„Alternative für Deutschland“ erstmals bei Kommunalwahl in Wickede (Ruhr)

AfD-Kandidat Koerdt bleibt voraussichtlich ohne Fraktion

13. September 2025

WICKEDE (RUHR).
Der AfD-Kreisverband Soest hat gegenüber unserer Redaktion mitgeteilt, dass der AfD-Direktkandidat Roy Koerdt nach der Kommunalwahl keiner möglichen AfD-Fraktion im Rat der Gemeinde Wickede (Ruhr) beitreten wird. Die E-Mail mit dieser Erklärung erreichte die Redaktion am späten Freitagabend (12. September 2025) um 21.14 Uhr. – Eine direkte Stellungnahme von Koerdt liegt nicht vor.

In der Mitteilung heißt es: „Nach intensiven Gesprächen zwischen unserem Spitzenkandidaten Herrn Sven Teschner und Herrn Roy Koerdt steht fest: Nach der Kommunalwahl am 14. September 2025 wird im Falle der Bildung einer AfD-Stadtratsfraktion Herr Roy Koerdt dieser Fraktion nicht beitreten.“

Weiter erklärte Matthias Höing als Sprecher des AfD-Kreisverbands Soest, der Verband begrüße diese Entscheidung ausdrücklich.

Hintergrund zum Kandidaten der AfD

Koerdt war im Jahr 2015 wegen Brandstiftung rechtskräftig zu zwei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt worden. Die Haftstrafe hat er verbüßt; rechtliche Hinderungsgründe für eine Kandidatur bestehen nicht.

Auch oder vor allem wegen der Verurteilung von damals stellte der AfD-Kreisverband Soest im Zuge lokaler Diskussionen über die Kandidatur klar, dass er auf Distanz zu seinem Parteimitglied geht.

Wahl wird vom Kreisverband koordiniert

Die AfD tritt am 14. September 2025 erstmals bei einer Kommunalwahl in Wickede (Ruhr) an. Einen eigenen Ortsverband gibt es bislang nicht; die Wahl wird vom Kreisverband Soest koordiniert.

In der Gemeinde zählt die Partei nach eigenen Angaben nur rund ein halbes Dutzend Mitglieder.

Sieben statt sechzehn Direktkandidaten

Während die in Wickede (Ruhr) etablierten Parteien sowie die Bürgergemeinschaft (BG) jeweils in allen 16 Wahlbezirken ihre Direktkandidaten aufgestellt haben, tritt die AfD lediglich in sieben Wahlbezirken an und besetzt damit weniger als die Hälfte.

Ein AfD-Kandidat bereits ausgeschlossen

Von ursprünglich acht Bewerbern der „Alternative für Deutschland“ (AfD) wurde ein Kandidat bereits nicht zugelassen. Thomas Lukas Schubert, vorgesehen für den Wahlbezirk „Bürgerhaus“, erfüllte nach Angaben von Wahlleiter Bürgermeister Dr. Martin Michalzik (CDU) nicht die gesetzlichen Voraussetzungen, da er keinen Wohnsitz in Wickede (Ruhr) hatte und damit nicht wählbar war.

Der formale Mangel konnte nicht nachträglich behoben werden. Der Wahlausschuss lehnte den Wahlvorschlag deshalb einstimmig ab. – Sven Teschner als Vertrauensperson der AfD vor Ort akzeptierte die Entscheidung.

Mehr als 20 Prozent bei Bundestagswahl

Eine mögliche Ratsfraktion hängt vom Wahlausgang ab. – Bei der Bundestagswahl am 23. Februar 2025 erzielte die AfD in Wickede (Ruhr) mehr als 20 Prozent der Stimmen – ein im kreisweiten Vergleich überdurchschnittlich hoher Wert.

Rechtliche Grundlage für die Kandidatur

Die Gemeindeverwaltung verweist auf die gesetzlichen Vorgaben: Nach Paragraf 12 des nordrhein-westfälischen Kommunalwahlgesetzes ist jede wahlberechtigte Person wählbar, die das 18. Lebensjahr vollendet hat, seit mindestens drei Monaten im Wahlgebiet wohnt und nicht durch einen Richterspruch die Wählbarkeit verloren hat.

Laut Verwaltung keine rechtlichen Ausschlussgründe

Im Fall von Koerdt hat es nach Angaben der Verwaltung keine rechtlichen Ausschlussgründe gegeben. „Die Vorprüfung aller eingegangenen Wahlvorschläge hat ergeben, dass ein Ausschluss von der Wählbarkeit nur bei einem Kandidaten vorlag, der seinen Wohnsitz nicht in Wickede (Ruhr) hatte. Bei den übrigen Bewerbungen gab es keine Hinderungsgründe“, teilte ein Sprecher des Rathauses mit.

Der Wahlausschuss habe daher auch den Wahlvorschlag von Roy Koerdt zugelassen (wir berichteten).

Einzug in den Rat auch ohne Fraktion möglich

Koerdt kandidiert als Direktkandidat und steht zudem auf Platz 3 der AfD-Reserveliste. Er könnte damit auf zwei Wegen in den Gemeinderat einziehen: Entweder über ein Direktmandat in seinem Wahlbezirk oder – falls die AfD insgesamt genügend Stimmen erhält – über die Reserveliste.

In beiden Fällen wäre er auch ohne Fraktionszugehörigkeit voll stimmberechtigtes Mitglied des Gemeinderats.

Als fraktionsloser Ratsherr hätte er allerdings geringere Einflussmöglichkeiten in den Ausschüssen und keinen Anspruch auf die finanziellen und organisatorischen Unterstützungsleistungen, die nur Fraktionen zustehen – etwa eigene Fraktionszuschüsse, Geschäftsstellen oder zusätzliche Rede- und Mitwirkungsrechte.

ANDREAS DUNKER für „wickede.ruhr HEIMAT ONLINE“

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Teil eines AfD-Wahlplakates am Bahnhof in Wickede FOTO: ANDREAS DUNKER
Teil eines AfD-Wahlplakates am Bahnhof in Wickede FOTO: ANDREAS DUNKER

Zugelassene AfD-Direktkandidaten (mit Wahlbezirken) im Überblick:

Tim Jannis Bronheim (Echthausen – Gemeindehalle) – Jg. 2001, Video-Techniker

Torsten Diers (Engelhard-Grundschule – Altbau) – Jg. 1976, Service-Techniker

Roy Koerdt (Engelhard-Grundschule – Neubau) – Jg. 1963, Rentner

Jessica Teschner (Wimbern – Senioren-Zentrum St. Raphael) – Jg. 1986, Buchhalterin

Sven Teschner (Bauhof „In der Eike“) – Jg. 1980, Handelsfachwirt und Unternehmer (Spitzenkandidat und Sprecher vor Ort)

Nikolaj Tinis (Sekundarschule – Forum) – Jg. 1992, Kfz-Mechaniker 

Roland Waltemate (Sekundarschule – Altbau) – Jg. 1963, Berufskraftfahrer

Sven Teschner tritt als AfD-Spitzenkandidat bei der Kommunalwahl in Wickede (Ruhr) an. ARCHIVFOTO: ANDREAS DUNKER
Sven Teschner tritt als AfD-Spitzenkandidat bei der Kommunalwahl in Wickede (Ruhr) an. ARCHIVFOTO: ANDREAS DUNKER