Schulweg und Verkehrslärm an der Nordstraße in Wickede

Anwohner startet Petition für Tempo 30 und weitere Maßnahmen

2. November 2026

WICKEDE (RUHR).
Gordon P. Ries sammelt seit Sonntag, 1. November, Unterschriften für Tempo 30 auf der gesamten Nordstraße. Der Anwohner will 500 Unterschriften zusammenbringen und sie dem Wickeder Bürgermeister Alexander Heine (CDU) übergeben. Die Gemeinde misst derweil bereits die Geschwindigkeit im Bereich der Nordstraße. Die Daten will sie in den nächsten Wochen auswerten, sagte Daniel Luig vom Wickeder Ordnungsamt am Montag (2. November 2026) auf Anfrage unseres lokalen Nachrichten-Portals „wickede.ruhr HEIMAT ONLINE“.

Am Bauhof überqueren Kinder aus dem Wohngebiet „An der Chaussee“ die Nordstraße auf dem Weg zu den beiden kommunalen Grundschulen. In der Siedlung oberhalb der Straße leben viele junge Familien. Seit es entstanden ist, überqueren mehr Schulkinder als früher die Nordstraße. Die Straße ist bislang allerdings keine Unfallhäufungsstelle.

Zebrastreifen, Mittelinsel oder Fußgängerampel und bessere Beleuchtung

Trotzdem wünscht sich Ries vorsorglich eine kurzfristige Prüfung, ob Tempo 30 möglich ist. Für einen barrierefreien Fußgängerübergang in Höhe des kommunalen Bauhofs sollen die Behörden unter anderem einen Zebrastreifen, eine Mittelinsel und eine Fußgängerampel vergleichen. Kinder sollen die Fahrbahn gut einsehen können. Ries fordert auch eine ausreichende Beleuchtung.

Heine zeigte sich am Montag etwas überrascht von der Petition. Bei den Bürgergesprächen an der Nordstraße habe er bereits erläutert, dass die Gemeinde an einem Konzept für sicherere Schulwege arbeite. Den Anstoß habe er selbst gegeben und das Vorgehen mit den Leiterinnen der Engelhard- und der Melanchthon-Grundschule abgestimmt. Wann genau das Konzept vorliegen soll, steht noch nicht fest.

Heine hat selbst beobachtet, wie Kinder am Bauhof die Straße überquerten. „Kinder gehen im Zweifel den kurzen statt den sicheren Weg“, sagte er erst kürzlich. Für November plante die Gemeinde eine Befragung, bei der Eltern auf Gefahrenstellen hinweisen können.

Warum Heine Bedenken gegen ein Durchfahrtsverbot hat

Die viel befahrene Nordstraße verbindet das Wickeder Oberdorf westlich der Kirchstraße und große Teile Wiehagens mit der Hauptstraße, der Ortsdurchfahrt der Bundesstraße 63. Auch Wiehagener Landwirte nutzen die Strecke. Müssten sie ausweichen, hätten sie nach Heines Einschätzung einen weiten Umweg. Zudem könnte sich Verkehr auf die Fröndenberger Straße verlagern.

Lastwagen und Traktoren sollen die Nordstraße nach dem Willen von Ries nicht mehr als Durchgangsstrecke nutzen dürfen. Notwendige Zufahrten will er offenhalten. Die Behörden sollen prüfen, ob dadurch mehr Verkehr auf benachbarte Wohnstraßen ausweichen würde.

Kommt ein ganztägiges Verbot nicht infrage, schlägt Ries ein Verbot zu bestimmten Tageszeiten vor. Ob es auch für weitere landwirtschaftliche Fahrzeuge und Arbeitsmaschinen gelten sollte, will er prüfen lassen.

Schulwegsicherheit, Wohnqualität und notwendige Verkehrsbedürfnisse miteinander vereinbaren

„Uns geht es um einen sachlichen, konstruktiven Dialog und um Lösungen, die Schulwegsicherheit, Wohnqualität und notwendige Verkehrsbedürfnisse miteinander vereinbaren“, schreibt Ries in seiner E-Mail an die Redaktion.

Über ein Tempolimit oder ein Durchfahrtsverbot entscheidet der Kreis Soest. Er ist in Wickede auch auf Gemeindestraßen wie der Nordstraße die zuständige Straßenverkehrsbehörde. Das Rathaus kann die Maßnahmen dort beantragen.

Für den Abschnitt am Bauhof kommt es unter anderem darauf an, ob sich dort mehrere Schulwege bündeln. Im unmittelbaren Bereich eines solchen hochfrequentierten Schulwegs kann der Kreis auch auf einer innerörtlichen Vorfahrtstraße streckenweise Tempo 30 anordnen, ohne eine besondere örtliche Gefahrenlage nachweisen zu müssen. Ob die Voraussetzungen am Bauhof erfüllt sind, müsste der Kreis prüfen.

Parkende Autos und die Sicht auf dem Schulweg

Bei drei Bürgergesprächen ging es um das Parken an der Nordstraße. Weiße Linien markieren inzwischen die Parkbuchten. Nach Heines persönlichem Eindruck fahren die Fahrzeuge seither langsamer. Die Ergebnisse der laufenden Messungen stehen noch aus.

Der Wickeder Tim Rieboldt schildert auf der Petitionsseite, wie er die Sichtverhältnisse einschätzt. „Die Straße wird durch viele Kinder als Schulweg genutzt und ist durch die parkenden Kraftfahrzeuge sehr unübersichtlich.“ Burkhard Konschak aus Wickede begründet seine Unterschrift mit den Worten „Wegen zu schneller Fahrweise“. 

Bei den ersten beiden Bürgergesprächen im September gingen die Meinungen über Tempo 30 auseinander. Wie die Gemeinde am 23. September auf Anfrage der Redaktion mitteilte, hielten Anwohner im oberen Straßenabschnitt ein solches Limit für wirkungslos. Anwohner anderer Abschnitte sprachen sich dafür aus. Damals lagen dem Rathaus bereits Ergebnisse einer verdeckten Geschwindigkeitsmessung aus dem Jahr 2024 vor.

Ries bittet zudem um Klärung, ob auf der Nordstraße früher Tempo 30 galt. Er beruft sich auf einen Hinweis aus der Nachbarschaft. Nach Kenntnis der Redaktion gab es dort in den vergangenen Jahrzehnten allerdings kein solches Tempolimit. Auch Luig kann sich an eine frühere Regelung nicht erinnern.

Was der Wickeder Lärmaktionsplan bisher erfasst

Ries will untersuchen lassen, wann es an der Nordstraße besonders laut ist und was ein niedrigeres Tempo, weniger Durchgangsverkehr oder ein besserer Fahrbahnbelag bewirken könnten. Die Gemeinde soll prüfen, ob sie die Straße in ihre Lärmaktionsplanung aufnimmt.

Der veröffentlichte Wickeder Lärmaktionsplan vom April 2024 behandelt die Ortsdurchfahrt der Bundesstraße B 63 und die B 7. Für die Nordstraße weist er keine eigenen Lärmwerte aus.

Ries regt außerdem eine Verkehrsschau mit Schule, Eltern und Anwohnern an. Falls nötig, sollen die Behörden einen befristeten Verkehrsversuch erwägen und die Lage vorher und nachher vergleichen.

Gespräche mit mehreren Nachbarn hätten ihn auf die Idee zur Petition gebracht, sagte Gordon P. Ries im Gespräch mit „wickede.ruhr HEIMAT ONLINE“. Am Montag, 2. November, lagen rund 50 Online-Unterschriften vor. Bis zum 30. April 2027 will Ries insgesamt 500 Unterschriften sammeln. Bürger können online oder auf Papier unterschreiben.

ANDREAS DUNKER für „wickede.ruhr HEIMAT ONLINE“

Blick auf die Nordstraße ARCHIVFOTO: ANDREAS DUNKER
Blick auf die Nordstraße ARCHIVFOTO: ANDREAS DUNKER