folgende Wohngebäude erhalten Treffer: Viktor Jaspert, Aloys Neuhaus, Anton Bauerdick, Franz Rasche,Witwe Meckeler, Egon Schulte und Heinrich Lenninghaus. Frau Lenninghaus und deren Tochter Frau Füßmann finden dabei den Tod.

Die Echthausener Kirche und Schule sind in den letzten Kriegstagen als Lazarett für alliierte Soldaten eingerichtet. Auch diese beiden Gebäude werden mehrmals getroffen. Dabei kommen drei Franzosen und sieben Russen zu Tode.

Amerikaner marschieren in Echthausen ein

Echthausen wird nach mehrtägigem Artilleriefeuer am 14. April von Voßwinkel her von Amerikanern eingenommen. Amerikanische Panzer und Infanterie ziehen um 14 Uhr vom Stockei her über die Heide in Echthausen ein. Es fällt kein Schuss.

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Das zerbomte „Haus Arndt" an der Hauptstraße in Wickede im April 1945
Das zerbomte „Haus Arndt" an der Hauptstraße in Wickede im April 1945