Kreditverschuldung der Kommune

Gemeinde Wickede (Ruhr) rechnet 2026 mit Kreditzinsen von fast einer Million Euro

25. September 2026

WICKEDE (RUHR).
Die Investitionskredite der Gemeinde sind seit Jahresbeginn zwar um rund 1,25 Millionen Euro gesunken. Trotzdem stieg die gesamte Kreditverschuldung bis Ende August um 4,75 Millionen Euro. Ausschlaggebend dafür war ein neuer Liquiditätskredit in Höhe von sechs Millionen Euro. Für 2026 rechnet die Verwaltung zugleich mit 983.000 Euro Kreditzinsen – rund 61 Prozent mehr als 2025. Sollte die Hochrechnung eintreffen, wäre dies der höchste Wert der seit 2022 ausgewerteten Jahre.

Grundlage dieses Beitrags sind mehrere schriftliche Antworten von Kämmerer Christian Wiese und seinem Stellvertreter Hendrik Beckmann aus dem Fachbereich Finanzen und Liegenschaften auf eine Anfrage unseres lokalen Nachrichten-Portals „wickede.ruhr HEIMAT ONLINE“.

Zwei unterschiedliche Arten von Krediten

Vorab zum besseren Verständnis:

Investitionskredite finanzieren längerfristige Anschaffungen und Bauvorhaben – etwa Gebäude, Straßen, Kanäle oder Fahrzeuge.

Liquiditätskredite sichern die Zahlungsfähigkeit einer Kommune, wenn fällige Auszahlungen vorübergehend nicht aus vorhandenen Zahlungsmitteln geleistet werden können. Sie werden umgangssprachlich auch Kassenkredite genannt und sind etwa mit dem Dispokredit eines privaten Girokontos vergleichbar.

Mit „Kreditverschuldung“ ist in diesem Beitrag ausschließlich die Summe dieser beiden Kreditarten gemeint. Andere Verbindlichkeiten und Rückstellungen der Gemeinde sind darin nicht enthalten. Und: Guthaben, Forderungen und Vermögenswerte werden von der Kreditsumme nicht abgezogen.

Kreditverschuldung steigt auf 36,23 Millionen Euro

Zum 31. August 2026 bestanden Investitionskredite von 30.169.159 Euro und Liquiditätskredite von 6.059.091 Euro. Zusammen ergibt das eine Kreditverschuldung von 36.228.250 Euro.

Ende 2025 waren es insgesamt 31.482.049 Euro. Davon entfielen 31.422.958 Euro auf Investitionskredite und lediglich 59.091 Euro auf Liquiditätskredite.

Seitdem sanken die Investitionskredite durch Rückzahlungen, sogenannte Tilgungen, um rund 1,25 Millionen Euro. Zugleich nahm die Gemeinde am 23. Juli 2026 einen neuen Liquiditätskredit von sechs Millionen Euro auf. Dadurch stieg die gesamte Kreditverschuldung unter dem Strich um 4.746.201 Euro beziehungsweise 15,1 Prozent.

Fast 69 Prozent mehr Kreditverschuldung als Ende 2022

Ende 2022 hatte die Kreditverschuldung 21.456.657,63 Euro betragen. Bis Ende 2025 stieg sie um 10,03 Millionen Euro oder 46,7 Prozent. In den ersten acht Monaten des Jahres 2026 kamen weitere 4,75 Millionen Euro hinzu. Der Stand vom 31. August 2026 lag damit rund 14,77 Millionen Euro oder 68,8 Prozent über dem Jahresendwert von 2022.

Als Ausgangswert dient allerdings der niedrigste Jahresendstand der vorliegenden Reihe seit 2013. Ende 2017 waren es nach früheren Gemeindeangaben und veröffentlichten Haushaltsdaten bereits 28,95 Millionen Euro gewesen. Der aktuelle Zwischenstand liegt dennoch über allen Jahresendwerten der vorliegenden Reihe seit 2013. Ein unmittelbarer Jahresendvergleich ist erst nach Abschluss des Haushaltsjahres 2026 möglich.

Zinsbelastung steigt voraussichtlich auf 983.000 Euro

Für 2026 rechnet die Verwaltung mit 983.000 Euro Kreditzinsen. Davon entfallen nach ihrer Hochrechnung 888.000 Euro auf Investitionskredite und 95.000 Euro auf Liquiditätskredite.

Beim Beschluss des Haushalts waren für sämtliche Kreditzinsen noch rund 888.000 Euro vorgesehen. Nach der neuen Hochrechnung wird dieser Betrag nun bereits allein für die Investitionskredite erwartet. Die Zinsen für Liquiditätskredite kommen hinzu.

Im Jahr 2022 belief sich die tatsächliche Zinsbelastung auf 396.327 Euro. Im Jahr 2023 sank sie zunächst auf 359.848 Euro; 2024 stieg sie auf 510.564 Euro und 2025 auf 611.886 Euro. Sollte die Hochrechnung eintreffen, lägen die Zinsen 2026 rund 371.000 Euro oder 61 Prozent über dem Vorjahreswert. Gegenüber 2022 wären es knapp 587.000 Euro oder rund 148 Prozent mehr.

Über alle bestehenden Investitionskredite hinweg liegt der Durchschnittszins – gewichtet nach der jeweils noch offenen Kreditsumme – nach Angaben der Verwaltung derzeit bei 2,48 Prozent. Für den Liquiditätskredit nennt sie 2,87 Prozent.

Annahmen der Zinsprognose bleiben teilweise offen

Die Zinsprognose beruht nach Angaben der Verwaltung auf den Zins- und Tilgungsplänen der bestehenden Kredite sowie auf geschätzten Zinsen für weitere Kreditaufnahmen. Welche Kreditsummen und Aufnahmezeitpunkte sie dabei voraussetzt und welchen Zinssatz sie für die einzelnen Neuaufnahmen ansetzt, teilte die Verwaltung auch auf Nachfrage nicht mit. Die Hochrechnung lässt sich anhand der vorliegenden Angaben deshalb nicht vollständig nachvollziehen.

Das ist besonders relevant, weil die Gemeinde bis zum 31. August noch keinen neuen Investitionskredit aufgenommen hatte und zugleich erklärt, die Höhe der weiteren Investitionskreditaufnahme bis zum Jahresende sei derzeit nicht absehbar.

Bei Kreditvolumina von rund 2,44 Millionen Euro im Jahr 2027 und 2,46 Millionen Euro im Jahr 2028 laufen Zinsbindungen aus oder Fälligkeiten an. Soweit verbleibende Restschulden weiterfinanziert werden müssen, können dafür neue Zinskonditionen gelten. Das birgt ein Zinsänderungsrisiko, bedeutet aber nicht automatisch zusätzliche Schulden. Für 2029 laufen nach Angaben der Verwaltung derzeit keine Zinsbindungen aus.

Alte Prognose von knapp 41 Millionen Euro gilt nicht mehr

Beim Haushaltsbeschluss lag der Planung für Ende 2026 noch eine Kreditverschuldung von knapp 41 Millionen Euro zugrunde. Rund 36,7 Millionen Euro sollten auf Investitionskredite und knapp vier Millionen Euro auf Liquiditätskredite entfallen. Diese Prognose gilt nach Auskunft der Verwaltung nicht mehr.

Einen neuen Gesamtbetrag oder zumindest eine Bandbreite nannte sie auch auf erneute Nachfrage nicht. Eine mögliche Umschuldung – also die Ablösung eines Kredits durch einen anderen – erschwert zwar die Vorhersage, wie sich die Kreditverschuldung auf beide Kreditarten verteilt. Für sich genommen verändert sie aber nicht deren Gesamtsumme.

Auch für die Jahre 2027 bis 2029 nennt die Verwaltung noch keine aktualisierte Prognose. Der Haushaltsentwurf für 2027 soll am 8. Dezember 2026 in den Rat eingebracht werden.

Gewerbesteuer bleibt mehr als 4,5 Millionen Euro unter Plan

Der Liquiditätsdruck entsteht vor dem Hintergrund einer erheblich verschlechterten Haushaltslage. Die Gewerbesteuer – eine der wichtigsten Einnahmequellen der Gemeinde – sollte 2026 ursprünglich 11,5 Millionen Euro einbringen. Inzwischen rechnet die Verwaltung mit weniger als sieben Millionen Euro. Nach ihren Angaben wirkt sich der Ausfall unmittelbar auf die Gemeindekasse aus

Schon der ursprüngliche Finanzplan 2026, der als Teil des Haushaltsplans die erwarteten Ein- und Auszahlungen abbildet, ging davon aus, dass aus der laufenden Verwaltung 3,958 Millionen Euro mehr abfließen als eingehen. Beckmann stellte klar, dass dies der ursprüngliche Planwert und keine aktualisierte Hochrechnung nach dem Gewerbesteuer-Rückgang ist. Der Betrag beschreibt deshalb nicht den aktuellen Zahlungsmittelbedarf und darf auch nicht zur Gewerbesteuer-Lücke addiert werden.

Ein solcher Zahlungsmittelbedarf bedeutet, dass für laufende Zahlungen weniger Geld eingeht, als ausgegeben werden muss. Er ist nicht mit dem Jahresfehlbetrag gleichzusetzen. Dieser bezeichnet den buchhalterischen Verlust eines Haushaltsjahres, bei dem die Aufwendungen über den Erträgen liegen. Ebenso wenig darf eine dieser Größen einfach zur Kreditverschuldung addiert werden.

Rückkehr der Liquiditätskredite

Der neue Liquiditätskredit markiert eine deutliche Veränderung. Von Ende 2018 bis Ende 2025 lagen die entsprechenden Jahresendbestände jeweils unter 100.000 Euro. Allerdings hatte die Gemeinde bereits von 2013 bis 2017 zum Jahresende jeweils neun bis zehn Millionen Euro an Liquiditätskrediten ausgewiesen. Der aktuelle Bestand von 6.059.091 Euro ist daher kein Höchststand der vorliegenden Reihe seit 2013, aber die Rückkehr einer über Jahre weitgehend abgebauten Liquiditätsverschuldung.

Auch 2025 nahm die Gemeinde Liquiditätskredite über insgesamt 2,2 Millionen Euro auf, zahlte diese jedoch innerhalb desselben Jahres vollständig zurück. Ob der neue Kredit aus späteren Einzahlungen zurückgezahlt wird, als Liquiditätskredit bestehen bleibt oder teilweise nur der Zwischenfinanzierung von Investitionen diente und deshalb durch Investitionskredite abgelöst werden kann, sagt die Verwaltung derzeit nicht.

Eine solche Ablösung würde auch lediglich die Kreditart verändern und die gesamte Kreditverschuldung für sich genommen nicht senken.

Investitionskredite seit 2022 um 41 Prozent gestiegen

Der Bestand der Investitionskredite erhöhte sich von 21,38 Millionen Euro Ende 2022 auf 31,42 Millionen Euro Ende 2025. Bis Ende August 2026 sank er durch Tilgungen auf 30,17 Millionen Euro. Gegenüber Ende 2022 verbleibt damit ein Anstieg um rund 8,79 Millionen Euro oder 41,1 Prozent.

Als größere Investitionsbereiche nennt die Verwaltung die Feuerwehr einschließlich mehrerer Fahrzeuge, das Bürgerhaus sowie den Straßen- und Kanalbau. Welcher Kreditanteil auf die einzelnen Projekte entfällt, geht aus ihren Antworten nicht hervor.

Im Jahr 2025 nahm die Gemeinde 7.205.000 Euro an Investitionskrediten auf und leistete Tilgungen von 1.850.003 Euro. Der Kreditbestand stieg tatsächlich um 5.334.153 Euro. Die Differenz von 20.844 Euro erklärt die Verwaltung mit einer zusätzlichen Tilgung, die das Land über das Förderprogramm „Gute Schule 2020“ übernahm.

Bis zum 31. August 2026 hatte die Gemeinde keine neuen Investitionskredite aufgenommen und 1.253.800 Euro getilgt. Die vom Rat beschlossene Haushaltssatzung 2026 enthält eine Kreditermächtigung von bis zu 7,798 Millionen Euro. Diese Ermächtigung ist lediglich eine Obergrenze und bedeutet nicht, dass die Gemeinde das Geld tatsächlich vollständig aufnimmt. Wie viel davon bis zum Jahresende benötigt wird, ist nach Angaben der Verwaltung noch nicht absehbar.

Defizite schränken Handlungsspielraum ein

Nach dem vorläufigen Abschlussstand weist das Jahr 2025 einen Fehlbetrag von rund 2,27 Millionen Euro aus – etwa 883.000 Euro mehr als geplant. Für 2026 rechnet die Verwaltung mit einem Jahresfehlbetrag von knapp 6,9 Millionen Euro.

Als Reaktion auf die verschlechterte Finanzlage gilt inzwischen eine haushaltswirtschaftliche Sperre im Umfang von 800.000 Euro. Sie blockiert zunächst geplante Ausgaben unter anderem für Straßen und Wege, Schulen und den Breitbandausbau. Ob daraus Einsparungen in gleicher Höhe entstehen oder Ausgaben lediglich verschoben werden, steht damit noch nicht fest.

Für 2027 rechnet die Verwaltung mit einem Haushaltssicherungskonzept. Das ist ein von der Kommunalaufsicht zu genehmigender Plan, mit dem die Gemeinde ihren Haushalt wieder ausgleichen soll. Welche konkreten Maßnahmen Wickede darin ergreifen müsste, steht noch nicht fest. Grundsätzlich kann ein solches Konzept Ausgabenkürzungen sowie höhere Steuern oder Gebühren enthalten.

Die steigenden Zinsen engen den finanziellen Spielraum zusätzlich ein: Geld, das für Kreditzinsen benötigt wird, steht nicht für andere kommunale Aufgaben zur Verfügung.

ANDREAS DUNKER für „wickede.ruhr HEIMAT ONLINE“

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Quellen: Grundlage dieses Beitrags sind mehrere schriftliche Antworten von Kämmerer Christian Wiese und seinem Stellvertreter Hendrik Beckmann aus dem Fachbereich Finanzen und Liegenschaften auf eine Anfrage unseres lokalen Nachrichten-Portals „wickede.ruhr HEIMAT ONLINE“ im September 2026; Haushaltsplan 2026 der Gemeinde Wickede (Ruhr); festgestellte Jahresabschlüsse und von der Gemeinde bestätigte Kreditstände; frühere, auf Gemeindeangaben und veröffentlichten Haushaltsdaten beruhende redaktionelle Zeitreihe; Gemeindeordnung Nordrhein-Westfalen; Kommunalhaushaltsverordnung Nordrhein-Westfalen