Kritische Fragen zum neuen Millionen-Projekt der Gemeinde
24. September 2024
Wie viele schwere Unfälle gab es in den letzten fünf Jahren auf der Brücke und woher haben Sie diese Zahlen?
Eine Erfassung von Unfällen gibt es nicht, aber Berichte von Betroffenen/Augenzeugen zu Kollisionen und Blessuren bis hin zum Krankenwageneinsatz (Armbruch). Auch im Radverkehrskonzept der Gemeinde Wickede (Ruhr) wird ein Neubau vorgeschlagen, da die Brücke für den inzwischen stattfindenden Verkehr und Begegnungsverkehr als nicht ausreichend angesehen wird. Die technischen Regelwerke sehen hierfür eine Breite von 4,50 Meter vor (heute 1,70 Meter), die Reduzierung auf 4 Meter im Projekt bedeutet eine Baukosten-Ersparnis von zirka 200.000 Euro.
Sie wollen den Räum- und Streudienst auf der Brücke maschinisieren. Wie viele Räum- und Streueinsätze gab es durchschnittlich in den letzten fünf Jahren?
Keine Antwort aus dem Rathaus
Und ist es nicht möglich, eine Maschine für die Breite der bestehenden Brücke zu beschaffen und wie hoch wären die Kosten für eine solche Maschine?
Nein
Hat sich die Verwaltung diesbezüglich ausreichend informiert?
Ja, ein wirtschaftlicher Einsatz ist nur mit einem Gerät möglich, das auch an anderer Stelle eingesetzt werden kann. Wir beschaffen also kein Gerät für diese Brücke, sondern eine solche Konstruktion trägt auch ein Fahrzeug, das auch andere Gehwege räumt und streut.
Braucht eine 1:1-Sanierung (nur Austausch schadhafter Teile) überhaupt eine neue Baugenehmigung und/oder Statik? Bei einer Reparatur ist dies nicht notwendig, oder?
Die Brücke kann nicht repariert werden, da die Schäden an den tragenden Teilen konstruktiv bedingt sind. Ein baugleicher Ersatz ist daher weder sinnvoll noch nach heutigen technischen Standards und Normen möglich.
Gibt es eine Verkehrszählung zur die Nutzung der Brücke?
Nein, aber die intensive Nutzung der Brücke für den innerörtlichen Rad- und Fußgängerverkehr ist insbesondere im Sommer täglich zu beobachten und wird weder von der Kommunalpolitik noch von der Bezirksregierung bezweifelt.
Eine Zählstelle am Ruhrtal-Radweg in Neheim in Richtung Wickede registrierte in den vergangenen Jahren bis zu 145.000 Passagen.
Selbst wenn man davon ausgeht, dass ein Drittel ausschließlich auf den innerörtlichen Verkehr in Neheim entfällt, verbleibt ein überörtlicher Anteil von mindestens 80.000 Passagen. Hinzu kommt umgekehrt die innerörtliche Nutzung des Übergangs durch Einwohner der Gemeinde Wickede (Ruhr).
Und wie sehen die Zahlen aus? Handelt es sich um Durchschnitts- oder Spitzenwerte?
Es ist davon auszugehen, dass es hier starke Schwankungen zwischen stark frequentierten Tagen im Sommer und Tagen mit geringer Frequenz beispielsweise bei nassem Herbstwetter oder kaltem Winterwetter gibt.
Der Regierungspräsident hat gesagt, dass die Fördermittel für den Radverkehr teilweise nicht mehr beziehungsweise nicht mehr so üppig zur Verfügung stehen beziehungsweise für die nächsten Jahre unsicher sind. Wie kommt die Gemeinde dann dazu, mit einer so hohen Fördersumme zu kalkulieren?
Wir setzen den Wert an, der zum Zeitpunkt der Antragstellung in den einschlägigen Förderprogrammen als Förderung für solche Maßnahmen ausgewiesen ist. Das schließt derzeit leider nicht aus, dass der Fördermittelgeber das Verfahren ändert.
Ein Beispiel für solche politischen Änderungen war die bis 2023 ausgewiesene Förderung von Elektroautos, die kurzfristig von der Bundesregierung komplett gestrichen wurde.
Wie sieht die Alternativplanung aus, wenn keine ausreichend hohen Fördermittel zur Verfügung stehen?
Zunächst gilt es, sich für eine hohe Fördersumme einzusetzen. Ansonsten setzt die Gemeinde entweder einen höheren Eigenanteil ein oder der Rad- und Fußgängerverkehr zwischen Echthausen und Wickede – einschließlich Ruhrtal-Radweg – wird zukünftig vom Schloss Echthausen über die Landstraße unterhalb des Echthauser Waldes bis zur Bundesstraße 63 und von dort aus dann über die große Ruhrbrücke bis zur Radweg-Auffahrt gegenüber der Bäckerei-Filiale Niehaves an der Hauptstraße geführt. Die Wahrscheinlichkeit von Gefahrensituationen und Unfällen ist aufgrund fehlender Randstreifen, relativ geringer Straßenbreite, hoher Geschwindigkeiten der Autos und der Länge dieser gefährlichen Strecke als hoch bis sehr hoch einzustufen.
Ist noch ein „Balkon“ als Aussichtsplattform auf der Brücke geplant? Und wie ist diese Idee entstanden?
Es handelt sich um einen kleinen Vorsprung – eine sogenannte Kanzel – als ungestörte Aufenthaltsmöglichkeit für wenige Personen in Brückenmitte mit Aussicht in Richtung Norden (Stauwehranlage). Als Naturerlebnisort kann dies reizvoll sein. Die Idee wurde aufgrund positiver Erfahrungen an ähnlichen Stellen in anderen Orten eingebracht.
Was würde das kosten?
Das ergibt erst die Ausschreibung. Die Ausführung einer solchen Kanzel kann als optionales Los ausgeschrieben werden. Je nach Kostenumfang kann sich die Gemeinde dann dafür oder dagegen entscheiden.
Welche Folgekosten sind für die neue große Brücke zu erwarten (Brückenprüfungen, Wartung, Instandhaltung usw.)?
Eine Brückenprüfung findet alle sechs Jahre durch Fachfirmen statt. Dafür ist derzeit ein Betrag von rund 2.000 Euro zu veranschlagen.
Die Instandhaltungskosten sind im Voraus nicht kalkulierbar, da nicht bekannt ist, ob und wie sich beispielsweise Vandalismus oder Sturmschäden auswirken. In größeren Abständen wird aber insbesondere ein frischer Anstrich erforderlich sein.
Sind Kostensteigerungen im Laufe des Projektes zu befürchten?
Die veranschlagten Kosten wurden von Fachbüros ermittelt.
Natürlich können externe unvorhersehbare Umstände jedes Großprojekt kostenmäßig beeinflussen, beispielsweise Auswirkungen eines Krieges im Nahen Osten auf die Energiepreise und damit auf die Herstellungspreise energieintensiver Produkte (Stahl), besonders dynamische Tarifabschlüsse für Facharbeiterlöhne als Inflationsausgleich, Gesetzesänderungen mit Auswirkungen auf das Bauvorhaben beziehungsweise die Rahmenbedingungen.
Auch ein außergewöhnliches Hochwasser der Ruhr könnte sich negativ auf den Bauablauf und die Baukosten auswirken.
Die Fragen für „wickede.ruhr HEIMAT ONLINE“ stellte ANDREAS DUNKER.

