Hilfe im Notfall

Mehr Defibrillatoren für Wickede (Ruhr) – aber die bisherigen wurden nie eingesetzt

11. Juni 2026

WICKEDE (RUHR).
Die Gemeinde Wickede (Ruhr) will die Zahl rund um die Uhr erreichbarer Defibrillatoren deutlich erhöhen. Bislang sind im Gemeindegebiet nur zwei Geräte ganzjährig jederzeit öffentlich zugänglich: ein Defibrillator am Rathaus und ein Gerät am Feuerwehrgerätehaus in Wimbern. Mittelfristig sollen neun Defibrillatoren im Außenbereich zur Verfügung stehen.

Die Gemeinde Wickede (Ruhr) teilte auf Anfrage unseres lokalen Nachrichten-Portals „wickede.ruhr HEIMAT ONLINE“ am Donnerstag (11. Juni 2026) mit: Ihren ersten Defibrillator schaffte die Kommune bereits 2008 für das Freibad an. Inzwischen besitzt sie zwölf Geräte in und an öffentlichen Einrichtungen. Seit der ersten Anschaffung vor 18 Jahren kam nach Angaben der Verwaltung keiner der gemeindeeigenen Defibrillatoren zum Einsatz.

Über das Vorhaben berät zunächst der Ausschuss für Bildung, Soziales, Kultur, Generationen und Sport am Mittwoch, 17. Juni 2026. Am Donnerstag, 18. Juni 2026, folgt der Haupt- und Finanzausschuss. Die Entscheidung trifft der Rat am Dienstag, 23. Juni 2026.

Die Verwaltung schlägt vor, zwei vorhandene Defibrillatoren aus Gebäuden nach draußen zu verlegen: das Gerät aus der Gerken-Sporthalle im Hövel und das Gerät aus der Gemeindehalle in Echthausen. Zusätzlich sind neue Außengeräte an mehreren Standorten geplant.

Wo neue Geräte hängen sollen

Fünf weitere Standorte nennt die Verwaltung für neue Außengeräte: die Kapelle in Schlückingen, den Reiterhof Arndt in Wiehagen, das neue Feuerwehrgerätehaus in Echthausen sowie die Sportheime der Anlagen „Im Ohl“ in Wickede und in Echthausen.

Der Ausbau soll schrittweise laufen.Für 2026 stehen dafür 7.128 Euro im Haushalt der Gemeinde zur Verfügung.

Damit könnte die Gemeinde zunächst die Geräte aus der Gerken-Sporthalle und der Gemeindehalle Echthausen nach draußen verlegen. Außerdem wäre ein weiteres Außengerät für Schlückingen oder Wiehagen möglich.

Für die übrigen Standorte müsste die Gemeinde zusätzliche Mittel im Haushalt 2027 einplanen.

Ein konkreter Gesamtzeitplan für alle neun Außengeräte geht aus der Vorlage bislang nicht hervor.

Bisher nur zwei Geräte jederzeit erreichbar

Ganzjährig rund um die Uhr öffentlich erreichbar sind bisher zwei Defibrillatoren im Gemeindegebiet: ein Gerät am Rathaus und ein Gerät am Feuerwehrgerätehaus in Wimbern. Letzteres gehört dem Dorf-Verein.

Nach dem geplanten Ausbau sollen insgesamt zehn Defibrillatoren in Gebäuden und neun Defibrillatoren im Außenbereich vorhanden sein.

Die Verwaltung strebt damit eine möglichst flächendeckende Versorgung im Gemeindegebiet an.

Warum nicht alle Geräte nach draußen kommen

Derzeit stehen zwölf Defibrillatoren in Einrichtungen der Gemeinde Wickede (Ruhr). Sie hängen unter anderem in Schulen, Sporthallen, Kindergärten, im Freibad, in der Bücherei im Bahnhof, im Rathaus und im Bürgerhaus.

Nicht jedes Gerät soll nach draußen. Die Verwaltung begründet das mit den Betriebszeiten: In Schulen, Kindertagesstätten, Sport- und Veranstaltungshallen müssten Defibrillatoren während des Betriebs schnell und witterungsunabhängig im Gebäude erreichbar bleiben.

Außengeräte brauchen zudem beheizte Schutzgehäuse und Stromanschlüsse. Nur so sollen sie auch bei niedrigen Temperaturen funktionsfähig bleiben.

Was der Ausbau kostet

Wenn die Gemeinde einen vorhandenen Defibrillator nach draußen verlegt, rechnet sie mit rund 600 Euro für ein Schutzgehäuse. Hinzu kommen je nach Standort bis zu 500 Euro für den Stromanschluss.

Ein neuer Defibrillator mit Schutzgehäuse kostet rund 2.500 Euro. Auch hier kommen die Anschlusskosten hinzu. Außerdem müssen alle Geräte alle zwei Jahre gewartet werden. Dafür kalkuliert die Verwaltung bis zu 350 Euro je Gerät.

ANDREAS DUNKER für „wickede.ruhr HEIMAT ONLINE“

Kommentar: Defibrillatoren brauchen mehr als einen guten Standort

Ein Defibrillator rettet kein Leben, nur weil er außen an einem Gebäude hängt. Er kann Leben retten, wenn ihn im Ernstfall jemand findet, holt und einsetzt.

Genau darum geht es in Wickede (Ruhr). Die Gemeinde will mehr Geräte rund um die Uhr zugänglich machen.

Bemerkenswert bleibt die bisherige Bilanz dennoch: Seit die Kommune 2008 ihren ersten Defibrillator für das Freibad angeschafft hat, wurde nach Angaben der Verwaltung bislang keines der inzwischen zwölf kommunalen Geräte eingesetzt.

Das klingt erstaunlich, spricht aber nicht gegen die Geräte.

Ein Defibrillator ist Notfalltechnik. Er kann viele Jahre unbenutzt bleiben und trotzdem im entscheidenden Moment lebenswichtig sein.

Bei Herzstillstand zählen Minuten. Dann hilft kein Gerät, das eingeschlossen, schlecht ausgeschildert oder nur wenigen Eingeweihten bekannt ist.

Der geplante Ausbau auf mehr rund um die Uhr erreichbare Außengeräte ist deshalb richtig. Aber die Gemeinde darf daraus kein reines Anschaffungsprogramm machen. Neue Kästen, Stromanschlüsse und Wartung reichen nicht.

Jeder Standort muss sichtbar sein. Jedes Gerät muss der Leitstelle gemeldet, in Defibrillator-Apps eingetragen und regelmäßig überprüft werden.

Auch die Bürger müssen wissen, was im Ernstfall zu tun ist: 112 rufen, sofort mit der Herzdruckmassage beginnen und, wenn weitere Helfer da sind, einen Defibrillator holen lassen. Die Geräte sind für Laien gemacht. Man darf sie benutzen.

Dazu braucht es nicht nur Technik, sondern Menschen, die schnell handeln. Corhelper sind registrierte Ersthelfer, die bei einem vermuteten Herz-Kreislauf-Stillstand per App alarmiert werden können, wenn sie in der Nähe sind. Sie können mit der Herzdruckmassage beginnen, einen Defibrillator holen oder anwenden und so die entscheidenden Minuten bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes überbrücken.

Defibrillatoren und Corhelper gehören zusammen. Das eine ist die Technik. Das andere sind Menschen, die helfen können, bevor der Rettungsdienst da ist.

Beides braucht Wickede, wenn Notfallvorsorge auf kommunaler Ebene besser werden soll.

Die bisherige Bilanz stellt den Ausbau deshalb nicht infrage. Sie macht nur deutlich: Wer Defibrillatoren aufstellt, muss auch dafür sorgen, dass sie im Ernstfall gefunden, verstanden und eingesetzt werden. Und die Gemeinde muss Menschen gewinnen, die im Ernstfall helfen.

Am Ende rettet nicht die Zahl der Geräte. Am Ende rettet der Mensch, der schnell genug handelt.

ANDREAS DUNKER für wickede.ruhr HEIMAT ONLINE

Ein Defibrillator – hier im Foyer des Bürgerhauses an der Kirchstraße in Wickede – kann im Notfall Leben retten. Die Gemeinde will mehr Geräte rund um die Uhr öffentlich zugänglich machen. Nach Angaben der Verwaltung wurde allerdings bislang keiner der seit 2008 von ihr beschafften Defibrillatoren tatsächlich für einen Notfall eingesetzt. ARCHIVFOTO: ANDREAS DUNKER.
Ein Defibrillator – hier im Foyer des Bürgerhauses an der Kirchstraße in Wickede – kann im Notfall Leben retten. Die Gemeinde will mehr Geräte rund um die Uhr öffentlich zugänglich machen. Nach Angaben der Verwaltung wurde allerdings bislang keiner der seit 2008 von ihr beschafften Defibrillatoren tatsächlich für einen Notfall eingesetzt. ARCHIVFOTO: ANDREAS DUNKER.