Erker fiel gestern dem Abrissbagger zum Opfer

Das markante Gebäude und seine Geschichte: Selbst ein Playmate wohnte hier einst

14.01.2022

WICKEDE. Erst fiel die separate Doppelgarage der Baggerschaufel zum Opfer, dann riss der Greifarm des 27-Tonnen-Kettenfahrzeugs am Donnerstag den markanten Erker aus dem ersten Stock in die Tiefe und seit dem heutigen Freitag (14. Januar 2022) liegt bereits das halbe Haus in Trümmern. In wenigen Tagen wird wohl nichts mehr von dem historischen Gebäude an der Marscheidstraße 4 in Wickede außer Schutt und Steinen übrig sein.

Unser lokales Nachrichten-Portal "wickede.ruhr HEIMAT ONLINE" hat mithilfe von Dirk Schellhoff einmal ein paar baugeschichtliche Eckdaten des alten Eckhauses zusammengetragen.

Erbaut vermutlich um 1900

Erbaut wurde das Gebäude vermutlich um 1900. Jedenfalls deutete die Jahreszahl auf einer Wetterfahne aus Metall auf dem spitzen Dach des kleinen Türmchens an der Hausfassade darauf hin. – Dirk Schellhoff kann sich noch gut an die alte Wetterfahne erinnern, die lange Jahre den Erker zierte. Hundertprozentig sicher ist er sich bei der Jahreszahl allerdings nicht und ein Bild mit erkennbaren Zahlen hat er aktuell auch nicht mehr.

Ob das steinerne Haus wirklich schon mehr als 120 Jahre steht, ließ sich leider auch beim Bauamt der Gemeinde Wickede (Ruhr) und der Soester Kreisverwaltung nicht herausfinden.

1946 – 1967: Wohn- und Bürogebäude der Unternehmerfamilie Risse

Fest steht wohl hingegen, dass das große Gebäude seit 1946 als Wohn- und Bürogebäude der Unternehmerfamilie Risse diente, die hier bis 1967 ihren kaufmännischen Verwaltungssitz hatte. Damals errichteten die Gebrüder Risse dann ein neues Bürogebäude an der Erlenstraße, wo sich auch die Produktionsstätte des Kaltwalzwerkes befand. – Dies geht aus einem Prospekt hervor, der sich noch im Besitz von Dirk Schellhoff befindet.

Überliefert sei zudem ein hofseitiger Anbau aus dem Jahre 1951, berichtete der ehemalige Hausbewohner im Gespräch mit unserem lokalen Nachrichten-Portal "wickede.ruhr HEIMAT ONLINE".

Von 1967 bis 2016 wohnten hier Wuragrohr-Werksleiter Schellhoff und seine Familie

1967 sei dann auch seine Familie in das damals von "Wuragrohr" erworbene Eckhaus eingezogen, so Dirk Schellhoff. Sein Vater Erich Schellhoff (*1932; † 2016) war Werksleiter in der benachbarten Röhrenproduktion. Kurz nach dessen Tode zog Witwe Ingrid Schellhoff aus der langjährigen Wohnung der Familie aus.

Insgesamt gab es drei Mietwohnungen in dem riesigen Haus: im Erdgeschoss, in der ersten Etage und im Dachgeschoss. Aufgrund eines Sanierungsstaus wollte irgendwann aber niemand mehr in dem Gemäuer leben und es blieb in den letzten Jahren unbewohnt.

Zuletzt unbewohnt als Übungsraum für Backstage-Musiker

Lediglich die Musiker der örtlichen Band "Backstage" nutzten das Haus noch als Übungsraum und zum Lagern ihrer Instrumente. Nun ist auch dies Geschichte und ebenso das über mehr als hundert Jahre zum Ortsbild gehörende Gebäude.

Und an noch eines erinnert sich Dirk Schellhoff: Auch die heute unter ihrem Künstlernamen bekannte "Isabel Varell" (Isabel Wehrmann) wohnte einst einige Zeit in dem Haus in Wickede. Ein großes Publikum kennt sie heute als Sängerin, Schauspielerin, Musicaldarstellerin und Fernsehmoderatorin. Als Playmate machte die junge Isabel im Jahre 1982 sogar mit Nacktfotos im Playboy von sich reden.

ANDREAS DUNKER für "wickede.ruhr HEIMAT ONLINE"

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Das historische Gebäude an der Marscheidstraße 4 in Wickede kurz vor dem Abriss FOTO: ANDREAS DUNKER
Das historische Gebäude an der Marscheidstraße 4 in Wickede kurz vor dem Abriss FOTO: ANDREAS DUNKER
Als erstes machte der 27-Tonnen-Abbruchbagger die separat stehende Doppelgarage gegenüber dem historischen Gebäude dem Erdboden gleich. Im Hintergrund die Werkshallen der Mannesmann-Röhrenproduktion, die ihr Firmenareal mit dem Grundstück arrondiert und hier einen neuen Mitarbeiter-Parkplatz direkt auf dem erweiterten Fabrikgelände schaffen will.  FOTO: ANDREAS DUNKER
Als erstes machte der 27-Tonnen-Abbruchbagger die separat stehende Doppelgarage gegenüber dem historischen Gebäude dem Erdboden gleich. Im Hintergrund die Werkshallen der Mannesmann-Röhrenproduktion, die ihr Firmenareal mit dem Grundstück arrondiert und hier einen neuen Mitarbeiter-Parkplatz direkt auf dem erweiterten Fabrikgelände schaffen will. FOTO: ANDREAS DUNKER
Auf seinen Ketten rollte der 27-Tonnen-Bagger der Firma "Becka2" über die Marscheidstraße, um mit dem Rückbau des alten Gebäudes zu beginnen. Hier beim Abriss des markanten Erkers. FOTO: ANDREAS DUNKER
Auf seinen Ketten rollte der 27-Tonnen-Bagger der Firma "Becka2" über die Marscheidstraße, um mit dem Rückbau des alten Gebäudes zu beginnen. Hier beim Abriss des markanten Erkers. FOTO: ANDREAS DUNKER
Das entkernte Gebäude ohne den architektonisch prägenden Erker FOTO: ANDREAS DUNKER
Das entkernte Gebäude ohne den architektonisch prägenden Erker FOTO: ANDREAS DUNKER
Bislang parken die Werksangehörigen teilweise am Rande der Marscheidstraße sowie auf einer gegenüberliegenden Brachfläche, die inzwischen vom Salzgitter-Konzern an einen neuen Eigentümer verkauft wurde. FOTO: ANDREAS DUNKER
Bislang parken die Werksangehörigen teilweise am Rande der Marscheidstraße sowie auf einer gegenüberliegenden Brachfläche, die inzwischen vom Salzgitter-Konzern an einen neuen Eigentümer verkauft wurde. FOTO: ANDREAS DUNKER
Das offene Dach des historischen Gebäudes kurz vor seinem Abriss mit dem Bagger FOTO: ANDREAS DUNKER
Das offene Dach des historischen Gebäudes kurz vor seinem Abriss mit dem Bagger FOTO: ANDREAS DUNKER

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