Ersatzbau für schmalen Steg an alter Eisenbahnbrücke

Gemeinde plant Brücken-Neubau für mindestens 7,5 Millionen Euro

24. September 2024

WICKEDE (RUHR).
Brücken sollen verbinden. Doch die Diskussion um die geplante Ersatzbrücke für den alten Steg an der Eisenbahnbrücke zwischen Echthausen und Wickede spaltet die Gemüter. Denn der Neubau soll deutlich mehr als sieben Millionen Euro kosten. Dabei hofft die Gemeinde Wickede (Ruhr) als Bauherr auf eine kräftige überörtliche Förderung. Doch derzeit ist noch völlig offen, ob es überhaupt Zuschüsse von Bund oder Land gibt und wie hoch diese gegebenenfalls ausfallen, wie eine ganz aktuelle Recherche unseres lokalen Nachrichten-Portals „wickede.ruhr HEIMAT ONLINE“ bei der Bezirksregierung Arnsberg ergeben hat. Dagegen blieben unsere Fragen zum Projekt an die Pressestelle des Rathauses der Gemeinde Wickede (Ruhr) bis Redaktionsschluss leider unbeantwortet.

Bürgermeister Dr. Martin Michalzik (CDU) und die kommunale Verwaltung jedenfalls halten die neue „Ruhrbogenbrücke“ für den innerörtlichen Fuß- und Radverkehr sowie als Teil der regionalen Route des „Ruhrtal-Radweges“ offenbar für „erforderlich und zukunftsweisend“. Den Ratsmitgliedern, die sich in den nächsten Tagen in mehreren Sitzungen mit dem Projekt befassen werden, empfehlen sie, die „umfangreichen fachlichen Planungen und weiteren Vorbereitungen (…) positiv zur Kenntnis“ zu nehmen und sich sogar bei allen beteiligten Stellen zu bedanken.

Inflationsbedingte Kostensteigerungen durch Zeitverzug vorbeugen

Wörtlich heißt es in einer Beschlussvorlage aus dem Rathaus: „Die zügige Fortsetzung der bauvorbereitenden Arbeiten ist geboten, um eine Fertigstellung des Bauwerks rechtzeitig vor Außerbetriebnahme des bisherigen Übergangs absehbar sicher zu stellen und inflationsbedingten Kostensteigerungen durch Zeitverzug vorzubeugen.“ – Offensichtlich haben die Verantwortlichen im Rathaus hier die finanziell erheblich negativen Folgen von Zeitverzögerungen bei anderen örtlichen Bau- und Sanierungsprojekten vor Augen, deren Kosten teilweise völlig aus dem Ruder gelaufen sind oder laufen.

Gemeinderat soll im Dezember über Freigabe der Ausschreibungen entscheiden,

Spätestens in der Dezember-Sitzung müsse der Gemeinderat dann über die Freigabe der Ausschreibungen für die großvolumigen Bauleistungen entscheiden, mahnt das Rathaus und macht Zeitdruck für die politische Entscheidung.

Zur Baugeschichte der bisherigen Brücke heißt es: Die Gemeinde Wickede (Ruhr) hatte 1970 auf der um 1880 errichteten Eisenbahnbrücke der „Oberen Ruhrtalbahn“, die von Echthausen nach Wickede führt, einen Gehweg mit darunter liegenden Abwasserrohren angelegt. Diese Konstruktion wurde an den nördlichen Enden der Brückenpfeiler montiert.

Schäden an dem Steg für Fußgänger und Fahrradfahrer werden immer schlimmer

Wörtlich heißt es dazu aus dem Rathaus: „Die Stahlkonstruktion sollte mindestens 80 Jahre bestandsfest sein, doch die örtlichen Umstände – warme Abwässer, Feuchtigkeit über dem Fluss, Frost, aus heutiger Sicht unzureichende Belüftung etc. – führten zu erheblicher Korrosion.“ – Zwar wurden die Abwasserrohre zwischen 2013 und 2017 unter der Ruhr verlegt, doch die Schäden an der Fußgänger- und Radfahrerbrücke blieben und verschlimmerten sich in der Folge sogar noch.

Statiker ist der Ansicht, dass die Brücke zum Ende des Jahres 2027 gesperrt werden muss

„Die jüngste Brückenprüfung zeigte laut Einschätzung des Prüfstatikers auf, dass die Konstruktion ,mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit‘ Ende 2027 für die Benutzung gesperrt werden muss“, heißt es aus dem Wickeder Rathaus. Statt einer Sanierung der alten, maroden Brücke schlägt Bürgermeister Dr. Martin Michalzik (CDU) jedoch einen parallelen Neubau etwa 20 Meter nördlich der bestehenden Brücke vor.

Neue Stahlbogenbrücke mit Zulauframpen und einer Breite von vier Metern

Die neue Stahlbogenbrücke mit Zulauframpen soll eine Breite von vier Metern erhalten und damit deutlich breiter werden als die heutige Fußgängerbrücke (zirka 1,7 Meter). Die Gemeinde begründet dies mit der „Forderung des Radverkehrskonzepts aus 2021, die Engstelle mit ihrem großen Konfliktpotenzial (teilweise Unfälle mit Verletzungen) bei der Begegnung von Radlern und Spaziergängern zu beseitigen“.

Rathaus bleibt Zahlen zu angeblich gravierenden Unfällen und Frequenz bisher schuldig

Zahlen zu gravierenden Unfällen auf der Brücke in den vergangenen Jahren hat die Verwaltung – trotz Nachfrage unserer Redaktion im Rathaus – bislang übrigens nicht vorgelegt.

Und die Kreispolizeibehörde Soest, die jährlich Unfallschwerpunkte in der Region benennt, hat die Brücke nicht als Problemstelle im Fokus, wie ein Sprecher am Dienstag (24. September 2024) auf Anfrage unseres lokalen Nachrichten-Portals „wickede.ruhr HEIMAT ONLINE“ erklärte. Er selbst kennt die Brücke von privaten Radtouren.

Belastbare Zahlen zur normalen Frequenz der Brücke und in Spitzenzeiten fehlen bisher leider

Ob es belastbare Zahlen darüber gibt, wie stark die Brücke von Fußgängern und Radfahrern frequentiert wird und auf wie viele Tage im Jahr sich die Spitzenbelastung verteilt, scheint bislang unklar. Dies dürften aber vermutlich nur Sonn- und Feiertage sowie Ferienzeiten bei schönem Wetter sein.

Der Autor dieses Beitrages musste jedenfalls an einem normalen Werktag trotz Sonnenscheins einige Zeit auf der Brücke warten, um ein Foto mit Radfahrer zu machen.

Fußgänger- und Radverkehr zwischen Echthausen und Wickede würde bei Neubau kaum beeinträchtigt.

Andere Argumente der Verwaltung für eine deutlich längere und breitere Brücke über den mehr als 120 Meter breiten hochwasserrelevanten Bereich der Ruhr sind jedoch plausibel. So würde der Fußgänger- und Radverkehr zwischen Echthausen und Wickede während der Bauzeit kaum beeinträchtigt. Denn zunächst könnte die alte Fußgängerbrücke weiter genutzt und nach Fertigstellung der neuen Brücke die alte Brücke abgerissen werden. Dieses müsse allerdings unter besonderen Schutzvorkehrungen erfolgen, „da die umbauten Rohre asbestfaserhaltig sind“.

Gemeinde befürchtet erhebliche Probleme mit der „DB Netz“

Gegen eine Erneuerung der bestehenden Brücke spricht aus Sicht der Gemeinde auch, dass die gesamte bestehende Brücke „aufwendig und teuer neu statisch erfasst und berechnet“ werden müsste, da alle bisher vorhandenen Pläne im Archiv der Bahn in Hagen durch ein Hochwasser vernichtet wurden. Wörtlich heißt es weiter: „Überdies muss berücksichtigt werden, dass die ‚DB Netz‘ Strecken und Bauwerke frei von sogenannten Nebenanlagen haben möchte. Insofern sind nicht nur die Dauer eines entsprechenden Verfahrens, sondern auch ein positiver Ausgang mehr als ungewiss.“

Breitere Brücke soll Begegnungsverkehr besser machen

Eine neue, vier Meter breite Brücke ermögliche zudem „einen sicheren Begegnungsverkehr sowie einen Räum- und Streudienst mit Maschineneinsatz im Winter“. – Ob es für die jetzige Stegbreite nicht auch kleinere Maschinen gibt, ließ die Verwaltung trotz Nachfrage unserer Redaktion leider bisher unbeantwortet.

Bürgermeister Dr. Martin Michalzik (CDU) sieht Kosten als wichtiges Entscheidungskriterium

Zum wichtigen Entscheidungskriterium der Kosten stellen Bürgermeister Dr. Martin Michalzik (CDU) und die Verwaltung in ihrem Text fest: „Ein reiner Ersatzbau an gleicher Stelle würde nicht gefördert, da er keine Verbesserung bedeuten würde. Der gemeindliche Aufwand würde voraussichtlich einem Finanzmitteleinsatz gleichkommen, den der Eigenanteil an einer neuen, geförderten Brücke absehbar bedeutet. Auch der Rückbau des Altsteges kann dann gefördert werden.“

Haushalt 2025 plant mit voraussichtlichem Gesamtaufwand von 7,3 Millionen Euro für Projekt

Weiter heißt es in dem Dokument: „Der Entwurf für den Haushalt 2025 plant mit einem voraussichtlichen Gesamtaufwand von 7,3 Millionen Euro für das Projekt und mit einer Förderung in Höhe von 6,1 Millionen Euro. Bereits für Planungskosten aufgewendet wurden 184.000 Euro. Grundlage für die eigene Förderberechnung sind die aktuell veröffentlichten und für Radwegebau einschlägigen Programme auf Landesebene.“ – Die bisher geplanten Gesamtkosten belaufen sich damit in Summe auf knapp 7,5 Millionen Euro.

Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr sieht grundsätzliche Förderfähigkeit

Die Pressestelle der Bezirksregierung Arnsberg bestätigt auf Anfrage unseres lokalen Nachrichten-Portals „wickede.ruhr HEIMAT ONLINE“, dass für den „Ersatzneubau der Radwegbrücke Echthausen“ fristgerecht ein Antrag auf finanzielle Bezuschussung nach den Förderrichtlinien „Nahmobilität“ eingegangen ist. Und berichtet weiter: „Das Ergebnis des kürzlich stattgefundenen Einplanungsgesprächs für das Nahmobilitätsprogramm 2025 mit dem Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr war, dass eine grundsätzliche Förderfähigkeit gegeben ist.“

Zum jetzigen Zeitpunkt keine verbindlichen Aussagen zur Programmaufnahme, zum Fördersatz oder zur Fördersumme

Allerdings betont die Bezirksregierung Arnsberg auch: „Da der Haushalt für das kommende Jahr jedoch noch nicht verabschiedet ist, können zum jetzigen Zeitpunkt keine verbindlichen Aussagen zur Programmaufnahme, zum Fördersatz oder zur Fördersumme mitgeteilt werden.“

Trotz dieser finanziellen Unsicherheit sind die Planungen und Vorarbeiten bereits weit fortgeschritten. Unter anderem wurden bereits notwendige Grundstückskäufe getätigt.

Kommune setzt auf regionale Bedeutung der Brücke für den Ruhrtal-Radweg

Angesichts der regionalen Bedeutung der Brücke für den Ruhrtal-Radweg hofft die Kommune aber auf das Wohlwollen und eine entsprechende Förderung in Millionenhöhe durch die nordrhein-westfälische Landesregierung. Da es in der näheren Umgebung keine andere Möglichkeit gibt, den Fluss zu überqueren, sieht Wickede (Ruhr) hier eine große Chance für eine finanzielle Förderung.

Wörtlich heißt es in der Beschlussvorlage: „Die wasserrechtliche Genehmigung (die inzwischen vorliegt, Anm. d. Red.) ist zugleich der Schlüssel für den Antrag der Gemeinde auf eine Förderung des Vorhabens durch Mittel für die Nah- und/oder Radmobilität aus geeigneten Programmen von Bund und Land. Nur mit dieser Förderung ist das Projekt für die Gemeinde finanziell zu bewältigen.“

Regierungspräsident Heinrich Böckelühr (CDU) will keine „Rahmedetalbrücke 2.0“

Und da – unter Berücksichtigung von Hochwasser- und Brutzeiten – mit einer Bauzeit von rund zwei Jahren gerechnet wird, drängt die Zeit. Denn eine „Rahmedetalbrücke 2.0“ – wie der Arnsberger Regierungspräsident Heinrich Böckelühr (CDU) kürzlich bei einem Besuch in der Ruhrgemeinde augenzwinkernd bemerkte – soll es in Wickede nicht geben.

Was passiert, wenn die erhofften hohen überörtlichen Fördermittel ausbleiben?

Offen ist allerdings, was passiert, wenn die erhofften hohen überörtlichen Fördermittel von Bund und/oder Land ausbleiben oder geringer ausfallen als erwartet. Und genau an dieser finanziellen Frage scheiden sich die Geister von Befürwortern und Kritikern des kommunalen Millionenprojekts. Die Diskussionen in den öffentlichen Sitzungen des Gemeinderates und seiner Ausschüsse in diesen Tagen dürften also spannend werden.

ANDREAS DUNKER für „wickede.ruhr HEIMAT ONLINE"

Bisherige Brücke (Steg an der alten Eisenbahnbrücke):

Länge: 80,8 Meter
Breite: 1,7 Meter

Baujahr(e):
1880 (Eisenbahnbrücke)
1970 (Steg für Fußgänger und Fahrradfahrer)

Ein Radfahrer auf dem jetzigen Steg an der Eisenbahnbrücke zwischen Echthausen und Wickede FOTO: ANDREAS DUNKER
Ein Radfahrer auf dem jetzigen Steg an der Eisenbahnbrücke zwischen Echthausen und Wickede FOTO: ANDREAS DUNKER

Künftige Brücke:

Länge: 128 Meter
Breite: 4 Meter

Voraussichtliche Planungs- und Bauzeit:
zirka 24 Monate (2024 – 2027)

Geplante Kosten:
Zwischen 7,5 und 8 Millionen Euro*

* Die schriftlichen Angaben der Gemeindeverwaltung gegenüber unserer Redaktion variieren hier.

Der Video-Clip wurde extra im Zeitlupenmodus aufgenommen, um den Begegnungsverkehr der Fahrradfahrer besser zu sehen. VIDEO-CLIP: AD MEDIEN GMBH / ANDREAS DUNKER