Glücksfall für die Gemeinde Wickede (Ruhr)

Geh- und Radwegbrücke auf finanziell tragfähigen Pfeilern

28. November 2024

WICKEDE (RUHR) / ARNSBERG.
Der in Teilen der Bevölkerung umstrittene Brückenneubau zwischen Echthausen und Wickede scheint sich für die Gemeinde zu einem Erfolgsprojekt zu entwickeln. Denn für die voraussichtlich 7,3 Millionen Euro teure neue Geh- und Radwegbrücke parallel zur Eisenbahnbrücke soll es einen Zuschuss von 90 Prozent der förderfähigen Kosten für das kommunale Bauwerk geben. – Das teilte eine Sprecherin der Bezirksregierung Arnsberg am Mittwoch (27. November 2024) auf Anfrage unseres lokalen Nachrichten-Portals „wickede.ruhr HEIMAT ONLINE“ mit.

Bürgermeister Dr. Martin Michalzik (CDU) kann den schriftlichen Förderbescheid voraussichtlich am kommenden Montag bei Regierungspräsident Heinrich Böckelühr (CDU) von der Bezirksregierung Arnsberg abholen.

Die verantwortlichen Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung und die Fraktionssprecher der im Rat vertretenen Parteien und der Bürgergemeinschaft (BG) hatten auf Wunsch des Bürgermeisters kürzlich den Weg für den politischen Finanzcoup – sprich: die überraschend schnelle und gute Lösung – geebnet.

Gute Gespräche zwischen Gemeinde, Land und Bund

Im Hintergrund hatte es zuvor Gespräche zwischen Vertretern von Gemeinde, Land und Bund gegeben. Denn kurzfristig hatte der Bund zum Jahresende noch Fördermittel für den Radwegebau frei und informierte die Länder darüber.

Da in Düsseldorf und Arnsberg das „RuhrBogenBrücken“-Projekt bekannt war, erreichte das Wickeder Rathaus deshalb am vergangenen Montag die Nachricht, dass man sich innerhalb von nur zwei Tagen verbindlich entscheiden könne und müsse, ob die Gemeinde die Mittel in Anspruch nehmen wolle.

Weil man im Bauamt der Gemeindeverwaltung gut vorbereitet war, hatte man die notwendigen Pläne bereits parat und gab – nach einer Videokonferenz von Bürgermeister Dr. Martin Michalzik (CDU) und den Sprechern der fünf im Rat vertretenen Fraktionen mit Vertretern der Bezirks- und Landesregierung – sofort grünes Licht. Denn sonst hätte – wenn überhaupt – maximal eine 75-prozentige Förderung in Aussicht gestanden.

Geringer gemeindlicher Eigenanteil für das kommunale Großprojekt

Bürgermeister Dr. Martin Michalzik (CDU) rechnet deshalb mit einem Eigenanteil von nur etwa einer Million Euro für das kommunale Großprojekt „RuhrBogenBrücke“. Die Basis dafür bildet die aktuelle Kalkulation der erfahrenen Planer des Büros „w & b Ingenieure“ in Münster auf der Grundlage des derzeitigen Preisspiegels im Bausektor.

Müsste die Gemeinde Wickede (Ruhr) das Bauwerk ohne diese finanzielle Unterstützung von Bund und Land errichten, wären die Kosten für die Kommune deutlich höher.

Plausible Argumente für die Notwendigkeit des Neubaus einer Brücke

Auf kritische Nachfrage unserer Redaktion erklärte der Wickeder Bürgermeister übrigens jetzt noch einmal plausibel, warum überhaupt ein Neubau der Geh- und Radwegbrücke etwa 15 Meter entfernt von der Eisenbahnbrücke notwendig ist und warum auch die etwas größere Brücke sinnvoll erscheint. Insbesondere Hochwasserschutz und Förderrichtlinien geben diesen Rahmen vor.

Fakt ist, dass das letzte prüfstatische Gutachten aus dem Jahr 2021 eine zunehmende Korrosion an statisch relevanten Bauteilen des bestehenden Brückenstegs festgestellt hat, die zu gefährlichen Tragfähigkeitsproblemen führen könnten.

Daraus ergibt sich, dass 2027 „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ eine Sperrung dieser Ruhrquerung für Fußgänger und Radfahrer erfolgen muss.

Unsicherheit im Zusammenhang mit der Eisenbahnbrücke

Durch einfache Reparaturen sind die Mängel nicht zu beheben und ein Neubau an gleicher Stelle und in gleicher Bauweise ist aus verschiedenen Gründen weder möglich noch sinnvoll.

Dabei spielt für die Verantwortlichen im Rathaus vor allem die Unsicherheit im Zusammenhang mit der Eisenbahnbrücke eine Rolle. Denn bei allen Planungen und Baumaßnahmen der Gemeinde Wickede (Ruhr) müssen die Zustimmung der Bahn als Eigentümer und dem Eisenbahnbundesamt als Aufsichtsbehörde eingeholt werden, was angesichts der Dringlichkeit des Brückenneubaus zu zeitlichen Verzögerungen und Unwägbarkeiten führen könnte.

Vermessung und statische Berechnung der gesamten Brückenkonstruktion

Außerdem müsste die Gemeinde vor Aufnahme entsprechender Verhandlungen mit der Bahn zunächst auf eigene Kosten und eigenes Risiko eine komplette Vermessung und statische Berechnung der gesamten Brückenkonstruktion einschließlich der Gründung unter dem Gleisbereich durch ein Ingenieurbüro durchführen lassen, da die alten Pläne durch einen Hochwasserschaden im Bahnarchiv vernichtet wurden und nicht mehr vorhanden sind.

Risiko: Längere Sperrung oder Abriss eines neuen Stegs nach nur wenigen Jahren

Aber selbst wenn die Statik neu berechnet und ein Bau der Kommune von der Bahn genehmigt würde, bliebe ein großes Risiko für die Gemeinde Wickede (Ruhr): Was passiert, wenn die Bahn irgendwann in den nächsten Jahren ihre Brücke saniert? Kann die Geh- und Radwegbrücke dann weiter genutzt werden oder muss sie für längere Zeit gesperrt oder sogar ganz aufgegeben werden? Wäre dann die hohe Summe für einen Neubau umsonst investiert oder müsste die Gemeinde sogar noch den Rückbau finanzieren?

Für Bürgermeister Dr. Martin Michalzik (CDU) und die anderen Verantwortlichen im Rathaus sind das jedenfalls zu viele Fragezeichen, so dass die Planungssicherheit bei der Entscheidung für einen Neubau ein paar Meter flussaufwärts eine entscheidende Rolle spielt.

Kommunales Radverkehrskonzept sieht breitere Fahrbahn für mehr Sicherheit vor

Zumal dabei auch die Vorgabe des kommunalen Radverkehrskonzeptes nach einer breiteren Fahrbahn für mehr Sicherheit an dieser Stelle berücksichtigt werden kann. Denn die Geschwindigkeit von Elektrofahrrädern, die Breite von Lastenfahrrädern und das höhere Verkehrsaufkommen durch den beliebten Ruhrtalradweg stellen ganz andere Anforderungen an eine solche Brücke als in früheren Zeiten.

Barriereärmer sowie weniger Konfliktsituationen und Kollisionsgefahren

„Mit Straßenbeleuchtung und Rampengestaltung kommt eine neue Brücke zudem den heutigen Sicherheitsanforderungen und mehr Barrierefreiheit für Kinderwagen, Rollatoren, Rollstühle usw. nach“, erklärte Michalzik. „Die Brückenbreite von vier Metern ermöglicht zudem eine klare Trennung von Geh- und Radweg, denn aktuell kommt es immer wieder zu Konflikten und teils auch Kollisionen von Fußgängern und Fahrradfahrern.“

Besser für den Winterdienst des kommunalen Bauhofs

Die neue Brücke ermöglicht es dem kommunalen Bauhof zudem, bei Eis und Schnee im Winter effizienter mit einem Fahrzeug zu räumen und zu streuen. Dies kommt auch den Pendlern auf dem Weg zur Arbeit und zur Schule zugute.

Umleitung der Fußgänger und Fahrradfahrer über Landstraße zu gefährlich

Eine reine Erneuerung des bisherigen Stegs würde zudem eine zweijährige Sperrung dieses Verbindungsweges zwischen Echthausen und Wickede bedeuten. Denn wegen der Brutzeiten der Vögel und des Hochwasserrisikos der Ruhr im Winterhalbjahr sind die Zeitfenster für Abriss und Neubau eng begrenzt.

Wohin sollte der Fußgänger- und Radverkehr in dieser Zeit umgeleitet werden? Über die Landstraße 732 (Ruhrstraße) zwischen Echthausen und Ruhrbrücke ist das viel zu gefährlich.

Bau einer eigenen Brücke schließt Risiken und Nachteile aus

„Ein Neubau schließt die genannten Risiken und Nachteile aus“, betont Bürgermeister Dr. Martin Michalzik (CDU). Und Verwaltung und Politik sind überzeugt, dass die Investition in eine eigene Brücke dank einer 90-prozentigen Förderung durch Bund und Land für die Gemeinde Wickede (Ruhr) auf jeden Fall wirtschaftlicher und zukunftsweisender ist.

Michalzik: ,,Anders hätte es sicher auch keine Zustimmung der Verantwortlichen in Land und Bund gegeben, denn die Kriterien sind streng und die Fördermittel für solche Projekte sind bundesweit knapp und begehrt.“

Stellungnahme zu hohen Kosten von voraussichtlich 7,3 Millionen Euro

Auch zu den doch sehr hoch erscheinenden Kosten von voraussichtlich 7,3 Millionen Euro für die 128 Meter lange „RuhrBogenBrücke“ hat die Gemeinde auf kritische Nachfrage unserer Redaktion ausführlich Stellung genommen:

„Zu den hohen Kosten eines Brückenneubaus tragen unter anderem der Arten-, Grundwasser-, Hochwasser- und Umweltschutz bei“, berichtet Michalzik. Nach Abwägung aller Kosten und Risiken sei das Neubauprojekt für die Gemeinde in jedem Fall in der Sache und in der Finanzierung vorteilhafter. Denn aufgrund der Förderung durch Bund und Land sei der Eigenanteil der Gemeinde Wickede (Ruhr) bei dem 7,3 Millionen Euro teuren Projekt deutlich günstiger als bei allen anderen in Betracht gezogenen Alternativen.

Herausforderungen durch schwieriges Baufeld, Technik und Umweltschutz

Michalzik: „Die technischen Anforderungen und die Umweltbedingungen für einen Neubau sind auf jeden Fall hoch. Sie würden aber teilweise auch für eine reine Rekonstruktion des alten Stegs gelten.“ Denn der Brückenbereich befinde sich in einem durch europäisches und nationales Arten- und Landschaftsschutzrecht stark reglementierten Bereich. Die Anforderungen an den ökologischen Ausgleich seien daher sehr hoch.

Außerdem ist das Baufeld durch den Fluss und den nahe gelegenen Bahnverkehr, der durch die Arbeiten nicht beeinträchtigt werden darf, sehr eng begrenzt. Die schmale Brücke über den Obergraben mit geringer Traglast auf der einen Seite und die lange Zufahrt über die enge Von-Lilien-Straße auf der anderen Seite stellen zudem besondere Herausforderungen für große und wenig wendige Baufahrzeuge wie Schwerlastkräne und -transporter für Brückenteile dar. Hinzu kommen die strengen Umweltschutzauflagen in der Ruhraue.

Brücke darf kein Stauhindernis für Schwemmgut bei Hochwasser sein

Weiter betont Wickedes Bürgermeister: „Um den Erfordernissen des Hochwasserschutzes gerecht zu werden und bei steigendem Wasserpegel und Schwemmgut kein Stauhindernis zu bilden, muss die Brücke eine gewisse Höhe und größere Länge haben. Dadurch ergeben sich zudem der notwendige Abstand zwischen den Brückenpfeilern und somit eine entsprechende Spannweite.“ Dies hätten Strömungssimulationen von Wasserbauingenieuren ergeben.

ANDREAS DUNKER für „wickede.ruhr HEIMAT ONLINE“


KOMMENTAR:

Gemeinde gelingt guter Brückenschlag zwischen Kosten und Mehrwert

Mit der Förderung durch Bund und Land ist Bürgermeister Dr. Martin Michalzik (CDU) und dem zuständigen Team im Rathaus ein besonderer Brückenschlag gelungen: Ein erheblicher Mehrwert für die Verkehrsinfrastruktur zwischen Echthausen und Wickede – ohne Mehrkosten für die Gemeindekasse.

Ganz im Gegenteil: Der Eigenanteil der Gemeinde ist – dank der großzügigen Förderung durch Bund und Land – für die breitere Brücke deutlich geringer als bei anderen angedachten Alternativen. Wickede (Ruhr) profitiert also erheblich von der Entscheidung.

Zumal nur die Lösung mit einer eigenen kommunalen Brücke parallel zur heutigen Eisenbahnbrücke realistisch ist, da eine zweijährige Umleitung der Fahrradfahrer und Fußgänger über die Ruhrstraße (L 732) aus Sicherheitsgründen undenkbar wäre.

Großprojekt mit Nutzen für den Gemeindehaushalt

Die Investitionsstrategie der Gemeinde bei diesem Großprojekt ist also – im Gegensatz zu manch anderen Baumaßnahmen, die unsere Redaktion zu Recht kritisch kommentiert hat – zukunftsweisend und gut für den Gemeindehaushalt.

Dies ist sicherlich nicht zuletzt dem Engagement und der Weitsicht der Mitarbeiter im Rathaus sowie dem politischen Netzwerk von Bürgermeister Dr. Martin Michalzik (CDU) zu verdanken, der sich unter anderem bei Regierungspräsident Heinrich Böckelühr (CDU) von der Bezirksregierung Arnsberg vehement und erfolgreich für die Förderung und Realisierung der örtlichen Baumaßnahme eingesetzt hat. Nicht zuletzt mit dem Hinweis auf die Bedeutung der Brücke für den regionalen Ruhrtalradweg.

ANDREAS DUNKER für „wickede.ruhr HEIMAT ONLINE“

Die Gemeinde Wickede (Ruhr) will den Steg für Fußgänger und Fahrradfahrer an der Eisenbahnbrücke zwischen Echthausen und Wickede durch eine neue Brücke einige Meter flussaufwärts ersetzen. Die Kosten dafür werden auf rund 7,3 Millionen Euro geschätzt. ARCHIVFOTO: ANDREAS DUNKER
Die Gemeinde Wickede (Ruhr) will den Steg für Fußgänger und Fahrradfahrer an der Eisenbahnbrücke zwischen Echthausen und Wickede durch eine neue Brücke einige Meter flussaufwärts ersetzen. Die Kosten dafür werden auf rund 7,3 Millionen Euro geschätzt. ARCHIVFOTO: ANDREAS DUNKER